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Helleleuchtender

Wergens SIEG 7

Worinnen vermittelſt

Einer dreyfachen Vorſtellung Kart n n ee daß es an der unwiſſenſte

Meuſch ſehen / faſſen und mercken kan /

I. Das Erkaͤnlnnß A IL? Die je Ubung / III. Das ebend x wahren Sottſeligkeit;

Sie ae Krafft und Hertzens⸗ ia, oder das innerliche rechtſchaffene 9 8 0 Ehriſtenthum; ſonder lich der vollige Pro⸗ ceß von des Menſchen Fall biß zur endlichen Wiedervereini⸗ gung deſſelben mit G O T T / als dem End: weck

Mit zur Sache hochdienlichen Kupffer⸗ Figuren / deutlichen Worten / klaren Schrifft⸗ ene geilireichen . bewieſen und de- monſtriret wiròd:

Samt ein eng a vollſtaͤndi⸗

üchlein / od

udachts & piegel: Alles nach der u Grund⸗ und Krafft- Lehre

cherleuchteten

JOHANNIS, THAULER| re ie ie arte ro ie rein

Amſterdam und Franckfurt /

Bey Johann Bielcken / Buchhaͤndl. M. DCC. v.

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Vorrede an den Ceſer.

S ſind nur zweene Wege / in welchen alle Menſchen / die je⸗ mahls zur Welt kommen / oder

kommen werden / zu wandeln / ſich er⸗ wehlen muͤſſen: einer iſt eng / ſchmahl und dem Fleiſche ſehr beſchwerlich / al⸗ leine ſein Ende iſt Leben und Wonne / Freude und Friede: Der andere iſt breit / der Natur luſtig und angenehm / aber ſein Ende iſtQuaal und Jammer / Tod und Verdamniß. Und ich halte nicht dafuͤr / daß einige Angelegenheit kan erdacht werden / oder jemanden zu Gemuͤthe kommen / die nothwen⸗ diger ſeyn kan als dieſe / nemlich / daß wir durch genaue Unterſuchung / und eigentliche Pruͤffung unſer ſelbſten / uns recht erkundigen / auff welchem von dieſen beyden Wegen wir warhaff⸗ tig wandeln. Dieſes nicht zu wiſſen / iſt hoͤchſtgefaͤhrlich: nicht wiſſen wollen / gantz verdammlich. Aber auff dem brei⸗ a a ten

Vorrede.

ten Weg einher wandeln / und dabey glauben / ja ſich überreden und troͤſten laſſen / als ob man dennoch auff dem ſchmalen Weg gienge / wie ſolches der heutigen gantzen Welt Weiſe iſt:ja noch uͤber diß die jenigen / die Chriſto mit Verleugnung ibver ſelbſt / und Ver⸗ ſchmaͤhung de: Welt auf dieſen ſchmah⸗ len Wege / der Er ſelbſt iſt / in der Wie⸗ der geburt nachwandeln / ſchmaͤhen / verſpotten / plagen und jagen / will ich / was ſolches ſey und nach ſich ziehe / ei⸗ nen jeden ſelbſt beurtheilen laſſen. Zwar Gott / der da wil / daß allen Menſchen moͤge geholffen / und ſie zu Erkaͤntniß der Warheit gebracht wer⸗ den / hat deßwegen einem jeden / der in dieſe Welt komen / ein gewiſſes Maß ſei⸗ nes ewige unerſchaffenen Lichts / Wor⸗ tes und Geiſtes mitgetheilet: welches Licht den uns niemahlen unangezeiget laͤſſet den ſchaͤdlichen und gefaͤhrlichen Ir.weg / darin wir uns vergangen und vergehen koͤnnen / dafern wir nur auff daſſelbe wollen Achtung geben: Welches Wort uns auch niemabls unerinnert und unbezeuget re ir | ohe

Vorrede.

hohe Nothwendigkeit / uns aus dieſem verderblichen und verdamlichen Wege zuruͤcke zu begeben / wann wir ſelbiges anders nur hoͤren und ihme gehorchen wollen: Welcher Geiſt ſich auch nie⸗ mahls unbereitet noch unwillig befin⸗ det / uns aus demſelben in alle Warheit zu leiten und fuͤhren / wenn wi anderſt nuꝛ ſelbigem von Heꝛtzen Folge leiſteten. Den diß iſt das Licht des Lebens / das da erleuchtet alle Menſchen / die in dieſe Welt komenzes iſt das Wort der War⸗ heit / das in uns gepflantzet / maͤchtig iſt unſere Seelen ſelig zu machen / nach welche wir auch weder in die Höhe noch in die Tieffe / weder in die Weite / noch in die Naͤhe lauffen oder fahren duͤrf⸗ fen / ſondern es iſt uns naͤher / als wir uns ſelbſt ſeyn / nemlich in dem Verbor⸗ genen unſers Hertzens / und in dem in⸗ nerſten unſerer Seelen. Es iſt der Geiſt der Gnaden / und der Kindſchafft / mit welchem versiegelt find alle / die dieſem Wort und Licht glauben / und in Auff⸗ richtigkeit gehorſam leiſten: Summa / es iſt ſelbſt der Weg / die Warheit / das Leben / der helle Morgenſtern / Ja die g ij Son⸗

Vorrede.

Sonne der Gerechtigkeit / oder mit ei⸗ nem Wort / Chriſtus in uns / in wel⸗ chein auch die Fuͤlle der Gottheit woh⸗ net / der da war / der da iſt / der da komt / hochgelobet ſamt dem Vater und Hei⸗ ligen Geiſt in Ewig keit / Amen. Diß Licht / diß Wort / dieſer Geiſt / iſt (ſage ich) als eine heylſame Gnade / von Gott allen Menſchen mitgetheilet / und hat als ein Chriſtus GOttes ſeinen Sitz und Reſidentz in dem Gewiſſen den ſelben / ſo gar / daß der Menſch bey ſol⸗ chem / dafern er in Gedult und Sanfft⸗ Muth darauf meꝛcket u. Achtung gibt / auch in denen allerzweiffelhafftigſten Dinge / als bey einem Goͤttlichen uͤber⸗ naturlichen Licht und Recht / eines aller unfehlbarlichſten Außſchlages ſich ver⸗ ſehen darff / alſo daß wir uns demnach wenig nach denen verfuͤhriſchen Ir: wiſchen und finſtern Laternen / auſſer uns umzuſehen Urſach haͤtten. Allei⸗ ne weil wir hiervon nach der allenthal⸗ ben empor ſchwebenden Erb⸗Religi⸗ ons uͤblichen Lehr⸗Art / wenig Nach⸗ richt haben / ſondern immerzu die Per⸗ le / den Ackerſchatz / und das Aalen tes

Vorrede.

tes auſſer uns ſuchen / da es doch Chri⸗ ſtus in uns will geſucht haben / weßwe⸗ gen auch ſo viel euſſerliche Ceremonien ſind erdacht worden; ſo iſts freylich kein Wunder / daß es alſo gehet / wie es leider ſtehet / und daß die blinde Welt mit ihren blinden Kindern / ſamt ihren blinden Leitern und Fuͤhrern / allbe⸗ reit biß an die Grube des Verderbens 7877 iſt / und auff dem Sprung ſtehet / ja daß je weiter wir unſern ſelbſt erwehlten Vaͤtern nachfolgen / je mehr wiꝛ des Lichts des Lebens uns un wuͤrdig / nimmermehr aber theilhaff⸗ tig machen / ſondern dabey je mehr und mehr den Zorn Gottes auff den Ta des Zorns über uns haͤuffen / der au allbereit alſo angegangen / und ſich ent⸗ zuͤndet / daß er wohl wenn er nicht an⸗ derſt als mit unſern Buß⸗Thraͤnen ſoll geleſcht werden / bi auch in die unterſte Holle brennen wird. N Weil wir denn bloß auff das Euſſer⸗ liche in Lehren und Hoͤren von Jugend auff angefuͤhret ſind / und uns das in⸗ nerliche Lehren und Hoͤren wenig be⸗ lant / ja von denen / denen der Bauch ihr . GOtt

Vorrede.

Gott iſt / nur verlaͤſtert und verketzert wird; ſo unterlaͤſſet gleichwol die Liebe Gottes unterdeſſen nicht / durch dero getreue Diener und Zeugen / als ſolche / welcheſin wahrem Gehorſamzu feinem Heiligen Licht / Wort und Geiſt erfun⸗ den ſeynd / noch ſtaͤtig die Welt ſolcher ihrer Thorheit und Irꝛthums / auch aufallerleyeuſſerliche Weiſe / zuuͤber⸗ weiſen / und ſie ſamt ihren Kindern / von dem breiten Weg ihres Verder⸗ bens und Verdam niß zuruͤcke zu ruf⸗ fen/ und das / was zu ihrem Heyl / Frieden und Erkaͤntniß dienet / ihr auf mancherley Manier vorzuſtellen. Gleich wie du den / freundlicher Leſer / in dieſe gegenwärtigen Hertzens⸗Spiegel / durch anmuthige weitreichende Sinn⸗ gemaͤhlde / andaͤchtige Betrachtungen / maͤch tige Schrifſtzeugniſſen / tägliche Erinerungen / nuͤtzliche Bermahnun⸗ gen / guͤldene Regeln / unwiderſprech⸗ liche Schlußreden / bewegliche Rei⸗ tzungen / liebliche Lieder / und hertzin⸗ nige Gebete / auff ſuͤſſe und ſauere Seife doch alles auffs einfaͤltigſte und kuͤrtzeſte / wirſt intentirt befinden / niere

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Vorrede. £

etwan dich dadurch in mehrere Weitz laͤufftigkeit / ſondern von derſelben ün

von allen ſtinckenden Cyſternen / (die doch keiner begierige Seelen den Durſt leſchen koͤnen / ab / zu de Mittel⸗Punct deines Gemuͤths / als zu dem Bruͤnlein des Lebendige und Sehenden / zu leiten und zu verſaͤmlen / alles wie gedacht / nach der einfaͤltigſt⸗ und kindlichſten Weiſe / dahero ich auch nicht zweif⸗ fele / daß / wofern du nur einiger Map fen das Heyl deiner Seelen liebeſt und ein Freund der Warheit biſt / du dieſen Hertzens⸗Spiegel durch fleiſſiges Betrachten / zur Erkaͤntniß des Staͤn⸗ des / darinnen du ſteheſt / und zum noth⸗ wendigen ernſtlichen Fortgang dei⸗ nes angefangenenChꝛiſtenthums / mit gutem Nutze wirft gebꝛauchen koͤnnen: Welches denn / ſamt allem deme / was dein Hertz warhafftig erfreuen / dein Gemuͤth befriedigen / und deine Seele voͤllig vergnuͤgenkan / (wozu ein meh⸗ rers als Welt⸗Schaͤtze gehoͤren) vor dißmahl das einige Wuͤnſchen und

Verlangen iſt Deines treugeſinneten Freundes /

N. von Wehrd.

28 (o) Se n jemand / wie doch GOTT in reinen Seelen wohn? Der wiſſe: wie das zit der Sonnen inden © Und wie ein Ban chi in bergan, und wie ein König fi ist M ‚nen Reich und Ein Lehrer in der Saat 9 Vater bey dem

Und wie ein teure Schatz in einem Acker,

Ein anhieb Ge in einemſchoͤnen geltz ie ein Carfunckelſtein in einer Kaͤyſer⸗Krone / Ein einem Blumen⸗

Wie füffes San bey einem Abend⸗

Und wie das Roſen⸗Oeli in einer rohen wunden / Und wie das Himmel ⸗Brod in einem seinen ' Schrein’ Und wie ein Garten⸗Brunn / und wie ein kühler Wein; Sagt ob ER ana wo ſo (höre wird seh

Wer GoOtt einſt beer bil, dort oder hier Erden / Deß agel 150 as fein einer Shit wel

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| FIGURLICHE, BILDUNG WIE IN, DIESER welt D chene weiten in ein under nemlich wie in diefer Irdifchen Sonnen Welt auch die Himlifche und Höllifche.

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Gott allenthallen 7 n es Licht nicht wird rant Gott Ha 2 5 d Inu es . 8 Oh rn x re hr e ele 105 dee 270. = O V. ö Seil ,, 3 Mi 5 AIE R 8

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IX. Von dem Einſprechen Gottes / nach der a innerlichen Tauffe des H. Geiſtes. X. Von der Wiederverbergung GOttes. XI. Vom hertzlichen Gebet. ö XII. Von des Hertzens Gelaſſenheit. XIII. Vomguten Willen. XIV. Von endlicher Offenbahrung und Ver⸗ einigung GOttes / oder Kꝛoͤnung der i Glaubigen Seelen. . Die Zweyte Vorſtellung begreiffet in ſich eine kurtzbuͤndige Anleitung zur heil. und gerechten Ubung der Gottſeligkeit / heſtehend ER I. In

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1 In einer nothwendigen Vorbetrachtung von einer einigen Guͤldenen Haupk⸗

Regel zur Ubung der Gottſeligkeit.

II. In einigen hoͤchſtnoͤchigen Erinnerungen. III. In unwiderſprechlichen Schluß⸗ Reden EHER der Warheit. Und denn IV. In täglichen Lebens⸗Regeln und ſchoͤnen andaͤchtigen Liedern. |

Die Dritte Vorſtellung handelt von dem Geheimniß der Gottſeligkeit und denen Mahlzeichen des Lammes / mit welchen alle und jede neu⸗ und wieder⸗ geborne Gottes⸗Menſchen / oder wah⸗

re Chriſten / ſo da ſind die rechte und

echte Gemeine der Heiligen / bezeichnet /

und als gedultige Laͤmmer GOttes

von denen tobenden Teuffels⸗Boͤcken

der unchriſtlichen verwirreten Ba⸗ bels⸗Gemeinſchafft / und den Mahlzeis

chen des Thieres / oder Geheimniß der Boßheit abgeſondert und erkannt ında

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Des helleleuchtenden Wertzens > = „Apiegels VBorſtellung/ Ordentliche / mee des gantzen Tbat⸗ und Hertzens⸗ Chri⸗

ſtenthums / oder Warhafftigen Erkaͤntniß der Gottſeliakeit /

Vom Fall des Menſchen biß zu deſſen Wieder Vereinigung mit GoOtt (als dem einigen Hauptzweck der rechten Krafft⸗ Theologia)

In ſonderbaren lehrreichen Sinn⸗Ge⸗

maͤhlden und Schrifftmaͤſſigen Betrach⸗ tungen verabfaſſet

durch P. K. Jetzo auch mit geiftreichen Liedern vermehrefe | * * e

9 5 Iſt innigſt! ſich vereint mit GO TT in Chriſto wiſſen. Apoc. XXI,. Wer uͤberwindet / der wird alles ererben / und Ich werde ſein Gott ſeyn / und er wird mein Sohn ſeyn.

Matth. XIII. v. TI. Spricht Jeſus zu feinen Juͤngern und

| Nachfolgern: Such iſts gegeben / daß ihr das Geheim⸗ V niß des Himmelreichs vernehmet / denen andern aber iſt es nicht gegeben / darum iſt ihnen meine Rede nur ein Gleichniß / denn mit fehenden Augen ſehen fie nicht / und mit hoͤrenden Ohren hören fie nicht. Item v.15.16. Dieſes Volcks Hertz iſt verſtockt / ihre Ohren hoͤren uͤbel / und ihre Augen haben ſie zugedruͤcket / auff daß ſie nicht der⸗ mahleins mit den Augen ſehen / und mit den Ohren hoͤren / und mit dem Hertzen verſtehen / auff daß ich ihnen huͤlffe. Aber ſelig ſind eure Augen / daß ſie ſehen / und eure Ohren / daß ſie hören. 2 N 0 Matth. VII. v. 6.

Ihr ſolt das Heiligthum nicht den Hunden geben / und eure Perlen ſolt ihr nicht flu die Saͤue werffen 7 auff daß fie dieſelben nicht zutreten mit ihren Fuͤſſen und ſich wenden euch zu zerreiſſen.

Des

EF SA Des belleleuchtenden Hertzen⸗ nee Spirgeis 3

Betrachtung. Was Adams Hertz vor dem

Fiall geweſen? ad Jerinnen wird abgebildet des erſten Adams Hertz in ſeinemerſchaſſenen Lichte / Unſchuld und Gerechtigkeit: dem ſich GOtt ſelbſt durch die Naſe / als die ewig⸗ lebendige Seele eingeblaſen / ein E⸗ benbild Gottes. Darbey zuverſte⸗ hen / daß Gott dem Menſchen einen freyen Willen gegeben / ihm den Tod oder das Leben zu erwaͤhlen: Derowegen ihm zweene Baͤume fuͤrgeſtellet / nemlich den Baum des Lebens / welcher mit ſeiner Wurtze im lebendigen Worte Gottes ſtehet: und den Baum des Erkaͤntniſſes Gutes und Boͤſes / der mit fine Wurtzel ſtehet med im Tode.

Aena, | Belge

Helleleuchtenden Zeugnmiß der Heiligen

Segneſ. 1, 27. Und Gott ſchuff den Mens ſchen Ihm zum Bilde / zum Bilde GOttes ſchuff Er ihn. Geneſ. 2, . Und GOtt der HE nach Menſchen aus einem Er⸗ den⸗Kloß / und Er bließ ihm ein den leben⸗ digen Odem in ſeine Naſen / und alſo ward der Menſch eine lebendige Seele.

„4. Eſdr. 3, J. Du gabeſt Adam einen todten Leib / der ein Geſchoͤpff war deiner Be ec m ein einen lebendigen Odem / daß er lebendig ward für dir. Und erübertrat dein Gebot / da ſprachſt du das Urtheil des Todes uͤber ihn und ſein gantzes Geſchlecht. v. 20. Aber du nahmeſt nicht von ihnen das boͤſe Hertz; denn weil dererſte Adam ein boͤſes Hertz trug / ward er üͤber⸗ wunden: alſo auch alle die von ihm gebo⸗ ren ſind. Das Gute fiel hin / und das Boͤſe iſt geblieben. Pl. 4 21. Kurtz / als der Menſch in der Wuͤrde war / und verſtunds nicht / iſt er worden wie das Viehe. Denn weil Adam der Warheit und dem heiligen Wort des Lebens / oder der Stimme ſeines Gottes / und dem Eingeben des guten En⸗ gels / welcher zu ihm ſagte Genef. 2. v. 16. Duſolt eſſen von allerleh Bäumen im Gars ten / aber vom Baum des Erkaͤntnis 1

Hertzens⸗Spiegel. 3 und Boͤſes ſoltu nicht effen. Denn welches Tages du davon iſſeſt / ſolt du des Todes ſterben! weder glaubte noch gehorchte; gehorchte und glaubte aber der Luͤgen und dem Eingeben des boͤſen Engels / welcher ihn

nd ſein Weib alſo beredete / Geneſ. 3. v. 4. rn et mit nichten des Todes ſterben / ſondern Gott weiß / daß welches Tages ihr davon eſſet / ſo werden eure Augen aufge⸗ than / und werdet ſeyn wie Gott / und wiſſen / was gut und boͤſe iſt. Darauf ſtehet ferner im 7. vers und ſie / und gab ihrem Mann / und er / da wurden ihrer beyde Augen auf⸗ gethan und wurden gewahr / daß fir nackend waren / ꝛc. So hat es mit ihnen billig ges heiſſen / wie hernach mit dem erſten Könige Iſrael / Saul / (der eben in einer ſolchen Figur ſtunde;) nemlich / weil du des HErrn Wort verworffen / ſo hat dich der PE RR wieder verworffen. Denn es bleibt dabey: Ungehorſam iſt eine Zauberey⸗ oder Origi⸗ nal» Sünde / und dem HEren widerſtre⸗ ben / übertrifft alle Abgoͤtterey und Goͤtzen⸗

Dienſte / im 1. B. Sam. 15. v. 23.

Allhier ſchau an / wie Adams Hertz Erſchaffen iſt nicht hinderwerts / Sondern heilig / gut / keuſch und rein / Sein Seel die war ein Gottes⸗ſchein. is

4 Helleleuchtender

Er trat mit Fuͤſſen Gotts Gebot. Freywillig er fiel in den Tod;

Der vLebens⸗baum wich von ihm ab / Der r meh. ward

Lob⸗ iedlen der Frei Liebe

vor alle deroſelben unausfprechlie. che Wo dölthaten 13 fl

See, die du mich zum Bude 12 Deiner Gottheit haſt gemacht; 5 8 die du mich ſo milde 5 Nach dem Fall mit oe bedacht; u Liebesdivergebichmichy h ‚Dein zu bleiben ewiglich. |

Liebe / die dumich rohen Eh als ich geſchaffen war;

Liebe / die du Menſch geboren / Mich zu ret ten aus Gefahr; Liebe / dir ergeb ich mich Dein zu bleiben .

Liebe / die für mich 1 Todes⸗Angſt und Hoͤllen⸗Leid; Kiebe / die mir hat erſtritten Leben / Fried und Seligkeit; Liebe / dir ergeb ich mich / 122 Dein zu bleiben ewiglich. . £ 4. Liebe

Hertzens + Spiegel. 5

.. 4 Liebe / die du Krafft und Leben / Liecht und Warheit / Geiſt und Wort; Liebe / die ſich bloß ergeben | Mir zum Heyl und Seelen Hort; Liebe / dir ergeb ich mich / Dein zu bleiben ewiglich.

Liebe die mich hat gebunden An ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe die mich uͤberwunden / Und mein Hertz hat gantz dahin; Liebe / dir ergeb ich mich / Dein zu bleiben coli.

Liebe / die mich ewig liebet / Die für meine Seele bitt; Liebe die das Lößgeld giebet / Und mich kraͤfftiglich vertritt; Liebe / dir ergeb ich mich / Dein zu bleiben ewiglich.

7. Liebe / die mich wird erwecken Aus dem Grab der Sterbligkeit; Liebe / die mich wird bedecken Mit dem Meer der Himmels ⸗Freud: Liebe / dir ergeb ich mich Lebend / ſterbend / ewiglich.

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Betrachtung, Was 980 ae Me ie

2 laden e dem boͤſen Geiſt und ſeinem Eingebẽ gehorchet / vom Baum des Erkaͤntniſſes Gu⸗ tes und Boͤſes geſſen / Gottes Wort und Eingeben verachtet und unter die Fuͤſſe getreten; So iſt er von Gottes Liebe abgetraũt / und in dem Goͤttlichen Lichte und Weißheit fin⸗ Kean dein und ſtum / und dadurch dem Zorn Gottes und ewi⸗ gen Tode zu Theil worden. Dar⸗ umb der Satan Gewalt uͤber ihn bekommen ſein Hertz zu beſitzen / und darein ſein Gifft aus dem Faß der Suͤnden und ewigen Verdamnis zu ſchuͤtten; daher nun des Menſchen Hertz zum guten erſtorben / allewege boͤſes thut un imer zu fünde wircket.

Zeugniß der Heiligen Schrifſt. Set 8,21. Das Dichten des wage

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Hertzens⸗ Spiegel. 7

Hen Hertzen iſt boͤſe von Jugend auf. Pred. Sal. 9/3. Daher auch der Masch Heltz voll Arges wird / und Thorheit iſt in ihrem Hertzen / weil ſie leben. Genelſ. 6/3. Die Menſchen wollen ſich den Geiſt Gottes nicht ſtraffen laſſen / denn ſie find Fleiſch. v. J. da aber der Menſchen Boßheit groß ward auf Erden / und alles Dichten und Trachten ihres Hertzens nur böfe war im̃erdar / reuete es den Eren / daß er den Menſchen gemacht hatte auf Erden / und es bekuͤmmerte ihn in ſeinem Hertzen / und ſprach: Ich wil die Menſchen / die ich geſchaffen habe / vertilgen von der Erden. Matt. 15/18. 19. Was zum Munde heraus geht / das kommt aus dem Hertzen / und das verunreiniget den Men⸗ ſchen; denn aus dem Hertzen kommen arge . Mord / Ehebruch / Hurerey / Dieberey / falſche Gezeugniß / Laͤſterung / ꝛc. Joh. 8/44. Der Teuffel iſt einduͤgner und Moͤrder vom Anfange / und iſt nicht beſtan⸗ den in der Warheit; Wenn er die Lügen redet / ſo redet er ſein eigen Thun. Er iſt der Verſucher / Matth. 4/3. Ex iſt der Feind / Luc. 10 / 19. Er iſt der Fuͤrſt dieſer Welt / Joh. 12/3 1. Der Fuͤrſt / der in der Lufft herꝛ⸗ ſchet / Epheſ. 2 / 2. der geſchaͤfftig iſt in den Kindern des Unglaubens / ibid. Die Obrig⸗ keit der Jinſternis / Coloſ. 1/12. Die alte

B jo Schlan⸗

8 Helleleuchtender Schlange / Apoc 12/9. Der Drache / cap 20%. Der Menſchen Widerſacher / 1. Petr. 57/8. Er hat uͤber den Tode dewalt Ebr. 214. Sap. 1/13. Gott hat den Tod nicht gemacht / und hat nicht Luſt am Verderben der Leben⸗ digen / ſondern er hat alles geſchaffen / daß es weſentlich ſeyn ſolte / und was in der Welt geſchaffen iſt / das iſt gut und nichts ſchaͤdli⸗ ches drinnen. Darzu iſt der Hoͤllen Reich nicht auf Erden / ſondern die Gottloſen rin⸗ gen darnach beydes mit Worten und mit Wercken; ſie halten den Satan fuͤr ihren Freund und fahren dahin / und verbinden ich mit ihm / und ſie ſinds auch werth / daß ſie ſeines Theils ſind. e SAL Gal. 5/19. Oſſenbahr find die Wercke des Fleiſches / als da find Ehbruch / Hurerey / Unreinigkeit / Unzucht / Abgoͤtterey / Zaube » rey / Feindſchaft / Hader / Neid / Zorn / Zanck ./ Zwietracht / Rottẽ / Haß /Mord / Sauffen / Steffen und dergleichen / die ſolches thun werden das Reich Gottes nicht ererben Der Gottloſen Hertz verhaͤrtet GOtt noch weiter / Exod. 8, 9. Deuter. 2, 30. Das Grab und die Hoͤlle find für dem Eren / vielmehr die Hertzen der Menſchen / Prov. 15% 11. Das Hertz iſt tuͤckiſch über alles und toͤdlich / wer wil es erforſchen? Ich der HErꝛ erforſche das Hertz / Jerem. 17/9. 10. Der N He

Hertzens⸗ Spiegel. 9 HErꝛ wieget (wie es nach dem Grundtexte lautet) die Hertzen / Prov. 16,2. 21, 2. 24, 12. Gott iſt ein Hertzenkuͤndiger / Actor. 1, 24. c. 15, 8. Rom. &, 27. Apoc. 2, 23. Ein verkehrt Hertz findet nichts guts / Prov. 17, 20. Jetzt lag Adam von Gott gewandt / Und lag gantz in des Todes Nuss Er ward finſter / un taub und blind Des Teufels und der Hoͤllen Kind; Der Satan ihmalls böfe ſtifſt / Schuͤtt in ſein Heꝛtz de; Suͤndẽ Gift. Er lebte nun in Gottes Zorn / Sein Ruhm war gantz und gar

verlohrn.

Thraͤnen⸗Liedlein einer die Laſt

der Suͤnden recht empfindenden bußfertigen Seelen.

I. Ke weh! ach weh! wo ſoll ich hin Fuͤr meinengroſſen Suͤnden? Wo wird mein todter Geiſt und Sinn Das Leben wieder finden? Wer gluͤt mein Hertz mit Himmels⸗Gluth / Wie Anfangs / noch zu ſcheinen? Wer gibt mir eine Thraͤnen⸗Fluth / Mein Elend zu beweinen?

Zi Ich hab des Schoͤpffers ſchoͤnſtes Bild / Mein arme Seel beflecket; ER Und

10 Helleleuchtender

Und ſeinen Glantz gantz raſend⸗ wild Mit Koth und Schlamm verdecket

Ja mich von hoͤchſter Herzligfeit

In tieffſten Spott gefaͤllet;

Ach weh! Ach weh! Ach Hertzeleid!

Dal ich mich ſo verſtellet.

wann Ich habe mich von Gott / Dem hoͤchſten Gut / gewendet Und zu der Sund / der Hol und Tod / Unſinnig angelendet: | Ich hab dem alle Gunſt verſagt / Der michſo hoch geliebet; Es hat mir dieſer mehr behagt /

Der ewiglich betruͤbet.

4. Hr Ichhab dem Herender Herzligkeit Sehr lau und kalt gedienet; Und ihm durch meine gantze Zeit Mit ſchlechter Treu gegruͤnet; Ich hab auf ihn nie acht gehabt / Nicht wie ein Knecht geehret / Noch auch / mit dem er mich begabt / Sein ſchoͤnes Pfund vermehret.

5. | Ich hab wie ein verſtocktes Kind Den Vater / Ach! verlaſſen / Und bin gerennet wild und blind Auf meiner Boßheit⸗Straſſen; 800 >)

Hertzens⸗ Spiegel. Ir Ich hab ihm meine Pflicht und Schuld Nicht nach Gebuͤhr erzeiget; Noch fuͤr ſo vaͤterliche Huld In Demuth mich geniiget.

Ich habe meinem beſten Freund Die Freundſchafft auffgeſaget /

Und ihn / wie treu ers auch gemeynt / Von mir hinweg gejaget;

Ich habe mich zum Feind gewendt / Und bin ſein Sclave worden;

Zum Feind / der euſſerſt mich geſchaͤndt / Und ewig will ermorden.

7. Ich habe meinen Braͤutigam / Der mich ihm außerkohren; | Den hoͤchſten Schatz / das theure damm / Elendiglich verlohren;

Ich hab des Schoͤnſten Angeſicht /

|

.

Des Liebſten Kuß verſchertzet: Dich Himmels⸗Sonn und Lebens⸗Liecht Verlieren / I das ſchmertzet!

O tauſend weh! Otodte Luft! Wie haſt du mich vernichtet;

O Eitelkeit! O Suͤnden⸗Wuſt! Wie bin ich zugerichtet:

O Sund / O Suͤnd / O Seelen⸗Tod! Du haſt mich mir genommen Du

12 Helleleuchtender

Durch dich bin ich umb Vater / Gott / DErn / Freund und Braͤutgam kommer

f 9. Ach! iſt auch irgends eine Pein / Die meiner gleich zu ſchaͤtzen? Kan auch eineinigs Ubel ſeyn / Das neben mein s zu ſetzen? Ich war aus unerhoͤrter Huld / Zum Zweck der Lieb geſtellet; Doch hab ich mich aus eigner Schuld In tieffſten Grimm gefalle. 10. Wem ſol ich nun mein Hertzeleid Und groſſen Jammer klagen? Wem ſol ich meine Traurigkeit Und ewgen Schaden ſagen? | Ach! ich bin felbft mein Seelen »Giffts Mein Tod und Feind geweſen; Ich ſelbſt hab mir / was mich jetzt trifft / Muthwillig auserleſen.

11.

Oew' ge Güt / O groſſer Gott!

Zu dir wend ich mich wieder; Dir klag ich meines Hertzens Noth /

Fuͤr dir werff ich mich nieder; Dir ruff ich zu / dich ſchrey ich an

Umb Ablaß meiner Sünden: Dubiſts allein / der helffen kan / Und mich vom Tod entbinden. Ia

12.20

Hertzens⸗Spiegel. 13

N f 12. Leid iſts mir was ich hab gethan / Und was ich mißgehandelt; Es reuer mich / daß ich die Bahn Der Suͤnder je gewandelt: Ach; daß ich doch mein Angeſicht emahls von dir gewendet / Ach: daß der Creaturen Licht / Mich jemals ſo geblendet. 13. Ich bin noch itzt / nochewig werth / Dein Antlitz zuerblicken; Ich bin nicht werth / daß mich die Erd / Erdult auff ihrem Ruͤcken; Jedoch vergib / ſchrey ich zu dir / Vergib / O groſſe Guͤte / Vergib / vergib / vergib es mir O Gnaͤdiges Gemuͤthe.

| 14 Du biſt ja huldreich / gut und mild / Barmhertzig und gelinde; Du wirſt ja deiner Gottheit⸗ Bild Nicht laſſen in der Sünde! er wird dich loben in dem Pfuhl? Wer in dem Abgrund preiſen? Wer Opffer bringen deinem Stuhl / Sich deines Dienſts befleiſſen?

15. 0 DEr / fo du ins Gericht wilt gehn / an | | n

14 Helleleuchtender

Und nach den Thaten ſprechen; Wer iſts / der fuͤr dir kan beſtehn / | Und ſich der Straff entorechen? Die Himigel find unrein fuͤr dir Die Engel haben Tadel; Vielmehr der e docs So wen che Mit allem ſeinem Adel. 16. Schau an / ſchau deinen ein ‚gen Suhn / Der meine Schwachheit traͤget: Der meine Pein und Suͤnden⸗Lohn / ich ſelbſt hat auffgelegee: Schau / wie Er an des Creutzes Stamm 4 Fur mich iſt angeſchlagen; | Schau Vater / wie das theure amm All meine 3 ge

Was wilt du mehr? die Sind iſt hin /

Die Schulden find bezaͤhlet! Veraͤndert iſt Hertz Muth und Sinn /

Sein Blut hat mich bemahlee: Ich bin nun Freund / Knecht / Braut und 8 Ich bin nunaußerkohren; (Kind Nun ſauſet ſeines Geiſtes Wind /

Nun binich neu DE | 170 m

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Forthin werd ich wohl nimmermehr

Aus deinen Wegen ſchreiten; Ich werde deines Namens Ehr

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Hertzens⸗ Spiegel. 15 Durch alle Welt ausbreiten; Ichwil dich lieben über mich / Ich wil mein Leib und Leben | Zu deinem Lobe williglich / * So! ſtduwik aufgeben. 5 > x ee Fenn

Betrachtung

Von der Gnade Gottes / und Weieder⸗Geburt. Da. nun des Menſchen Hertz ver⸗ dorben / von GOtt abgewandt / und dem Tode heim gefallen war; erbarmte ſich der einige GOtt in ſei⸗ ner Dreyheit / und hatte in feinem unerforſchlichen Rath aus groſſer Fa | im We hee neue Schoͤpffung zu vollbring Niemſſch daß Gott durch Wucung ſeines Heiligen Geiſtes / ſein allmaͤch⸗ tiges WORT, welches Er aus ſich ſelber von Ewigkeit geboren / wolte laſſen einen Weibes⸗Saamen und Menſch werden / in welchem Worr,; der Menſch zugleich ſolte von neuen wieder geboren / und zum Leben ge⸗ bracht werden. OO e

|

61 Helleleuchtender

Gott in Adams Hertz das Licht von der Finſterniß durch das ruffende WORT, da Er ſprach: Adam / wo biſt du? Hiedurch ward Adams Hertz in gewiſſer Maß wieder er⸗ leuchtet / und mit der Goͤttlichen Lichtes⸗Flammettingirt, das iſt / mit dem H. Geiſt / oder mit dem Oehle Goͤttlicher Gnaden und Barmher⸗ Hh wic der geſalbet / daß er die

erheiſſung des Weibes⸗ Samens mit Glauben faſſen und annehmen kunte. Und alſo ward der Meſſias oder Chriſtus der rechte Weibes⸗ Saamen / in ihme / nemlich in dem innerſten Grund ſeines Hertzens / ſchon geboren geiſtlicher Weiſe nach der Verheiſſung. Ja alſo ward EHriftus ferner gepflantzet auff Abraham / Iſaac / Jacob / David /c. biß die 115 er fuͤllet ward / daß Er auch euſſerlich nach dem Fleiſch aus Maria der Jungfrauen geboren; Und noch durch die Wieder⸗ Geburt in aller glaubigen Menſchen Her⸗ tzen / duꝛch Wickung eee

e

Hertzens⸗ Spiegel. 17 nach Geiſt und Weſen in wahrem Glauben geboren wird / ſo fern der Menſch nur fein eigen Fleiſch / die Macht der Finſterniß / die alte Schlange / und den Tod nicht in ſich hereſchen laͤſſet.

Das Weſen GOttes iſt:

1. GOTT. innerl. GEIST. galt Teſt.ſein GOTT. WOEX. N 7* ein GEIST. ‚VATER.

Br fe neu Teſt. end Or.

Dieſe DREY 8 E und ein EINICER 7 O VAH

HERR HERR der HERREN. au 10 auch fein Ebenbild und Gleichniß:? Menſch Himmlisch. a "Sl ein Weſen Geifilich. 3. Geiſt Her Leiblich. Suma: In CHRISTO iſt GEIST, und e perſoͤnlich.

auto ORT. Se fete eincn YT. s WORT sTus oder MENSCH.

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13 Helleleuchtender In dem die Fuͤlle der gantzen

1 Gottheit / ‘3 VATER SOHN, H. GEIST. leibhafftig wohnet and alle Kraͤffte Himmels und der Erden Zeugniß der Heiligen Schrifft.

Senel. 3, 8. Und ſie hoͤreten die Stimme Gottes des HEren / der im Garten gieng / da der Tag kuͤhle worden / und Adam ver⸗ ſteckte ſich. v. 9. Und Gott der HEizrieff Adam / und ſprach zu ihm / wo biſt due v. 11. Haſt du nicht gegeſſen von dem Baum / das von Ich dir gebot / du ſolt nicht davoneſſen. v. 14. Da ſprach Gott der HErz zu der Schlangen: die weil du ſolches gethan haſt / ſeyſt du verflucht für allem Vieh. v. 15. Und Ich wil Feindſchafft ſetzen zwiſchen dir und dem Weibe / und zwiſchen deinem Samen und ihrem Samen / der ſol dir den Kopff zu⸗ teten / und du wirſt ihn in die Ferhen ſtechen.

Geneſ. 12. Durch deinen Samen ſollen geſegnet werden alle Geſchlechte auff Era den. Galat. 3. | | R

Jeſ. 7, 14. Siche eine Jungfrau wird ſchwanger / und wird einen Sohn gebaͤh⸗ ren / den wird ſie heiſſen Immanuel / oder Gott in / mit und bey uns ꝛc. 10 | N

Hertzens⸗Spiegel. 2

Jeſ.9, 6. Dennuns iſt ein Kind geboren / ein Sohn iſt uns gegeben / welches Herꝛ⸗ Schafft iſt auff feiner Schulter. Und Er heiſt Wunderbahr / Rath / Krafft / Held⸗ ewiger Vater / Friede⸗Fuͤrſt. v. 7. Auff daß feine Herꝛſchafft groß werde und des Friedes kein Ende / auff dem Stuhl David und in feinem Königreich / daß ers zurichte und ſtaͤrcke mit Gericht und Gerechtigkeit / n Solches wird thun der Eiffer des HErꝛn Zebaoth.

SGalat. 4, ( J. 6. Da aber die Zeit erf allee war / ſandte GOtt feinen Sohn / geboren von einem Weibe und unter das Geſetz ge⸗ than / auff daß er die / ſo unter dem cha t

waren / erloͤſete / daß wir die Kindſcha

20 Helleleuchtender Johan. 1. Im Anfang war das Wort / und das Wort war bey Gott / und GOtt war das Wort / daſſelbe war im Anfang bey Gott. Alle Ding ſind durch daſſelbige gemacht / und ohne daſſelbige tft nichts ges macht / was gemacht iſt; In ihm war das Leben / und das Leben war das Licht der kenſchen / und das Licht ſcheinet in der Finſterniß / und die Finſterniß habens nicht begriffen. v. 6. Das war das warhaffti⸗ ge Licht / welches alle Menſchen erleuchtet / dit in dieſe Welt kommen. Es war in der Welt / und die Welt iſt durch daſſelbige ges

macht. Und die Welt kante es nicht v. 12,

Wie viel ihn aber aufnahmen / denen gab er Macht GOttes Kinder zu werden / die an feinen Namen glaͤuben / welche nicht von dem Gebluͤt noch von dem Willen des Fleiſches / noch von dem Willen eines Man⸗ nes / ſendern von Ott geboren ſind. Und das Wort ward Fleiſch und wohnete unten uns / und wir ſahen ſeine Herꝛligkeit / eine Herzligkeit / als des eingebornen Sohns vom Vater / voller Gnade und Warbeit. I. Joh. 2, 26. Ihr habet die Salbung von dem / der heilig iſt / und wiſſet alles v. 27. Und die Salbung / die ihr von ihm empfan⸗ gen habt / bleibet bey euch / und dürſſt nicht / Daß euch jemand lehre / ſondern wie he us \ lehre

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Hertzens⸗Spiegel. 2,

lehret / fo iſt es wahr und keine Lügen / und wie ſie euch gelehret hat / fa bleiber bey dem ſelbigen. age 3. Warlich / ich ſage dir / es ſey denn / daß iemand von neuem geboren werde / kan er das Reich GOttes nicht ſehen. v. 5. Es ſey deñ / daß iemand geboren werde aus dem Waſſer und Geiſt / ſo kan er nicht in das Reich GOttes kommen. Was vom Fleiſch geboren wird / das iſt Fleiſch / und was vom Geiſt geboren wird / das iſt Geiſt. Alco iſt der Menſch zwiefaltig / innerlich und euſſerlich: Der eußere iſt aus dem Fleiſch geboren; der innerliche iſt aus dem Geiſt geboren; Die haben einen ſtaͤtigen Krieg in dieſer Welt. Der erſte Mens Adam auß dem Fleiſch geboren / iſt euſſerlich unter der Macht der Finſterniß und des To⸗ des. 1. Cor. 15. Der andere iſt Chriſtus / oder ein Gliedmaß CHriſti / innerlich aus dem Geiſt geboren / der ſtirbet nicht / und beſitzet ewiglich das Himmelreich; davon ſtebet beſchrieben. 2. Cor. 4, 16. Ob ſchon unſer euſſerlicher Menſch verweſet / fo wird doch der innere von Tage zu Tage erneuert. Rom., J. Da wir im Fleiſch waren / da war das Wuͤten der Sünden kraͤfftig in unſern Gliedern / dem Tode Frucht zu brin⸗ gen; Nun aber ſind wir vom Geſetz loß und C iij im

.

22 Delleleuchtender

ihm b das uns gefangen hielt / alſo daß wir nu dienen ſollen / im neuen We⸗ ba des Geiſtes / und nicht im alten Weſen es Buchſtabens. v. 18. Denn ich weiß daß in mir / das iſt / in meinem Fleiſch woh⸗ net nichts Guts / wollen hab ich wohl / aber vollbringen das Gute find ich nicht; Denn das Gute / das ich will / thue ich nicht / ſon⸗ dern das Boͤſe / das ich nicht wil das thue ich / ſo ich aber das thue / das ich nicht will ſo thue ich daſſelbige nicht / ſondern die Sin de / die in wir wohnet. Rom. 9,7. Nicht ſind das GOttes Kinder / die nach dem Steh Kinder find /fondern die Kinder der erheiſſung.

Prov. 16, 4. Der HErꝛhat alles gemacht um ſein ſelbſt willen / auch den Gottloſen zum böfen Tage. Jeſ. 45. 6. Ich mache das Licht / und ſchaffe die Finſterniß. Jel. 74. 16.

Giehe ich ſchaffs / daß der Schmidt / ſo die

Kohlen im Feur auffblaͤſet / einen Zeug drauß mache / zu ſeinem Werck. Denn

ich ſchaffs / daß der Verderber umkommet.

Rom. 8, 13. So ihr durch den Geiſt des

flaches Gtſchaͤffte toͤdtet / fo werdet ihr eben

Gott wil nicht / daß jemand ſoll verlohren

werden; denn er ſpricht: 4. Eſdr. 3, 10.

Deine eigene Dinge / die um dich her ſind/ kanſt

Hertzens⸗Spiegel. 23

kanſt du nicht erkennen: Wie ſolte dann ein

Gefäß den Weg des Allerhoͤchſten faſſen?

4. Eſdr. 1, 24. Juda / du haſt mir nicht wollen gehorſam ſeyn; v. 27. Ihr habe nicht mich / ſondern euch ſelbſt verlaſſen. v. 28. Habe ich euch nicht geboten / wie ein Vater ſeinen Soͤhnen / wie eine Mutter ihren Töchtern / wie eine Ameihren Sauge lingen: v. 30. Ich habe euch zu Hauffe ge⸗ ſamlet / wie eine Henne ſamlet ihre Küche lein unter ihre Flügel / was ſol ich euch mehn thun? Item Matth. 23,37.

4. Eſdr. 2, 21. Gott hat allen Menſchen / die in dieſe Welt kommen / geboten / was fies wenn ſie kommen ſeyn / thun ſollen / daß ſie leben; aber ſie gehorchen ihm nicht / ſon⸗ dern widerſprechen ihm / und gehen mit titeln Anſchlaͤgen um. v. 59. Denn Mofes fprachs Erwehle dir ſelber das Leben / auff daß du leben moͤgeſt / ſie aber glaubten ihm nicht 4 auch nicht den Propheten.

Allhier ſol der Menſch fleiſſig be⸗ trachten die zehen Gebot Got⸗ tes / Exod. 2 o. welche Gott auch in aller Menſchen Hertzen ge⸗ ſchrieben / daraus Erkaͤntniß der Suͤnden entſtehet.

2. Sam. 22. Bey den Heiligen biſt du hei⸗ lig / bey den rom men biſt du fromm / bey den ED Re | |

24 Helleleuchtender

Reinen biſt du rein / und bey den Verkehrs ten biſt du verkehrt. 2. Cor. 2, 15. Denn wir ſind GOtt ein guter Geruch CHriſti / beyde unter denen / die da ſelig werden / und unter denen / die verlohren werden: dieſen ein Geruch des Todes zum Tode / jenen aber ein Geruch des Lebens zum Leben. Jerem. 2,28. item cap. 11, 13. So manche Stadt / ſo manchen GOtt haſt du Juda. Jer. 253. Siehe / ich wil mit dir rechten / daß du ſprichſt / ich habe nicht geſuͤndiget.

4. Eſdr. 8, JJ. Darum frage nicht weiter nach dem groſſen Hauffen derer / dir ver⸗ damt werden ſollen; denn dieſelben haben ihnen Freyheit genommen / und haben den Allerhoͤchſten verachtet / ſie haben ſeine Ge⸗ bot verworffen / und feine Wege verlaſſen / zu dem haben ſie ſeine Gerechten mit Fuͤſſen getreten / und haben in ihrem Hertzen ge⸗ ſagt / es iſt kein G Ott / da ſie doch wuſten / daß ſit ſterben müſſen. v. 59. Denn GOtt hat nicht gewolt / daß die Menſchen verloh⸗ ren wuͤrden / ſondern fie ſelbſt / welche ge⸗ ſchaffen ſind / haben den Namen ihres Schoͤpffees beflecket / und find dem undanck⸗ bar geweſen / der ihnen das Leben bereitet

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A 0 4. Eſdr. 9,18. Darum bekümmere dich nicht weiter / wie die Gottloſen PüR ep

Hertzens⸗Spiegel. 25

niget werden / ſondern frage darnach / wit die Gerechten ſollen ſeelig werden / als wel⸗ chen jene Welt zuſtehet und umb welcher willen ſie geordnet iſt. Eſdr. 16, 3. Guͤrchte dich nicht für den boͤſen Gedancken / ſo wider dich ſeyn / und Jaß dich das Geſchwaͤtz der Unglaubigen nicht irren. Denn ein jeglicher Unglaubi⸗ ger wird in ſeinem Unglauben ſterben. I. Joh. 1, 6. Gott iſt ein Liecht / und in ihm iſt keine Finſterniß / ſo wir ſagen / daß wir Semeinſchafft mit ihm haben / und wandeln in der Finſterniß / ſo luͤgen wir / und thun nicht die Warheit. So wir aber im Lichte wandeln / wie er im Licht iſt / ſo haben wir Ge⸗ meinſchafft unter einander 2. Joh. 3,14. Wir wiſſen / daß wir ſind aus dem Tode ins Leben kommen / denn wir lieben die Brüder. Wer feinen Bruder nicht liebet / der blei⸗ bet im Tode. 1. Joh. 4, 4. Der in euch iſt⸗ iſt groͤſſer / als der in der Welt iſt. Sie ſind von der Welt / darum reden ſie von des Welt / und die Welt hoͤret ſie. 1. Joh. 5/4, Alles / was aus Gott geboren iſt / überwin⸗ det die Welt / und unſer Glaube iſt der

Sieg / der die Welt uͤberwunden hat. Eccleſ. 3, 11. GOtt hat die Welt in des Menſchen Hertz gelegt / ungeachtet / daß der Menſch nicht erfinden kan das Werck / Cv das

2s Helleleuchtender das Gott thut / weder Anfang noch Ende. Pfalm. 12/3. Die Menſchen lehten aus

Unei nigen Hertzen. I. Ich. 3, 20. So uns unſer⸗ Hertz bers dammt / ſo it Gott groͤſſer / als unſer Hertz / und erkennet alle Dinge. Ihr lieben / ſo uns unſer Hertz nicht verdammet / ſo haben wirFreudigkeit zu Gott.

1. Joh. 3,9. Daran erkennen wir / daß wir aus der Warheit ſind / wenn wir uns fer Hertz vor ihm ſtillen. |

Darauß ſolget / daß der Menſch nach dem Fall keinen freyen Willen habe zum Guten / es werde ihm

denn von Gott gegeben; Aber wohl einen freyen Willen zum Boͤſen / daß er muthwillig dem guten Eingeben Gottes wider⸗ ſtrebet. Darum ſol der Menſch nicht ſeinen Willen / ſondern Gottes Willen thun. Denn es ſtehet geſchrieben: Joh. 3, 17. Wer den Willen GOttes thut / der bleibet in Ewigkeit. Matth. 12,50. Wer den Willen thus weines Vaters im Himmel / der iſt mein Binder / und Schweſter / und Mutter. Tele

Hertzens⸗Spiegel. 27 Joh. 7, 16. Meine Lehre iſt nicht mein ſonderndeß / der mich geſandt hat.

1. Petr. 3, 2. Ihr ſolt hinfort nicht den Luͤſten der Menſchen / ſondern dem Willen Gottes leben. ae |

Jerem. 24, 2. Ich wil ihnen ein Hertz ge⸗ ben / mich zu erkennen / daß ich der Senne Gott gab dem Saulein ander Hertz. 1. Sa- muel. 10, 9. Gott veraͤnderte den Egyptern das Hertz. Pſalm. 107. 25. Gottͤͤnderte DE Könige Nebucadnezar fein Hertz. Stuͤck. in Eſt. 3 / 11. Des Königs Hertz iſt in des Hand des HErꝛn / und er lenckets / wohin er will. Prov. 21, 1. Jer. 32, 39. Ich wil ihnen ein Hertz und Weſen geben. Prov. 16, 1. Der Menſch macht wol Anſchlaͤge im Hertzen / aber vom HErꝛen kommts / was er reden fol. Ol. 2, 14. Ich will zu ihrem Hertzen reden.

Ezech. 36, 26. Ich will euch ein neues Hertz geben / ich will das ſteinerne Hertz von eurem Fleiſch wegnehmen / und will euch ein Fleiſchern Hertz geben.

Pſalm. 51/12. Schaffe in mir G Ott ein n . und erneure in mir einen fe

en Geiſt.

Actor. 16, 14. Der HErr thaͤt der Pur pur⸗Kraͤmerin das Hertz auff. |

2. Theſſ. 3, J. Der Herr richte eure =

2 HPelleeuchtender tien zu der Liebe Gottes und Gedult Chriſti. Rom. 3m, 28. Wir wiſſen / daß der Menſch gerecht werde durch den Glauben ohne des Geſetzes Werck. Re i Kom. 2,18. Die Heyden bezeugen das Werck des Geſetzes / welches geſchrieben iſt in ihr Hertz. | Jacob. 2, 19. Wiederſtehet dem Teuffel / fo wird er von euch fliehen. 1. Petr. 5 ‚9. Widerſtehet ihm im Glauben.

1. Joh. 3, 8. Darzu iſt erſchienen der Sohn Gottes / daß er die Werckte des FM Teuffels zerſtoͤre.

Diß jammerte den lieben GOTT Weß rachſchluß war / dz folder not Sein ewig Worr ſolt Mittler ſeyn / Vom tod den Menſchen zu befrey 'n. Des Weibes Sam er werden muͤſt / Daß er des Menſchen Guͤnde buͤſt / Und Adam wieder rufft ins Licht; Doch wich von ihm das Boͤſe nicht. Erinnerimag - Lieblein von der

verlohrnen und wieder gefuns denen Seelen. 1. 5

ze dr Wunder / hoͤrt / des Himmels⸗Koͤ⸗ 8. nigs Sohn /

Bere zus

Hertzens⸗Spiegel. 13

egt ab die Cron / verließ den ohen Thron

Und ward ein Knecht auff Erden: Damit ihm nur die arme Magd Sulamith / die vom Feind verjagt / |

Zu einer Braut BR moͤchte werden.

Er ſuchte ſie durch Fab, 7 7 Hei, uro

Er kahn peen rufft voll heyſer debes. Qual nd braͤnſtigem Verlangen

ik die länge und Die quer 80 Und rieff / komm liebſte / komm doch 5 5 5

Komm e ee

Biß endlich fand erfte gantz bloß allein Verirrt in einer wilden Wuͤſten ſeyn Dazu in Schlaf verſuncken; Da trat Er liebreich au ihr hin Herährend ihren Geiſt und Sinn Mit feinen Liebes Feuer⸗Juncken. i

= 4. 5 cn Ach / Ach; ſprach er / Ach du verlaßnes Kinds

Wie ſchmergts mich / [Ba dich ſo arm blin | Und voller Schlaff hier finde;

Steh auff / ſteh auff / ich komm u dir⸗ Daß ich dich in mein Reich einfaͤhr /

Und ewig dich mit mir verbinde.

5.

se Helleleuchtender

5. 5 Ich ſuche dich und bin in dich verliebt / Verliebt bin ich und biß in Tod betruͤbt Umb dich mein ander Leben: Steh auff mein Schatz / mein liebe Braut Der ich mich ewig hab vertraut / Die eee wil ich dir geben.

Sulamith ſprach / O theurer Salomon /

Du ſelbſt biſt mir die hoͤchſte Ehren⸗Kron Biß tauſendmahl willkommen:

Im Schlaff warſt du mir ſchon bekand /

Nun bin ich recht in Lieb entbrand

Mein Hertz haſt du mir gantz genommen.

7. Ich liebe dich allein und dancke dir / | Du meines Lebens Leben / Schmuck und Daß du mich haſt erwecket; (Zier Ich wuͤrd ſonſt wohl / ich armes Schaf / In Irꝛthumb und in tieffen Schlaf Biß ins Verderben ſeyn geſtecket.

Dich liebe ich / O Liebſter Seelen Freund

Allein mit dir / ſuch ich zu ſeyn / vereint /

Vergeiſtet und verleibet:

Mimm hin mein Hertz / nimm deine Braut

Nimm mich / die dir ſchon gantz vertraut Und Ewig / Ewig / Ewig bleibet.

IV. Be⸗

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Hertzens⸗ Spiegel. 65

| EL | Betrachtung. Vom Nutz dee Leidens

Chriſti

aeraus wird offenbar / daß

der Menſch von Natur aus der Eva geboren ein Kind des Zorns fen / welcher den Tod mit ſich auff die Welt bringet / und lebet in der Nacht / Finſterniß und Blindheit. Dargegen hat Gott das Licht ſeiner Liebe / Gnade und Barmhertzigkeit noch in Mutter Leibe im Hertzen wieder angezuͤndet / duꝛch das Wort

ſein Wort und den Heiligen Geiſt / er das goͤttliche Geſetz in unſer Hertz chreibet. Alſo regieret im Men⸗ chen Licht und Finſterniß / Tod und Leben. Daher iſt der Menſch zwi⸗ fach / innerlich und RN 8 * N IB

892333131 TER

2 Hellele uchtender

lich und geiſtlich; das Fleiſch geluͤ⸗ ſtet wider den Geiſt / und den Geiſt wider das Fleiſch. Darum iſt ein ſtetiger Krieg im Hertzen; welches Theil nun obſieget / das wird blei⸗ ben / entweder der Tod oder das Le⸗ ben. So dann das lebendige Wort Gottes durch Wirckung des heili⸗ gen Geiſtes Menſch worden / und aus der Jungfrauen geboren / daß es am Exeutz / als ein unſchuldiges Lamm und einiger Mittler zwiſchen Gott und Menſchen / zwiſchen Licht und Finſterniß / zwiſchen Verdam⸗ niß und Seligkeit / zwiſchen Zorn und Gnade / auffgeopffert worden zur Verſoͤhnung Sottes und uͤber⸗ windung der Suͤnde / Holle / Tod und Teuffel: So muͤſſen wir auch durch den Tod dieſes Gecreutzigten im Glauben durch Creutz und Lei⸗ den wieder vom Tode zum Leben eingehen / als ſeine in ſeinem Creutz mitgecreutzigte Gliedmaſſen. Wer aber nicht glaͤubet und durch den Glauben Chniſtonachfolger/ der u | 1

Hertzens⸗Spiegel. 33 vet in der Finſterniß / und ewigen Verdammniß. Denn in Chriſto iſt Simmel und Erden / Licht und Sim ſterniß / Tod und Leben gecreutziget. Und ſoChriſtus nicht auch in unſern Hertzen gecreutziget waͤre / und wir au ihm zu gleicht Tod begraben wuͤr⸗ den / ſe wuͤrde uns ſein Creutz auſſer uns nichre nutzen / ſondern würde Fur da es ens doch als ein Geruch des Lebens zul geben gegeben / ein Geruch des Tode zum Tode ſeyn. Wenn nun fein Cteltz und Leiden in uns iſt / ſo iſt auch ſei. Leben und Himmel in uns. Aber hne das Creutz und Tod Ehriſti iſt en wah⸗ res und ewiges Leben / oder im⸗

elreich und Seligkeit zu hoffen. Wo nun / ſage ich / und bey wem hriſtus das Wort und Licht des ebens mit ſeinem heil. Creutz angenom⸗ men / und demſelben von Hertzen gehorſa⸗ 17 met wird / bey deme iſt

feß I Liebe] Evangelkum Alt Teſtament eines.] Neu Teſtament afk he ber

2 ————

Veit

—— äl——

34 Helleleuchtender Verdammnis Zorn ] Gericht Geſetz eines Evangelium Und alles eigenerwehlte Thun und Vor nehmen / es glaͤntze wie es immer wolle / vor GOtt eitel und verlohren.

Zeugniß der H. Schrifft. Joh. 10, 5. Ich bin die Thür / zu den Scha⸗ fen / ſo jemand durch mich eingeher der wird felig werden Apoc. 4, 1. Dane ſahe ich / ſiehe / eine Thü: waꝛd aufe zd ge Hemer Rom. 1, 21. Ihr unn ſtaͤndiges Hertz iſt verfinſtert worden. Tom. 2, 29. Die Bes ſchneidung des Hetzens iſtim Geiſte / nicht

n / ich debe mein Hertz gereiniget / ich bin ſaub; von meiner Sünde. ;

Ron J, 12. Durch einen einigen Men⸗

ſcher iſt die Suͤnde eingegangen in die

0 it / und der Tod durch die Suͤnde /

gen / weil ſie alle geſuͤndiget haben. 1. Cor. 15, 21. Die weil durch einen Men⸗

ſchen der Tod e | nen Menſchen die Aufferſtehung der Tod⸗

ten. v. 47. Der erſte Menſch Adam iſt

von der Erden; der andere Menſch iſt den

HOEr'ꝛ vom Himmel.

2. Cor. 4, 10. Wir tragen allezeit das Sterbẽ unſers Hern Jeſu an unſerm Leibe. Rom,

Hertzens⸗ Spiegel. 35

Rom. 8. So iſt nun nichts verdamliches an denen / die in Chriſto Jeſu ſind / die nicht nach dem Fleiſch wandeln / ſondern nach dem Geiſt. v. F. l. Die da fleiſchlich find, die ſind fleiſchlich geſinnet; die aber geiſtlich find/ die find geiſtlich geſinnet. Aber fletſch⸗ lich geſinnet ſeyn iſt der Tod / und geiſtlich geſinnet ſeyn iſt Leben und Friede. v. 2. Ihr aber ſeyd nicht fleiſchlich / ſondern geiſt⸗ lich / ſo anderſt Gottes Geiſt in euch wohnet. Wer aber 8 Geiſt nicht hat / der iſt nicht ſein. So aber Chriſtus in euch iſt / ſo iſt der Leib zwar todt um der Sünde wil⸗ len / der Geiſt aber iſt das Leben um der Ge⸗ rechtigkeit willen. So wird nun der Geiſt des / der Jeſum von den Todten auffgewe⸗ cket hat / eure ſterbliche Leibe lebendig ma⸗ chen / um des willen / daß ſein Geiſt in euch wohnet.

I. Petr. 3, 18. Darum muſte Chriſtus für der MenſchenSuͤn den / der Gerechte fuͤr die Ungerechten geopffert werden / daß er ge⸗ todtet wuͤrde nach dem Fleiſch / aber leben⸗ dig gemachet nach dem Geiſt.

Hebr. 2. 9. Der aber / der eine kleine Zeit der Engel gemangelt hat / iſt durch Leiden des Todes gekroͤnet mit Preiß und Ehren # auff daß er durch Gottes Gnaden für alle

den Tod ſchmeeket. v.14. Und nach dem Du die

36 PHelleleuchtender

die Kinder Fleiſch und Blut haben / iſt ers gleicher maſſen theilhafftig woꝛden / auf daß er durch den Tod die Macht nehme dem / der des Todes Gewalt hat / das iſt / dem Teuffel / und erloͤſet die / ſo durch Furcht des Todes im gantzen Leben Knechte ſeyn muſten. Wie er ſpricht Oſ. 13 / 14. Aber ich wil ſie erloͤſen aus der Hoͤllen / und vom Tode erretten: Tod ich wil dir ein Gifft ſeyn / Hoͤlle ich wil dir eine Peſtilentz feyn. Joh. 3. Alſo hat Gott die Welt geliebet / daß er feinen einge⸗ bornen Sohn gab / auff daß alle / die an ihn glauben / nicht verlohren werden / ſondern das ewige Leben haben. v. 14. Und wie Moſes in der Wüſten eine Schlange erhös het hat / alſo muß auch des ee erhoͤhet werden / auff daß alle / die an ihn gloͤuben / nicht verlohren werden / ſondern das ewige Leben haben. a jeſ. 53 , 4. Fuͤrwar Er trug unſere Kranckheit / und lud auff ſich unſeꝛe Schme⸗ tzen / wir aber hielten ihn fuͤr den / der gepla⸗ get und von Gott geſchlagen und gemartert wäre; Aber er iſt um unſer Miſſethat wil⸗ len verwundet / und um unfer uͤnde willen zuſchlagen / die Straffe liegt auff ihm / auff Daß wir Friede hetten / und durch feine Wun⸗ Den ſind wir geheilet. or:

20h. /. Das Blut JeſuChriſti / des 275 Sohz

Hertzens⸗Spiegel. 37 Sohnes Gottes / macht uns rein von aller Sünde. So wir ſagen / wir haben keine Euͤnde / fo verfuͤhren wir uns ſelber / und die Warheit iſt nicht in uns; So wiraber unfere Suͤnde bekennen / ſo iſt er getreu / und gerecht / daß er uns die S uͤnde vergie⸗ bet / und reiniget uns von aller Untugend. 1. Joh. 2/6. Wer da ſaget / daß er in ihm bleibet / der fol auch wandeln / gleich wie Er gewandelt hat.

„1. Joh. 3/1. Darum kennet euch die Welk nicht / denn fie kennet ihn nicht / v. 6. Wer in Kan, bleibet / der ſuͤndiget nicht; wer füne

diget / der hat ihn nicht geſehen / nocherkant. Im gletſt Blut das Boͤſe bleibt / Das wird uns allen einverleibt. Aber das Licht wohnt nur imGeift/ Das uns ein neu Gebuhrt erweiſt. Chriſtus am Creutz der iſt die Thur / Daß er uns von dem Tod ausfuͤhr De ns Paradeiß / als Gottes Sobn / ey ihm zu ſeyn in fleud und wonn.

Andachts⸗Liedlein / vom Nutzen des heiligen Creutzes.

Mensen ga . ü D iij

88 Helleleuchtender

Werd ja nicht zum Rebellen 2 Staͤrck deinen Muth / Gott meint es gut /

Diß wird zu letzt erhellen.

2: Kommſt duin Unfall / Angſt und Plag / Veꝛluſt / Verfolgung / Spott Schmach / Den Creutz weg her gegangen / Lach oder wein / Es muß ſo ſeyn / Solſt du zum Heyl gelangen. je

3+ Wann dich Gott ſchlaͤgt an Geld und Gut / An Ehr / Geruͤcht / an Fleiſch und Blut / An Seel / an Muth und Sinnen; Du biſts nicht werth / Denn Er begehrt Hierdurch dich zu gewinnen.

4. Unmuͤglich iſts mit ſolchem Zeug Zu gehen ein in Gottes Reich / | 8855 will Er von dir nehmen Was haſſ't und liebt / Freut und betrübt Zur Reiß dich zu bequemen;

5. Traͤgſt du dein Creutz mit Liebe fort / So traͤgt es dich zur Himmels ee d

Hertzens⸗Spiegel. 35 Da kuſt fuͤr Laſt zu finden. | Legſt du eins bey / So find'ſt du zwey / Und bieibſt wol 5 dahinden.

Daß du deinſelbſt nur 955 kommſt loß / So ſtehe aller Dinge bloß / . Sey wies geht wol zufrieden Nimm dich nichts an / Sas iſts gethan / Und bleibt eee n.

Drum faß dich mit Beſtändigkeit / Stets gleich zu ſtehn / in Leid und Freud / 5 und 8 In ſüß und ſaur / Wie eine Maur Im Leben und im ——

Creutz war die Wehr Chriſti Hand / Als Er den Teuffel überwand: Werk kan das Ga gnug loben? In allem Krieg Erhälts den Sieg / Wann noch die a fo toben.

Creutz iſt der Weg 15 enge Pfad F Der uns in Himmel 1 1

46 Delleleuchtenden .

Drum wolt ihn Chri hen. ER a | Und folgt dem Haupt

Kan fürein Sed beitehen 1 Ari

Treutziſt dba agen Gericht / Wann C hffder dere reifen Wer dann nicht wil anhören 1 Das harte Wort: Weicht von mir fort Muß ſich zum Enit bekehren

Kein Ungllck nie / di Seel betrübt 4 Va Cranfogitz | Ihr ſchadt kein Tod noch Höllke

Unleyd ſamkeit Bringt ſteten Streit / Und iſt der hier Quelle.

Des Eignen Willens boͤſe Art Haͤlt Gott in uns ſtets Widerpart ! m. wuͤrd's mit uns ſtehen Waͤr dieſer todt / Dann lebte Gott / Und koͤnt ſein Em auffgehen!

Der Eigne Will / des Satans Bild / Iſts / der die Seele ſo verwildt /

Hertzens⸗ Spiegel Au Und ſtuͤrtzt aus Gottes Weſen / | 1 a Untergang: Durch Creutz und Drang Muß wieder ſie geneſen. Rx Drumlehrte Chriſtus: Eins iſt Noth! Und ſetzt uns auff ein neu Geboth / | Durchs Wort vom Creutz und Leiden: Wer hierum wirbt / g Der Suͤnd abſtirbt / Und von ſich ſelbſt kan ſcheiden?

15.

In dem ſteht auff ein neuer Mann / Nach Heft und Krafft / der alles kan / Zu Gottes Wohl⸗ behagen: Was dem zufaͤllt / Fuͤr gut er haͤlt / Macht Preiß und Danck aus Klagen. 16. Durchs Creutz gieng unſer Printz allein Zu ſeiner Herꝛligkeit auch ein / en Weg muſt Er erwehlen; Die Warheit ſpricht: Grehſt du ihn nicht / Weh deiner armen Seelen. n ARE N V. Be

42 Helleleuihtendee

Von der Verſuchung des Hertzens.

Nachdem Gott dem Hertzen ſein Licht wieder eingegoſſen / ſo wil er auch haben / daß das Hertzan ihm bleiben und den Fußſtapffen ſeines Sobnes / durch die enge Pforte / nemlich durch Creutz und Leiden /

nachfolgen ſol in feine Hereligkeit.

Weil aber Gott die Boßheit von des Menſchen Hertz nicht weggenomen /

ſondern zugelaſſen / daß die Finſter⸗ niß und der Tod im Fleiſch / und das

Kicht und Leben im Geiſt wohnet: ſo wil Satan auch des Menſchen

10

Hertze haben / als ein Fuͤrſt der Fin⸗ ſterniß / und wil das Licht im Geiſte wieder austreiben. Denn alles /

was auſſer uns iſt / das haben wir

auch in uns / es ſey gut oder boͤß / Le⸗

ben oder Tod. Darumſtreiten

zween maͤchtige Koͤnige um das Dertz / die jagen daſſelbige Tag und | Nacht /

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En

"Serkens- Spiegel. #3 Nacht / und haben ihre Netzeauffge⸗ ſtelt. Das Netze Gottes iſt Gottes Warheit; und das Netze des Teuf⸗ fels find feine Luͤgen / und das Jaͤ⸗ gerhorn iſt das Geplerꝛ der falſchen Lehrer und boͤſen Maͤuler: Seine Sagt» Hunde find die ſieben Todt⸗ Suͤnden / oder ſieben boͤſen Geiſter / ſeine Lockvoͤgel ſind die Welt / mit ihrer eiteln Ehre / Herꝛlichkeit und betrieglichem Reichthum / das dleiſch mit ſeiner unkeuſchen Brunſt / die Suͤnde mit ihreꝛ veꝛgifften Luſt zum Boͤſen: der Tod mit ſeiner betruͤg⸗ lichen Larven / der viel anders iſt / weder er mit leiblichen Augen wird angeſehen. Solche alle pſeiffen und ſingen r weiſendas Hertz auff die breite welt⸗ bahn / und ſtuͤrtzen daſſelbe in der Hoͤllen Schlund und ewige Ver⸗ damniß. So iſt Chriſtus der Stein / welcher alle Reiche zermalmet / und det Felß / auff welchen das glaͤubige Hertz gegruͤndet / daß es die Pforten der Holl nicht uͤber waͤltigen Zeug

0 u

44 Helleleuchtender ede

5 * Schrißfft! N Weil Gott das Hertz haben wil / ſo hat fein Geſetz in des Menſchen Hertz geſchrie⸗ ben / daß er ſol Gott feinen Herrn lieben von sanken Hertzen / von gantzer Seelen / von gantzemGemuͤth. Deut. s / J. Matth. 22/37. - Itr. 21/8. Siehe ich lege euch für den Weg zum Leben / und den Weg zum Tode. Deut. 4/29. Wer Gott von gantzem ertzen ſucht / der wird ihn finden. Prov. 14. 14. Wer mit ſeinem Hertzen zuruͤck wei⸗ chet / der wird geſaͤttiget von feinen Wegen Ho. 4, 11. Hurerey / Wein und Moſt benehmen das Hertz. Chriſtus verweiſet ſei⸗ nen Apoſteln ihres Hertzens Haͤrtigkeit⸗ Marc. 16, 14. Machet eure Hertzen keuſch 2 ihr wanckelmuͤthigen. Jac. 4 / 8. Chriſtus ſpricht: Luc. 9, 23. Wer mir folgen wil / der verleugne ſich ſelbſt / und neh⸗ me ſtin Creutz auff ſich taͤglich / und folge mir nach. Denn wer ſein Leben erhalten will der wirds verlieren / wer aber ſein Leben ver⸗ leuret um meinet willen / der wirds erhalten. Matth. 7/13. Gehet ein durch die enge Pfor⸗ te / denn die Pforte iſt weit und der Weg iſt breit / der zur Verdammnis fuͤhret / und ihr iſt viel / die drauff wandeln: Und die Pfol te iſt eng / und der Weg iſ ſchmal / 5

Hertzens⸗Spiegel. 4 zum Leben fuͤhret / und wenig iſt ihr / die ihn . ei 42 26. Muſte nicht Chriſtus ſolches leiden / und zu feiner Herrligkeit eine

gehen?

So ſpricht Satan in ſeinen Welt⸗Kin⸗ dern. Sap. 2. Es iſt ein kurtz und mühſelig Ding um unſer Leben / und wenn ein Menſch dahin iſt / ſo iſt es gar aus mit ihm: So weiß man keinen nicht / der aus der Hoͤllen wie⸗ derkommen ſey. Ohne gefaͤhr ſind wir ge⸗ boren / und fahren wieder dahin / als wären wir nie geweſen, v. J. Unſere Zeit iſt / wie ein Schatte / der dahin faͤhret / und wenn wir weg ſind / ſo iſt kein wiederkehren / denn es iſt feſt verſiegelt / daß niemand wieder komt. v. 5. Wohl hernun und laſt uns wol leben / weil es da iſt / und unſers Leibes ge⸗ brauchen / weil er jung iſt. Wir wollen uns mit dem beſten Wein und Salben füls len / laſt uns die Mayen⸗Blumen nicht ver⸗ ſeumen / laſſet uns Kraͤntze tragen von jun⸗ gen Roſen / ehe fie welck werden; Unſer kei⸗ ner laſſe es ihm fehlen mit prangen / daß man allenthalben ſpuͤren möge / wo wir froͤ⸗ loch geweſen ſind / wir haben doch nicht mehr

davon / denn das.

Gott warnet das glaͤubige Hertz fuͤr dem hoͤlliſchen Jaͤger / und ver⸗ heiſſet ihm Errettung.

Tl

46 Helleleuchtender

Pſalm. 91, 3. Fuͤrwahr er wird dich erret⸗ ten von dem Strick des Jaͤgers / und von der ſchaͤdlichen Peſtilentz. Prov. 15,9. Wer der e nachjaget / den hat der HErꝛ lie

Rom. 14, 19. aſſet uns den Dingennach⸗ jagen / die zum Frieden dienen und zur Beſ⸗ ferung. Prov. 21, 21. Wer der Gerechtig⸗ keit und Gütigkeit nachjaget / der findet das Leben / Gerechtigkeit und Ehre.

Eſaiæ p, 11. Wehe denen / die des Mor⸗ gens fruͤh auff ſind / des Sauffens ſich zu be⸗ fleiſſigen. Jer. 16/8. Ich will viel Jaͤger ausſenden / die werden ſie jagen von allen Bergen. Jer. 29 / 18. Ich will ihnen nach⸗ jagen mit dem Schwert / Hunger und Pe⸗ ſtilentz. Ezech. 12 / 13. Ich will mein Netz ůͤber ſie ausbreiten / daß fie in meiner Jagt erhaſchet werden. Mich. 7. Sie lauren al⸗ le auff Blut / ein jeglicher jagt den andern

ins Netz. |

Alle Gottloſen / ſo dem Geiſte Gottes widerſprechen / ſind des Teuf⸗ feis Jagt⸗ Hunde.

Pſalm. 32 / 17. Hunde haben mich ung ben / und der böfen Rotte hat ſich um mich gemacht: Errette meine Seele von dem Schwert meine Einſame von der Gewalt der Hunde. Proy: 3611. wie der Hund

wien

Hertzens⸗Spiegel. 47

wieder friſſet / was er geſpeiet hat / alſo ein Nar: wiederholet ſeine Narꝛheit. Matth. 2/6. Ihr ſolt daa Heuigthum nicht den uno n geben. Apoc. 22/1). dau brauſ⸗ en werden ſeyn die Hunde / die Zauberer und die Hurer / und die Todtſchlaͤger / und die Abgoͤttiſche / und alle die lieb haben und thun die Luͤgen.

Des boͤſen Geiſtes Eingeben durch ſeine Hunde und ſieben boͤſe Gei⸗ ſter oder Todt⸗Suͤnden / als

1. Hoffart.

1. Sey hoffaͤrtig. 2. Erhebe dich über andere 3. Neide deinen Nechſten. 4. Trau⸗ re oͤber anderer Wohlfahrt. J. Zaͤrne uber

deinen Naͤchſten. 6. Strebe nach aller Leichtfertigkeit. 7. Fülle dich ſtets voll. 8. Lebe in allen Luͤſten. 9. Leiſte niemand Ge⸗ horſam. 10. Lobe und ruͤhme dich felber, 11. Stelle dich heilig und fromm. 12. Sey halsſtarrig und eigenſinnig. 13. Zancke und hadere mit maͤnniglich. 14. Richte Zanck und Uneinigkeit an. 15. Erdichte ſtets was neues. Dargegen ſpricht der gute Engel durch die Poſaun Goͤttliches Worts:

48 Helleleuchtender 1. Gott widerſtehet den Hoffaͤrtigen aber den Demuͤthigen gibt er et 3. Die Augen der Eufirtiaen werden er⸗ niedrige. Ser). Derhohe ( Bir ſeeran die Demuͤthigen. Palm 113. 3. Aus Haß und Neid des Teuffels iſt der Tod in die Welt kommen. Sap. 2. 4. Die Trau⸗ rigkeit der Welt gebieret den Tod. 2. Cor.. 5. Deruͤber ſeinen Bruder zuͤrnet / der iſt ſchuldig des Gerichts / Matth. 5. é. Was liebet ihr die Leichtfertigkeit / und trachtet nach Luͤgen? Pſalm 4. 7. Sthet / daß euer Hertz mit Flllerey nicht beſchweret werde Luc. 21. 8. Die Hurer und Ehbrecher wird Gott ſtraffen / Heb. 13. 9. Der Gehorſam iſt beſſer / als das Schlachtopffer / 1. Reg. 15. 10. Was haſt du / das du nicht von Gott empfangen? derohalben was ruͤhmeſt du dich? 1. Cor. 4. 11. Kein Gleißner komt vor Gottes Angeſicht / Job. 12. 12. Wer wider die Straffe halsſtarrig iſt / der wird ploͤtzlich verderben ohn alle Huͤlffe. prov. 29. 13. So lange Zanck und Hader unter euch iſt / ſeyd ihr denn nicht fleiſchlich? 1. Cor. 3. Epheſ. 4. 14. Welcher Zwietracht geden⸗ cket anzurichten / der iſt eine rechte Hader⸗ Katz / Prov. 17. 15. Fliehe und meide die Neuerung und unnütze Narrentei⸗ dinge 1, Tim. 4. 2. Fraß,

Hertzens⸗Spiegel. 47 | 24 Fraß. | 1. Sey ſtets friſch und froͤlich. 2. Fuͤlle deine Hand und Bauch ſtets voll. 3 Lebe wie ein wuͤſtes Schwein. 4. Befleiſſige dich aller Lotterbuͤbiſchen Poſſen. 5. Sey ge⸗ ſchwaͤtzig. 6. Lalle und ſchalle ohn unterlaß. 7. Handele nichts ernſtliches / richtiges noch vernuͤnfftiges. 8. Leb in Suͤnden nach dem Trieb des Fleiſches / wie dirs felber gefällt. Dargegen ſpricht der gute Engel.

1. Wehe euch / die ihr hie lachet und froͤ⸗ lich ſeyd / den ihr werdet weinen und heulen. Luc. 7. 2. Sauffet euchnicht voll Weins daraus ein unordentlich Leben folget. Eph. y. 3. Die Speiſe dem Bauch / und der Bauch der Speiſe / aber Gott wird dieſen und jene zerſtoͤhren und hinrichten. 1. Cor. 6. Gott hat uns nicht zur Unzucht noch Unflaͤterey beruffen. 2. Theſſ. 4. 4. Es ſollen unter euch keine Lotterpoſſen noch Narrentheidung ge⸗ hoͤret werden. Eph. J. J. Viel Wort und Geſchwaͤtz gehen ohne Suͤnde nicht ab. Prov. 10. 6. Der Mund der Narren lalletz und ſpeiet eitel Thorheit aus. Prov. 15. 7. Ein Kluger thut alles mit Vernunfft. Prov. 13,16, 8. Die Sünder werden in die Hoͤlg le geſtuͤrtzet werden. Palm. 9. | m Unfeufchpeit,

4.8

50 Helleleuchtender

1. Führe ein unzuͤchtiges Buben eben. 2. Pure und bube nach deiner Luſt. 3. Schaͤnde und beflecke dich mit Unzucht. 4. Beuge und brich deine Ehe / wie dukanſt. J. Sey unbeſtaͤndig in deinem Thun und Weſen. 6. Liebe die unzüchtigen Vetteln und Weiber. 7. Neide / widerſtrebe und

|

haſſe Gott deinen HErꝛn. 8. Staffire dich

dus mit ſchoͤner luſtiger Kleidung. Dargegen ſpricht der gute Engel. 1. Der Wein und Weiber verführen und

bethoͤren die Weiſen und Verſtaͤndigen.

Syr. 19/2. 2. Wer Hurerey treibet / der ſuͤndiget wider feinen eigenen Leib. 1. Cor. 6 3. Der unreine befleckte Menſch komt nicht auff den heiligen Steg und Weg; oder wie es Lutherus verteutſcht: Es wird daſelbſt

eine Bahn ſeyn und Weg / welcher der hei⸗

lige Weg heiſſen wird / daß kein Unreiner

darauff gehen wird / Jeſ. 3 J. 4. Mit dei⸗

nes Naͤchſten Weibe ſolt du nicht ehebrechen noch Hurerey treiben. Levit. 18. 5. Ein Mann / der eines zweyfachen Hertzens iſt / der iſt in allem feinem Thun unbeſtaͤndig. Jac. t. 6. Die ſich an die Huren haͤngen / kriegen Motten und Wuͤrmer zu Lohn / und werden andern zu einem Schand⸗Exempel / Prov. 6. 7. Verflucht ſey der / ſo GOtt nicht von Hertzen liebet 1. Cor. 16.8. Stol⸗

1 tzirs

Hertzens⸗Spiegel. zu

ire und erhebe dich nicht in deinen Kleidun⸗ gen / Syr. 11.

4. Geitz.

1. Sey geitzig / karg und unerſaͤttlich. 2. Raube und ſtihle was du erwiſcheſt. 3. Handel vortheilig / liſtig und betrieglich. 4. Leug und betreug / wen du kanſt. 7. Schwere und werde meineidig / ſo offt du wilt / wo es deinem Nutzen zutraͤglich. 6. Laß niemanden keine Raſt noch Ruhe. 7. Schaͤnde und laͤſtere / wen du wilt. 8. Er⸗ zeige niemanden Barmhertzigkeit.

Dargegen ſpricht der gute Engel.

1. Der Geitzige hat kein Erbtheil am Reich Gottes / Epheſ. J. 2. Wer geſtoh⸗ len hat / der ſtehle nicht mehr / Epheſ. 4. 3. Der Wille Gottes iſt / daß niemand zu weit greiffe / noch vervortheile feinen Bruder im Handel / 1. Theſſ. 4. 4. Du bringeſt die Lügner umb / der Fal hat Greuel an den Blutgierigen und Falſchen. Pſalm J. 5. Du ſolt nicht falſch ſchweren / noch den Namen Gottes verunehren. Levit. 19. 6. Wir bitten euch / vermahnet die Ungezoge⸗ nen. 1. Theſſ. J. 7. Duſolſt deinen Naͤch⸗ ſten nicht laͤſtern / noch ihn mit Gewalt un⸗ terdruͤcken. Levit. 19. 8. Es wird ein un⸗ barmhertzig Gericht aͤber den ergehen / der 0 E ij nicht

z Helleleuchtender nicht barmhertzig geweſen iſt. Jacob. 2.

1. Sey faul undtraͤge. 2. Sey zerſchla⸗ gen und kleinmuͤthig. 3. Behalt ſtets Haß und Neid in deinem Hertzen. 4. Treibe Boßheit und Buͤberey. 5. Traure / wenn es wider deinen Willen gehet. 6. Ver⸗ zwweiffele gantzanottes Gnade und Barm⸗

ertzigkeit. 7. Sey ſtets wanckelmüͤthig und unbeſtaͤndig. Dargegen ſpricht der gute Engel. 1. Der Faule ſtirbt über feinem Wuͤnd⸗ ſchen / denn ſeine Haͤnde wollen nichts thun. Prov. 21. 2. Mehe den Verzagten / denn fie glauben nicht / darum werde ſie auch nicht beſchirmet. S yr. 2. 3. Wenn ihr betet / ſo vers zeihet / wann ihr was wider einen andern im Hertzen habt. Marc. 11.4. Nichts Gutes / iſt ſchon Boͤſes thun / die aber Boͤſes thun / werden ausgerottet werden. Pſalm. 37. Ff. Der Gerechte iſt auch in ſeinem Tode ge⸗ troſt. Frov. 14. 6. Hoffe in Gott deinen Eren und thue gutes. Pſal. 37. 7. Seyd veſte / unbeweglich / und nehmet immer zu zm Wercke des HErren. 1. Cor. 15. 6 orn. Ar

1. Laß deinen Zorn tapffer ausbrechen.

i 2. Zan

Hertzens⸗Spiegel. 53

2. Zancke und hadere mit maͤnniglich. 3. Erhebe dein Hertz und Semüth nur wacker. 4. Laß dich niemand mit Geſchrey üͤberwin⸗ den. J. S chaͤnde und ſchmaͤhe wen duwilt. 6. Sey ſchoͤllig und unverſoͤhnlich gegen je⸗ derman. 7. Fluche und ſchwere. 8. Ver⸗ nichte alle die dir miß fallen. : Dargegen ſpricht der gute Engel. 1. Alle Bitterkeit und Zorn ſey ferne von euch. Epheſ. 4. 2. Ein zorniger Mann ſtiff⸗ tet nur Zanck und Hader an. Prov. 15. 3. Was elhebet ſich dein Hertz wider Gott dei⸗ nen HEren? Job. 15. 4 Laß dich nicht das Boͤſe überwinden / ſondern überwinde das Boͤſe mit Gutem. Rom. 12. 5. Welcher Schmach und Laͤſter Worte ausſchuͤttet /

der iſt gar naͤrriſch und thoͤricht. Prov. 10.

6. Leget von euch ab allen Zorn und Unwil⸗ len. Coloſſ. 3. 7. Wer den Namen Gottes

Läſtert / ſol des Todes ſterben. Levit. 14. 8. Wehe dir / wenn du andere verachteſt / dens du wirſt auch verachtet werden. Eſ. 33.

7. Neid. 2

I. Haſſe und neide / wen du wilt. 2. Tra⸗ ge ſtets Haß und Neid in deinem Hertzen.

3. Gebrauche dich des Ohren blaſens und

boͤſer Poſſen. 4. Rede deinem Nechſten

bel nach. J. Oreue Bi wenn es deinem

ij Noch;

54 Helleleuchtender

Naͤchſten uͤbel gehet. 6. Eiffere und fen dei⸗ nem Neben⸗Menſchen unguͤnſtig. 7. Rau⸗ be / was dir zu Handen kommt. 8. Morde und toͤdte nach deinem Wohlgefallen. Dargegen ſpricht der gute Engel.

1. Laſſet uns nicht eiteler Ehre geitzig ſeyn / uns unter einander zu entruͤſten und zu haſ⸗ ſen. Galat. 6. 2. Der ſeinen Bruder haſ⸗ ſet / der iſt ein Todtſchlaͤger. 1. Joh. 3. 3. Der Ohren⸗Blaͤſer und Zwey⸗zuͤngige Menſch iſt verflucht. Syr. 28. 4. Wer feinem Bruder affterredet / der affterredet dem Geſetz Gottes. Jac. 4. J. Freue dich des Falls deines Feindes micht / und dein Hertz ſey nicht froh uͤber ſeinem Ungluͤck. Prov. 24. 6. Die Seele des Gottloſen wuͤnſchet arges / und goͤnnet feinem Naͤch⸗ ſten nichts. Prov. 21. 7. Wehe dir / du Ver⸗

ſtoͤhrer / meineſt du / du werdeſt nicht ver⸗

ſtoͤhret werden? Jeſ.33. 8. Ihr wiſſet / daß ein Todtſchlaͤger nicht hat das ewige Leben

bey ihm bleibend. 1. Joh. / 5.

Von des Teuffels Jaͤger⸗Horn / ſei⸗ nen Lock⸗Voͤgeln und der Hoͤl⸗ len ſteht geſchrieben /

Geneſ. 3 / 13. Die Schlange betrog mich alſo / daß ich aß. Pfalm 120/. O Er: / errette meine Seele von den Lüͤgen⸗Maͤulern und

von

Hertzens⸗Spiegel. 55 don den falſchen Zungen. Rom. 16/18. Durch ſuͤſſe Worte und praͤchtige Reden verfuͤhren fie die unſchuldigen Herten.

Epheſ. 4/22. Leget ab nach dem vorigen Wandel den alten Menſchen / der durch Luͤſte in Irthum ſich verder bet. Hebr. 3/13. Sehet zu / daß nicht jemand verſtockt werde durch Betrug der Suͤnden. Matth. 23/15. Wehe euch Schrifftgelehrten und Phari⸗ ſaͤer / ihr Heuchler / die ihr Land und Waſ⸗ ſer umziehet / daß ihr einen Juͤdengenoſſen machet / und wenn ers wor den iſt / machet ihr ausihme n Kind der Hoͤllen / zwiefaͤltig mehr / dann ihr ſeyd. Amos 9, 2. Wenn fie ſich gleich in die Hölle vergiäben / ſol ſie doch meine Hand von dannen holen; und wenn ſie gen Himmel faͤhren / wil ich ſie doch

herunter Bi Matth. 11/23. Du wirſt biß in die Hoͤlle hinunter | geſtoſſen werden. Es kaͤmpffen zween s Menſchen ertz

Des Boͤſen Weg geht hinderwerts /

Des Guten Weg iſteng und ſchmal /

Durch Creutz und Leyd in Freuden⸗ 1084

Saal / Im Geiſt iſt Licht / im Fleiſch iſt Tod iel Hunde / Netz und Feindes Noht | E iv Die

56 Helleleuchtender

Die wollen offt das Hertze ſchnell /

Vom Himmel treiben in die Hoͤll.

Auffmunterungs⸗Liedlein zum Geiſtlichen Streit.

I. uff ehrten Mencd uff aulf zum | Streit!

Auff auff / zum Überwinden! In dieſer Welt / in dieſer Zeit

Iſt keine Ruh zu finden: | HRernicht wilftreiten/träge die Cron Des ew gen Lebens nicht davon.

2. Der Teuffel kommt mit ſeiner Liſt / Die Welt mit Pracht und Prangen; Das Jleiſch mit Wolluſt / wo du biſt Ziufaͤllen dich und fangen: Streit ſt du nicht wie ein tapffrer Held / So biſt du hin und ſchon gefaͤllt.

1 3. Gedencke / daßdu zu der Fahn | Deins Feld⸗Herꝛns haft gefchmoreng Denck ferner / daß du als ein Mann Zum Streit biſt außerkohren e a dencke / daß ohn Streit und Sieg Nie keiner zum Triumph auffſtieg.

Wie ſchmaͤhlich itt / wann ein Soldat 2 Dem

Hertzens⸗ Spiegel. 57

Dem Feind den Rücken kehret! Wie ſchaͤndlich / wann er ſeine Stadt Verlaͤſt / und ſich nicht wehret! Wie ſpoͤttlich / wann er noch mit Fleiß Auß Zagheit wird dem Seind zu Preiß

1 Bind anl der Teuffel iſt bald hin / Die Welt wird leicht verjaget / Das Fleiſch muß endlich auß dem Sinn / Wie ſehr dichs im mer plaget: Oewge Schande / wenn ein Held Fuͤr dieſen e faͤllt.

Wer uͤberwindt und b'haͤlt den Raum Der Feind / die ſo vermeffen; Der wird im Paradiß vom Baum Des ewgen Lebens eſſen. Wer uͤberwindt / den ſol kein Leid Noch Todt beruͤhrn in Ewigkeit.

7. Wer überwindt / und feinen Lauff Mit Ehren kan vollenden / Dem wird der Herr alsbald darauff Verborgnes Manna ſenden: Ihm geben einen weiſſen Stein / Und einen neuen Namen drein.

8. Wer uͤberwindt / bekoͤmmt Gewalt Wie Chriſtus zu e Ee

f 53 Helleleuchtender

Mit Macht die Voͤlcker mannigfalf Ineiner Schnur zu führen. ,

Wer uͤberwindt / bekommt vom Herrn

Zum Feld⸗Pannier 18 Morgen⸗Stern.

Wer uberwindt / ſos ewig nicht Aus Gottes Tempel gehen; Vielmehr drinn wie ein Engliſch Licht Und guͤldne Saͤule ſtehen: Der Name Gottes unſers HErꝛn Solleuchten von ihm weit und fern.

Io, Wer uͤberwindt / ſol auff dem Thron Mit Chriſto Jeſu ſitzen; Sol glaͤntzen wie ein Gottes Sohn / Und wie die Sonne blitzen: Ja ewig herꝛſchen und regiern / Und immerdar ee

So Ba denn oh / frei keck und kühn / Daß du md gi ſt uͤberwinden; Streng an die Kraͤffte / Muth und Sinn /

Daß du diß Gut moͤchſt finden: Wer nicht wil ſtreiten um die Kron / Bleibt ewiglich in Spott und Hohn.

| VI. Betrachtung.

n vn

Hertzens⸗ Spiegel. 55

Von der innerlichen Abſolution /

Binde⸗oder Loͤſe⸗Schluͤſſel. Jeraus iſt zu erkennen / daß Vein jeder Menſch einen Willen hat zum Guten oder Boͤſen. Den guten Willen regieret Gott / den boͤ⸗ fen Willeu regieret der Teuffel. Lind alſo hat der Menſch in feinem Der tzen zween Schluͤſſel / nemlich den Bind⸗ und Loͤſe⸗Schluͤſſel. Der Glaube hat den Loͤſe⸗Schluͤſſel / oder guten Willen / damit er Chriſto auf⸗ thut / der allwege vor der Thuͤr ſte⸗ het und anklopffet mit dem Ham⸗ mer Goͤttliches Worts / der die har⸗ ten Felßen zuſchmeiſt / und den Schall guter Gedancken / Worte und Wercke erwecket / welche aus⸗ und eingehen durch die Thuͤr oder Himmels⸗Pforte / die im Hertzen iſt. Wovon EHriftus ſelbſt ſpricht / Apoc. 3. Siehe ich ſtehe fuͤr der Thuͤr / und klopffe an / wer mir auf⸗ thut / zu dem wil ich eingehen / und das Abendmahl mit ihm halten / und el

50 Helleleuchtender

er vielmehr mit mir. Hiergegen hat der Unglaube den Schluͤſſel des To⸗ des oder Binde⸗Schlüuͤſſel / nemlich den boſen Willen zur Thuͤr der Fin⸗ ſternis / dem Satan auffzuthun / der da anklopffet mit dem Hammer ſeiner Luͤgen / damit er die Hertzen verhaͤrtet / und den Schall boͤſer Ge⸗ dancken / Worte und Wercke erwe⸗ cket / welche aus⸗ und eingehen durch die Thuͤr der Hoͤllen⸗Pforte / die im Hertzen iſt / denn der Boͤſewicht ſte⸗ het auch allezeit fuͤr der Thuͤr und klopffet an; wer ihm nun auffthuti / zu dem wird er eingehen / und ſieben boͤſe Geiſter mit ſich nehmen / die aͤr⸗ ger ſind denn er ſelbſt / und alles ver⸗ derben / und in dem Degen des Men? ſchen wie ein Moͤrder und Tyrann / oder ſtarcker Gewapneter in einer Moͤrder⸗Gruben und Raub⸗ſchloß / wohnen / und als ein bruͤllender Low alles verſchlingen und ruiniren was ihm zu wider / und deſſen er maͤchtig if. Welchem Heren nun der Menſch den Schluͤſſel wan ai eine

Hertzens⸗Spiegel. 61

ſeines Heitzens zum Guten ode: Boͤ⸗ fen gibt / derſelbige ſchleuſt das Hertz auf / gehet zu ihm ein / und beſitzt ſein Reich darin. Cbriſtus iſt im Her⸗

en und auſſer demſelben: Er klopf⸗

et an und hat den Schluͤſſel ſelber: Er thut auff durch des Menſchen Willen / und geht ein und haͤlt A⸗ bendmahl. Dieſes iſt das rechte Abendmahl des Lamms Gottes / und die wahre Genieſſung ſeines al⸗ lerheiligſten Fleiſches und Bluts: Selig iſt der jenige / der ſolches in der That und Warheit erfaͤhret.

Zeugniß der Heiligen Schrifft. Vom Willen.

Epheſ. 175. Gott hat uns zuvor geordnet zur Kindſchafft durch Jeſum Chriſtum / ge⸗ gen ihm ſelbſt nach dem Wohlgefallen ſei⸗ nes Willens. Jacob. 1 / 18. Er hat uns ge⸗ zeuget nach ſeinem Willen durch das Wort der Warheit. Cap. 4/13. Wolan / die ihr nun ſaget: Heute oder morgen wollen wir gehen / in die oder die Stadt / und wollen

ein Jahr da liegen und handthieren und ge⸗ win;

62 Helleleuchtender

winnen; v. 15. dafuͤr ihr ſagen ſollet / ſo der Herz: wil und fo wir leben / wollen wir diß oder das thun. 2. Petr. 3/9. Der HErr wie nicht / daß jemand verlohren werde / ſondern daß ſich iederman zur Buſſe kehre. 1. Cor. 12 / 4. Es find mancherley Gaben / aber es iſt nur ein Geiſt: Und es ſind mancherley Aempter / aber es iſt nur ein HErꝛ; Und es find mancherley Kraͤffte / aber es iſt nur ein Gott / der da wircket alles in allem. Ja in einem jeglichen erzeiget ſich die Gabe des Geiſtes zum gemeinen Nutz. v. 11. Diß aber alles wircket derſelbige einige Geiſt / und theilet einem jeglichen ſeines zu / nach dem er wil. Darum ſprach Chriſtus Matth. 26 / 39. Vater iſt es muͤglich / ſo gehe dieſer Kelch von mir / doch nicht / wie ich wil / ſondern wie du wilt. Palm 143. 10. HErꝛ / lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen. Matth. 6/10. Dein Wille geſchehe / wie im Him⸗ mel / alſo auch auff Erden. Matth. 12/50. Wer den Willen thut meines Vaters im Himmel / der iſt mein Bruder / Schweſter / und Mutter. 1. Joh. 2/17. Wer den Wil⸗ len GOttes thut / der bleibet in Ewigkeit. 1. Petr. 4/ 2. Ihr ſolt hinfort nicht der Menſchen Luͤſten / ſondern dem Willen Got⸗ tes leben. Amos 3. 15. Suchet das Gute / und nicht das Boͤſe. Matth. 12/3 A 14

Hertzens⸗Spiegel. 63

boͤſer Menſch bringt boͤſes herfuͤraus dem Schatz feines boͤſen Hertzens. Pfalm. 55/16. Es iſt eitel Boßheit unter ihrem Hauffen. Pſalm. 36 / J. Sie trachten auff ihrem La⸗ ger nach Schaden / und ſtehen feſt auff dem böfen Wege / und ſcheuen kein Arges. Matth. 12/34. Wie koͤnnet ihꝛ Gutes ꝛeden / dieweil ihr boͤſe ſeyd. Prov. 26 / 25. Wenn der Feind ſeine Stimme holdſelig macht / ſo glaube ihm nicht / denn es ſind ſieben Greuel in feinem Hertzen. Matth. 12/45. Er nimt mit ſich ſieben andere Geiſter / die ärger find / denn er iſt.

Von dem Hammer Goͤttliches Worts

Jerem. 23 / 29. Iſt mein Wort nicht wie ein Feur / ſpricht der HEre / und wie ein Hammer, der Felſen zerſchmeiſt?

Vom Binde⸗und Loͤſe⸗Schluͤſſel.

Apoc. 17 18° Ich habe den Schlüͤſſel der Hoͤllen und des Todes. Matth. 16/19. Und wil dir des Himmelreichs Schluͤſſel geben / alles was du auff Erden binden wirſt / ſoll auch im Himmel gebunden ſeyn; Und alles was du auff Erden loͤſen wirſt / ſol auch im Himmel loß ſeyn. Matth. 5 / 23. Darum wenn du deine Gabe aufdem Altar opfferſt /

d wirft allda eindencken / daß dein Rn en

64 Helleleuchtender

der etwas wider dich habe / ſo laß allda fut dem Altar deine Gabe / und gehe zuvor hin / und verſoͤhne dich mit deinem Bruder. v. 25. Sey willfertig deinem Wiederſacher bald / die weil du noch bey ihmauff dem Wege biſt / auff daß dich der Wiederſacher nicht dermal⸗ eins uͤberantworte dem Richter. v.44. Lie⸗ bet eure Feinde / ſegnet die euch fluchen / bit⸗ tet fuͤr die / ſo euch beleidigen und verfol⸗ gen / auff daß ihr ſeyd Kinder eures Vatters im Himmel. Matth. 6/14. So ihr den Menſchen ibre Fehle vergebet / ſo wird euch euer himmliſcher Vater auch vergeben. V. 23. Wenn aber das Licht in dir Finſterniß iſt / wie groß wird denn die Finſterniß ſelber ſeyn? Matth. 9 / 29. Euch geſchehe nach eu⸗ rem Glauben. . Don der Thür des Hertzens. Apoc. 3,7. Das faget der Heilige und der Wahrhafftige / der da hat den Schloͤſſel David / der auffthut und niemand zus ſchleuſt / der zuſchleuſt und niemand auff⸗ thut. v. 19. Welche ich lieb habe / die ſtraffe und zuͤchtige ich; Sey nun fleiſſig und thue Buſſe; Siehe ich ſtehe vor der Thuͤr und klopffe an / ſo jemand meine Stimme hoͤren wird / und die Thuͤr auffthun / zu dem wer⸗ de ich eingehen / und das Abendmahl mit ihm halten / und er mit mir. Wer uͤber win⸗

Hertzens⸗Spiegel. s, windet / dem wil ich geben mit mir auff mei⸗ nem Stuhlzuſitzen. |

Luc. 13 725. Viel werden trachten / wie ſie hinein kommen / und werdens nicht thun koͤnnen. Joh. 10. b. 8. Ich bin die Thür zu den Schafen / v. 9. Ich bin die Thür / fo je⸗ mand durch mich eingehet / der wird ſelig werden / und wird aus und eingehen und Weide finden a 5 Eſai. 4/2. Ich wil die Ehrne Thuͤren zerſchlagen / und die eiſſernen Riegel zubre⸗ chen / und wil dir geben die heimlichen Schaͤ⸗ tze und die verborgenen Kleinode. Auff daß du erkenneſt / daß ich der HErꝛ der Gott Iſrael dich bey deinem Namen genennet habe. v. 4. Ich rieff dich bey deinem Na⸗ men / und nennet dich / da du mich noch nicht kanteſt / Ich bin der Hr: und ſonſt keiner mehr. Syr.8 / 27. Mache deinem Mun⸗ de eine Thuͤre und einen Riegel. Jacob. v / v. 9. Siehe / der Richter ſtehet fuͤr der Thuͤr. Prov. 1, 21. Die Weißheit ruffet an den Thuͤ⸗ ren der Pforten. Col. 4/2, Auff daß uns Gott eine Thür auffthue des Worts / zu re⸗ den das Geheimniß von Chriſto. 1. Cor. 16 v. 9. Denn mir iſt eine groſſe Thuͤr auffge⸗ than / die viel Frucht wircket / und ſind viel Widerwaͤrtige da. 2. Cor. 27 12. Da ich aber gen Troada kam / zu predigen das Eva | 8 ganges

ö

66 Helleleuchtender

1 f

angelium Chriſti; Und mir eine Thür auff,

gethan ward in dem HErꝛn / hatte ich keine Ruhe in meinem Geiſt. v. 15. Denn wir ſind Gott ein guter Geruch Chriſti / beyde unter denen die da ſelig werden / und unter denen die ck. werden. Dieſen ein Geruch des Todes zum Tode / jenen aber ein Ge⸗ ruch des Lebens zum Leben. Und wer iſt hierzu tuͤchtig? wir ſind nicht wie etliche viel / die mit Gottes Wort Kraͤmerey treiben / ſondern als aus G Ott reden wir

in Chriſto. | Zweyfachen Willn hat jedermann / Den boͤſen er wol haben kan / Von eigner Art; den guten nicht / Der kommt von Gott im Gnaden⸗

Licht.

Zween Schluͤſſel deuten ſie dabey / Zu binden oder loͤſen frey:

er Chriſtum laͤſt ins Heꝛtz hinein / In dem kan Satan nicht mehr ſeyn. Freudige Erklaͤrung einer See⸗

len / die Jeſum warhafftig im Her⸗ tzen geſchmecket.

I, ſagt mie ae und Schaͤ⸗ Von

Hertzens⸗Spiegel. 67 Von Pracht und Schoͤnheit dieſer welt; Es kan mich ja kein Ding ergoͤtzen / Was mir die Welt fuͤr Augen ſtellt. Ein jeder liebe was er wil / Ich liebe Jeſum / der mein Ziel. 2

Er iſt alleine meine Freude / Mein Gold / mein Schatz / mein ſchoͤnſtes An dem ich meine Augen weyde / (Bild; Und finde was mein Hertze ſtillt. Ein jeder liebe was er wil / Denn Jeſus iſt mein hoͤchſtes Ziel. 3

Die Welt vergeht mit ihren Lüften /

Des Fleiſches Schoͤnheit dauret nicht; Die Zeit kan alles das verwuͤſten /

Was Menſchen⸗Haͤnde zugericht, Drum lieb ein jeder was er wil / Nur Jeſus iſt allein mein Ziel.

| 4. Er iſt allein mein Licht und Leben / Die Wahrheit ſelbſt / das ewge Wort; Er iſt mein Stamm / ich ſeine Reben / Er iſt der Seelen Selß und Hort. Ein mer liebe was er wil / Ich bleib bey Jeſu / meinem Ziel.

5. Er iſt der König aller Ehren / TCriſt der den e et | i

68 Helleleuchtender

Er kan mir ewigs Heyl gewaͤhren / Und retten mich aus allem Streit.

Ein jeder liebe was er will /

Nur JEſus iſt und um mein Ziel.

Sein Schloß kan keine Macht zerſtoͤren / Sein Reich vergeht nicht mit der Zeit: Sein Thron bleibt ſtets in gleichen Ehren / Von nun an biß in Ewigkeit.

Ein jeder liebe was er will / NW eil Jeſus iſt mein hoͤchſtes Ziel.

7. . Sein Reichthum iſt nicht zu ergruͤnden / Sein allerſchoͤnſtes Angeſicht Und was von Schmuck um ihnzu finden / Verbleichet und veraltet nicht. Ein jeder liebe was er will / Denn JEſus iſt mig hoͤchſtes Ziel.

Er will mich uͤber alls erheben / Und ſeiner Klarheit machen gleich. Er wird mir ſo viel Schaͤtze geben / Daß ich werd unerſchoͤpfflich reich; So licb nun jeder was er will / 9; ein JEſus bleibt mein beſtes Ziel.

9. | Muß ich gleich hier fehr viel entbehren / Eo lang ich wandre in der Zeit; 8 8

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75 [LIE ZU

E ann

Serkens: Spiegel. 6 So wird er mirs doch wohl gewaͤhren / Im Reiche feiner Hereligkeit. Drum lieb ich billich in der Still e 7

Betrachtung. Von der wuͤ digen / und unwuͤr⸗ digen Genieſſung im Heil.

| Abendmahl. Se Driftus befiblet uns feinen wahr ren Leib und Blut zu eſſen und zu trincken; dieſer ſein Leib iſt Got⸗ tes Wort / welches Fleiſch worden / und das Brod / welches vom Him⸗ mel kommen / und giebet der Welt das Leben. Und ſein Blut iſt die rechte Lichts⸗ und Lebens⸗Tinctur / welche alle Menſchen / die ſich deſſen nicht muthwillig unwüntigmache erleuchtet / reiniget und zur Goͤttli⸗ chen Gleichfoͤrmigkeit bringet und beſtaͤtiget. Wer nun CHriſtum nicht genieſſet / der hat kein Leben in ſich. Hierzu gehoͤret die Hand und | der Mund des Glaubens nemlich

5 ii des

10 Helleleuchtenden

der inwendige neue oder wiederge⸗ borne Menſch Gottes. Und da ge⸗ het im Hertzen auff die Liebe / daß der Menſch Gott / und Gott ihn wieder liebet / Wohnung bey ihm macht / die Wercke des Fleiſches zerſtoͤret und auskehret / und darein einen Tempel bauet. Alda wird Gott und der Menſch eines. Jetzt iſt das Him⸗ melreich im Heꝛtzen / und der Menſch lebet in Gott. Dagegen empfaͤhet der Unglaubige das H. Abendmahl um Gerichte / daß alsbald nach dem Biſſen der Teuffel in ihn faͤhret / der zerſtoͤret die Wercke Chriſti im Here tzen / und beſitzt darin das Reich der Ennfkerniz daß der Menſch ein Feind

Gottes wird / und ſtirbt des

ewigen Todes. Zeugniß der Heiligen

| Schrifft.

Joh. 6/27. Wuͤrcket Speiſe / die nicht dergaͤnglich iſt / ſondern die da bleibet in das twige Leben / welche euch des Menſchen

Sohn geben wird. v. 29. Das iſt Gottes Werck / daß ihr an den glaͤubet / den cs

4 Hertzens⸗Spiegel. 7x ſandt hat. v. 32. Moſes hat euch nicht Brod vom Himmel gegeben / ſondern mein Vater giebet euch das rechte Brod vom Himmel / denn diß iſt das Brod Gottes / das vom Himmel kommt / und giebet der Welt das Leben. v. 3 5. Ich bin das Brod des Lebens / wer zu mir kommt / den wird nicht hungern / und wer an mich glaubet / den wird nimmer⸗ mehr dürften. v. 37. Alles was mir mein Vater giebet / daß kommt zu mir. v. 44. Es kan niemand zu mir kommen / es fen dañ / daß ihn ziehe der Vater / der mich geſandt hat. v. y Ich bin das lebendige Bꝛod vom Him⸗ mel kommen / wer von dieſem Brod eſſen wird / der wird leben in Ewigkeit / und das Brod / das ich geben werde / iſt mein Fleiſch / welches ich geben werde fuͤr das Leben der Welt. v. 53. Werdet ihr nicht eſſe das Fleiſch des Menſchen Sohns / und trincken ſein Blut / ſo habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleiſch iſſet / und trincket mein Blut / der hat das ewige Leben / und ich werde ihn aufferwecken am juͤngſten Tage / denn mein Fleiſch iſt die rechte Speiſe / mein Blut iſt der rechte Tranck / wer mein Fleiſch iſſet und trincket mein Blut / der bleibet in mir / und ich in ihm / wie mich geſandt hat der lebendi⸗ ge Vater / und ich lebe umb des Vaters wil⸗ en / alſo wer mich iſſet / derſelbe wird auch Br’ 54 leben

72 Helleleuchtender

leben um meinet wiſlen. v. 62. Aergert euch das? wie / wann ihr dann werdet des Men⸗ ſchen Sohn ſehen auff fahren dahin / da er vor war? Der Geiſt iſts / der da lebendig machet / das Fleiſch iſt kein nuͤze. Die Aden die ich rede / die ſind Geiſt und eben. 1. Cor. 11 / 23. Ich habe es vom HEren empfangen / das ich euch gegeben habe / denn der YErꝛ Jeſus / in der Nacht / da er verra⸗ then ward / nahm er das Brod / dancket und brachs und ſprach / nehmet / eſſet / das iſt mein Leib / der fuͤr euch gebrochen wird / ſol⸗ chrs thut zu meinem Gedaͤchtniß: Deſſelbi⸗ gen gleichen nach dem Abendmahl nahm er auch den Kelchund ſprach; Dieſer Kelch iſt das neue Teſtament in meinem Blut / ſol⸗ ches thut / ſo offt ihrs trincket zu meinem Ge⸗ daͤchtniß. v. 27. Welcher nun unwuͤrdig von dieſem Brod iſſet / oder von dem Kelch des Erꝛn trincket / der iſt ſchuldig am Leib und Blut des HErm. v. 28. Denn welcher uns würdig iffet und trincket / der iſſet und trin⸗ efet ihm ſelber das Gerichte / damit / daß er nicht unterſcheidet den Leib des HEren. 1. Cor. 12/27. Ihr ſey d aber der Leib Chri⸗ ti / ein jeglicher nach ſeine m Theil. Joh. 13 / 2. Und nach dem Biſſen fuhr e Satan in Judas Iſcharioth.

udn

Hertzens⸗Spiegel. 72

2. Cor. 6/ 15. Was hat das Licht fuͤr Ge⸗ meinſchafft mit der Finſterniß? wie ſtimmet Chriſtus mit Belial? oder was fuͤr einen Theil hat der Glaubige mit den Unglaubi⸗ gen? Was hat der Tempel Gottes far Gleichheit mit den Goͤtzen? Ihr ſeyd der Tempel des lebendigen Gottes. Wie denn Gott ſpꝛicht: Ich will in ihnen wohnen / und in ihnen wandeln / und will ihr GOlt ſeyn / und ſie ſollen mein Volck ſeyn.

1. Cor. 12. Ich veꝛmahne euch lieben Bft der / durch die Barmhertzigkeit G Ottes / ihr eure Leiber begebet zum Opffer / das da ſe⸗ bendig / heilig und Gott wohlgefaͤllig ſey. v. 2. Skellet euch nicht der Welt gleich / ſon, dern veraͤndert euch durch die Veränderung eurer Sinnen / auff daß ihr pruͤfen moͤget / welches ſey der gute / der wohlgefaͤllige und der volkommene Gottes Wille. v. 7. Alſo ſind wir viel ein Leib in Chriſto / aber unter einander iſt einer des andern Glied. 1. Cor. 15/12. Laſſet uns ablege die Wercke der Fin⸗ ſterniß / und anlegen die Waffen des Lichts.

1. Cor. 10 / 16. Der geſegnete Kelch / wel⸗ chen wir ſegnen / iſt der nicht die Gemein⸗ ſchafft des Bluts Chriſti? Das Brod / das wir brechen / iſt das nicht die Gemeinſchafft des Leibes Christi? Denn ein Brod liſts / fo find wir viel ein Leid. v. 21. Ihr koͤnt nicht

32 ius

14 Helleleuchtender

Sa trincken des HErꝛn Kelch und des Teuffels Kelch; ihr koͤnt nicht zugleich theil⸗ hafftig ſeyn des Herten Tiſches und des Teuffels Tiſches. |

Rom. 8 / 10. So aberChriſtus in euch iſt / ſo iſt der Leib zwar todt um der Suͤndewil⸗ len / der Geiſt aber iſt das Leben um der Ge⸗ rechtigkeit willen; fo wird nun der Geiſt deß / der JEſum vom Tode aufferwecket / euere ſterbliche Leiber lebendig machen / um deß⸗ willen / daß ſein Geiſt in euch wohnet. v. 13. Denn wo ihr nach dem Fleiſche lebet / ſo wer⸗ det ihr ſterben muͤſſen / wo ihr aber durch den Geiſt des Fleiſchesgeſchaͤffte toͤdtet / ſo wer⸗ det ihr leben.

Luc. 11 / 24. Wenn der unſaubere Geiſt vom Menſchen außfaͤhret / ſo durchwandert er dürre Staͤtte / ſuchet Ruhe und findet ihr nicht / und wenn er wieder kommt / findet er fein Hauß gekehret und geſchmuͤcket / denn gehet er hinein / und nimmt zu ſich fieben Gei⸗ ſter / die aͤrger ſind denn er ſelbſt / wenn ſie deñ hinein kommen / wohnen ſie da / und wird mit demſelben Menſchen ärger dann vorhin.

Luc. 17 / 20. Das Reich Gottes kommt nicht mit euſſerlichen Geberden / man wird auch nicht ſagen: ſiehe hier oder da iſt es / ſehet / das Reich Gottes iſt inwendig in euch.

Joh. 14 / 12. Wer an ABAUN

| wir

Hertzens⸗Spiegel. 73 wird die Wercke auch thun / die ich thue. v. 21. Wer meine Gebote hat / und hält ſie / der iſts der mich liebet; Wer mich aber lie⸗ bet / der wird von meinem Vater geliebet werden. Joh. 14/23. Der mich liebet / der wird mein Wort halten / und mein Va⸗

ter wird ihn lieben / und wir werden zu ihm kommen / und Wohnung bey ihm machen. Der neue Menſch aus Gott geborn / Wird nu in Lieb von Ihm erkohꝛn / Der iſſt und teinckt C hꝛiſtum in ſich / Daß ſie eins werden ewiglich;

Wer aber nicht den Glauben hat / Bey demhat Satan ſeine Statt / Des toͤdt / zeꝛſtoͤhꝛt des Geiſtes dꝛucht. Chuiſtus kehꝛt aus des Teufels Zucht.

Sebnliches Verlangen nach dem

völligen Genuß IE Sl des hoͤchſten Gutes.

I,

Du Wonne volles Gut / das Geiſt und ® Seele ſpeiſet / Vnd aller Ereatur Gnad / Duld und Guͤt en

weiſet / Wann wirſt du dich mir gantz ergeben / Und uͤberfluͤſſig mich erfull n? til (

13 Helleleuchtender

Wenn wirſt du / meines Lebens Leben / | Meins Hertzens 8 voͤllig ſtill n?

Du wahres paradib duewgendidh moe Du ſchoͤnſtes Blumen ae lunerhörten

Wenn werd ich von der wüͤſten Erden / 1 In deine Luſtbarkeit verſetzt?

Wenn werd ich deiner wuͤrdig werden / Und cwiglich von a ergetzt?

Du freudenreicher Eko wirft du mich erquicken /

Und gantz und gar in dich und deinen Blitz

verzuͤcken? |

Wenn fallt das Fuͤncklein meiner Seele

Ins Feuer deiner Gottheit ein? | Wenn ſoll s ohn ihre Leibts⸗Hoͤſe Mit dir ein ein ge e ſeyn?

Du ew' ges Wolluſt⸗ Meer wenn wirſt du mich recht traͤncken? Wenn wirſt du mich in dich mit Leib und Seel verſencken? Wenn wird mein Geiſt in dich zerflieſſen / Und ſeiner Liebe Lauff vollf ühr'n? Daß ich nichts als von dir werd wiſſen / Ja ewig wich in dich verlier n. . D

*

Hertzens⸗Spiegel. 77 5. Du hochgewoͤnſchte Ruh / du Zielſtatt der | verliebten!

Du End und Mittel⸗Punct der Fremden und Betruͤbten! Wenn / wenn / wenn werd ich zu di kommen Und unabſcheidlich bey dir feon ? Wenn werd ich völlig aufgenommen? Wenn / SEſul wenn? mein einigs Ein! IIX. Betrachtung. Vonder innerlichen Tauffe. D Hriſtus hat die Tauffe verord⸗ net / daß wir mit Waſſer und dem Heiligen Geiſt ſollen getaufft werden / daß wir verwilligen der Suͤnden abzuſterben / mit Chriſto begehren getoͤdtet und begraben zu werden: Chriſtum anziehen / und mit ihm vom Tode aufferſtehen / daß alſo in uns die Suͤnde erſaͤufft? und mit dem Blut Chriſti abgewaſchen

werde durch den Glauben / und wir in einem reinen und neuen Leben wandeln. Diefes iſt die Tauffe Chri⸗ ſti /

1 Helleleuchtender

ſti / durch welche wir nicht in Secten getrennet und geſpalte / ſondeꝛn viel⸗ mehr mit einem Geiſt alle zu einem Leibe getauft weꝛden; und gleich wie die / welche warhafftig mit diefer Tauffe (Chriſti) getaufft / Chriſtum auch warhafftig angezogen haben / alſo find auch gleichfals nur die je nigen die CHriſtum im Geiſt und Warheit angezogen / warhafftig ge⸗ taufft / und bey denen heiſt es recht: Ein guter Baum kan keine boͤſe Fruͤchte bringen. Den Unglaͤu⸗ bigen aber hilſſt die euſſerliche Tauf⸗ fe nichts / ſondern er wird nur dar⸗ durch verſiegelt zur Verdammniß / daß er im Zorn Gottes durch den Uinglauben erſaͤufft werde im Pful und Schlamm der Suͤnden. Zeuguiß der Heiligen | Schrifft.

Epheſ. 4/22. Leget ab den alten Mens ſchen / erneuert euch aber im Geiſt euers Ge⸗ muͤts / und ziehet an den neuen Menſchen / der nach GOtt geſch affen iſt. 1. Joh. 1. v. J. 6. 7. GOtt iſt ein Licht / und in 1

I

Hertzens⸗Spiegel. 79

keine Finſterniß / fo wir ſagen / daß wir Ge⸗ meinſchafft mit ihm haben / und wandeln im Finſterniß / ſo luͤgen wir und thun nicht die Warheit: fo wir aber im Licht wandeln / wie er ein Licht iſt / ſo haben wir Gemein⸗ ſchafft mit und unter einander / und das Blut Jeſu Chriſti ſeines Sohns macht uns rein von aller Suͤnde. Actor. 22. Laß dich tauffen / und deine Suͤnde abwaſchen. I. Petr. 3. Die Tauffe erhaͤlt uns / nicht das Abthun des Unflats am Fleiſch / ſondern die Antwort eines guten Gewiſſens für Gott durch die Aufferſtehung Jeſu Chriſtt. Rom. 6. Wiſſet ihrnicht / daß wir alle / die auff Chriſtum ar ſind / die find auff ſeinen Tod getaufft. So ſind wir nun mit ihm begraben durch die Tauffe in den Tod / auff daß wie Chriſtus aufferwecket iſt von den todten zur Herꝛligkeit des Vaters / alſo ſollen auch wir in einem neuen Leben wan⸗ deln / dz wie wir in ihm gepflantzet ſind nach der Gleichniß ſeines Todes / fo werden wir ja in ihn auch eingepflantzet werden nach dem⸗Gleichniß der Aufferſtehung. 1. Cor. 12. Wir ſind durch einen Geiſt alle zu einem eib getaufft. Gal. 3. Wie viel euer auff Chri⸗ ſtum getaufft ſind / die haben Chriſtum an⸗ gezogen. Matth. 26. Wer da glaubet und gelgufft wird / der fol ſelig werden; wer * ni

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80 Helleleuchtender

nicht glaubet / fol verdammet werden; Actor. 1. Johannes zwar hat mit waſſer ges taufft / ihr aber ſolt mit dem Heiligen Geiſt getaufft werden. Tit. 3. GOtt hat uns ſe⸗ lig gemacht nach ſeiner Barmhertzigkeit Dusch das Bad der Wiedergeburt und Er⸗ neuerung des Heiligen Geiſtes. Joh. 3. Es ſey dann / daß j mand aus Waſſer und Geiſt geboren werde / ſo kan er nicht in das Reich GOttes kommen. 1. Joh. 5/6. Dies Prilts “der da kommt mit Waſſer und Blut JEſus CHriſtus / nicht mit Waſſer alleine / ſondern mit Waſſer und Blut / und der Geiſt zeuget / daß der Geiſt Warheit iſt. Denn drey ſind / die da zeugen im Himmel / der Va⸗ ter / das Wort und der Heilige Geiſt / und die drey ſind beyſammen; und drey ſind / die zeugen auff Erden / der Geiſt / das Waſſer und das Blut / und die drey find beyſammen. Der Unglaubige und Gottloſe aber wird immer mehr und mehr mit ſeiner eigenen Boßheit getauft und erſaͤufft / denn darin⸗ nen muß er verſincken als in einem tieffen Schlamm / der ohne Grund iſt. Pſalm 69/3. Denn wie ein Born ſein Waſſer quillt / ſo quillet das Hertz des Unwidergebor⸗ nen Menſchen die Boßheit / Un⸗ tugend und die Suͤnde. Jerem. 4 / 18. 1 Die

Hertzens⸗Spieget. 81

Die Tauf mit Waſſe: / Geiſt un blut / Das Hertz von Pie abwaſchen thut:

Wir ziehn darin auch Chriſtum an / Der uns vom Tod erloͤſen kan; Demlinglaubhilfft die Tauffe nicht /

Er bleibt allzeit in Gotts Gericht /

D Koth der Suͤnd hat er ſein Bad /

oll Gottes Zorn und Ungenad.

Hertzens⸗Seufftzer / umb Krafft aus der Hoͤhe / und die Gabe des Heiligen Geiſtes.

I. : SRH Heilger Geiſt / du hoͤchſtes ut / tzünd mein Hertz mit deiner Glut; Schlag deines Heuers ſuͤſſe Flammen / Gantz kraͤfftig uber mir zuſammen: Erweck in mir durch deine Gunſt Der ewig 'n Liebe heil ge Brunſt.

Daß ich im Finſtern ſterbe nicht Beſchatte mich mit deiner Kühle / Daß ich nicht fremde Hitze fühle: Erfriſche meines Hertzens Au / Mi deiner heilgen 1 8 10 RE

|

|

| 2 Enleuchtemich dumohres Sicht

|

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| 3. Komm

|

32 Helleleuchtender

| 3. Komm theure Salbe / heyle mich | Vom Suͤnden⸗Gifft und Schlangen Du lier koͤſtlichs Balſam Oele / (Stich, Erquicke meine matte Seele. Komm meines Geiſtes Paradeiß / Sein Himmels⸗tranck und Lebens⸗ſpeiß.

4 ai Komm) komm du allerſuͤſſter Troſt / So werd ich frey vom Suͤnden⸗Roſt. Komm / komm du Geber aller Gaben / Ohn welchen mich ſonſt nichts kan laben: Erfülle meines Hertzens Schrein Mit deiner Gottheit reinem Wein.

5. Gib / daß ich / wie ein liebes Kind / Gott fuͤicht / ihm folg meid die Sündz

Laß wahre Froͤmm gkeit mich erlangen /

Und rechte Wiſſenſchafft empfangen / Damit den Weg der Seligkeit Ich trete mit Biſcdeidendeit.

Gib mir die Staͤrcke / daß ich kan Dir dienen wie ein Krieges: Mann: Dein Rath regiere meine Sinnen /

Daß ſie recht unterſcheiden koͤnnen; Verleyhe mir dein ſelbſt Verſtand / Dein Will werd voͤllig mir bekant.

7. Geuß

Hertzens⸗Spiegel. 23

7 Geuß deiner Weißheit guͤldnen Fluß In mich durch deinen Kebes⸗Kuß / Daß ich in meinem Hertzen wiſſe / Wie gut du biſt / und wie ſo ſuͤſſez Daß ich anſchau zu jeder Friſt Die Warheit / Die du felber biſt.

Du fiebensfaches Gnaden ⸗Gut /

Du Finger Gott's / der Wunder thut / Du hoͤchſte Krafft / du Lebens Brunnen / Komm ſtrom⸗weiß in mein Hertz gerunnenz

Du Feuer ⸗Tauff / du GOttes Pfand /

Ohn dich iſt alles eitler Tand.

9. Du Lebens ⸗Strom / klar wie Chipſtall / Der mit ſo Gnadenreichem Fall Jerufalem ewig erfreuet: Du biſts der alle Ding verneuet; Wen dich empfindt / weiß nicht von Noth / Wer dich nicht hat / iſt lebend todt.

| 10. O eſou / der du dieſenGaſt Mir gantz gewiß verſprochen haſt; Ach ſend ihn jetzt in meine Seele! So wird erleucht die dunckle Hoͤle: Geuß ihn grad in mein Hertz hinein / So werd ich recht getauffet ſeyn.

G ij IX. Be

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34 PVelleleuchtender

es IX. 3 Von dem Einſprechen GOttes / nach der innerlichen Tauffe des Heiligen Geiſtes. | Much der innerlichen Tauffe des Heiligen Geiſtes folget derſelben Krafft das uͤndliche gleich zu todtẽ /

durch wahre hertzlicheReu und Buf⸗

ſe / auch reget und beweget ſich alſo⸗ bald die neue Geburt / welche erwe⸗ cket eine hertzliche Liebe / Begierde / Veꝛtꝛauung und Hoffnung zuGott. Sie gꝛuͤn det ih auf die Ba mheꝛtzig⸗ keit Gottes / und auff das Verdienſt Chriſti / da empfindet das Hertz eine 8 Muſtc in ſich / daß es der zelt⸗Freude abſaget / gram u. feind wird. Und ehe der Menſch ſolche Himmliſche hren wolte aus ſei⸗ nem Hertzen fahren laſſen / verwilli⸗ get er lieber alle irꝛdiſche Pein zu lei⸗ den; begiebet ſich auff ein Gottſe⸗ lig Leben / huͤtet ſich nach der Ver⸗ mahnung Jeſuchriſti Pro 0 Nah

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Hertzens⸗Spiegel. 33 Nahꝛung / fuͤr Fꝛeſſen und Sauffen / und fuͤr allen Laftern des Fleiſches / wie die moͤgen genennet werden: Caſteyet feinen Leib / ſuchet ſich nicht ſelber mit eigener Liebe / wolte gern / wenn es ihm moͤglich waͤre / Gott und ſeinem Naͤchſten zu gefallen und Dienſt leben. Und nachdem er ſich mit viel Gedan ken plaget / ſo wird die Freude ſeines Hertzens / wie mit einer Wolck / uͤberzogen / welche den Blick feiner innerlichen Freude ver⸗ tunckelt / und be duͤncket ihn / | es ſey nur als ein Traum sad geweſen. Zeugniß der Heiligen 5 chrifft.

Pſalm 5/3. DHEN / tilge meine Uber⸗ tretung nach deiner groſſen Barmhertzig⸗ keit. Pſalm 143. DErz! gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht. Pſalm 7 ro. Hat denn Gott vergeſſen gnaͤdig zu ſeyn / hat er ſeine Barmhertzigkeit durch Zorn vers ſchloſſen? Pſalm 79,8. O HeErꝛ geden⸗ cke nicht unſer vorigen Miſſethat / deine Barmh itzigkeit wolle uns eilend zu Hülffe kommen, Pfalm 112 /. Den Frommen

0 G u; gehet /

36 Helleleuchtender

gehet ein Licht auf in der Finſterniß von dem gnaͤdigen / barmhertzigen und gerechten. Pfalm 103 / 4. Lobe den HErꝛn / meine Seele / der dich kroͤnet mit nad und Barm⸗ hertzigkeit; wie ſich ein Vater erbarmet über feine Kinder / alſo erbarmet ſich der Eri uͤber die / ſo ihn fuͤrchten. | Wie fich die Seele über der Barmher⸗ f keit B Ottes im Hertzen erfreuet / wann GoOtt mit Snaden blicken laͤſt; liß den gantzen 138. Pſalm / der ſich alſo anfaͤnget: ch dancke dir von Grund meines Hertzens / fuͤrden Göttern wil ich dirlobſingen. Pſalm 84/5. Selig find die in deinem Hauſe wohnen / HErz/ die dich immer dar loben. Luc. 25 / 29. Bleib bey uns / denn es will Abend werden / und der Tag hat ſich ge⸗ neiget. y. 3 1. Da wurden ihre Augen geoͤf⸗ net / daß ſie ihn erkandten / und er veꝛſchwand. v. 32. Brandte nicht unſer Hertz in uns / da er mit uns redete auff dem Wege: als er uns die Schrifft eröffnete. Prov. 15 / 13. Ein froͤlich Hertz macht ein froͤlich Angeſicht / aber wenn das Hertz bekummert iſt / ſo iſt auch 5 Muth zer⸗

ſchlagen. Das ſuͤndlich Fleiſch die Tauf eꝛſaͤuft / Daß ſich das Hertz aM. INH ver⸗ eu

Hertzens⸗Spiegel. 37 Mit Freſſen / Saufft / Schwelger ey. Es iſt zu et hat Freud dabey; UmcChꝛiſti willn fuͤꝛcht eskein Noth / Es ſey die Welt / Fleiſch oder Todt; Aber nicht lang hat diß Beſtand / So iſt die Freud in Leid verwandt. Feuden⸗Liedlein / oder Frolo⸗ ckendes Veꝛgnuͤgen de; Lieb empfin⸗ denden Seelen über SEfum; ihren einig » geliebten.

1. K Un wil ich ſcheiden mich von allen Din gen / Und mich zu mein m Geliebten ſchwingen; Den ich allein mir hab erkieſt: | Nichts Fan im Himmel und auff Erden

Gefunden und genennet werden / Das er mir ſelbſt nicht alles iſt.

2 Ein anderer mag ſich mit eyteln Schaͤtzen / So viel er immer kan / ergetzen; Ich habe keinen Schatz / als ihn: Mein Dichten / Trachten / und mein Sinnen Ja alles was ich kan beginnen / Seht nur zu meinem JEſu hin.

3 Du / tauſendmahl Geliebter! biſts alleine / Den ich von Grund des Hertzens meme ib Du

88 Helleleuchtender

Du biſt mir was ich nur begehr: Du biſt mein Labſal / mein Getraͤncke / Mein Wunſch und was ich nur gedencke /

Meindebens⸗Bruñ und Wolluſt⸗Meer

Duldu biſt mein gnaͤdiger Abend: Regen / Mein hochgewuͤnſchter Morgen⸗Seegen / Mein Zucker: ſliſſer Himmels⸗Thau / Durch deinen Saffı blüht meine Seele / In ihrer finſtern Leibes⸗Hoͤle / | Wie eine Blum auff grüner Au.

5. Du biſt mein erfreuliche Morgen⸗Roͤthe ) Nein Abend ⸗Stern / durch den ich toͤdte Die Traurigkeit der finſtern Nacht: Du biſt mein Mond und meine Sonne / Mein Augen ⸗Troſt und alle Wonne / Die der geſtunte Aae macht.

Allein du / du gibſt mir dieſelben Schaͤtze / Durch die ich mich zu frieden ſetze: Du biſt mein Silber und mein Gold: 10 ach te hoͤher dich alleine / lls Perlen / Rubin / Edle⸗Steine / Und was von fernen wird geholt.

8 Du biſt mir ein bluͤhender Roſen⸗Garten / Ein Feld voll Blumen / ſchoͤner Arten / Ein Acker voller gruͤnen Sagt: 10 u

Hertzens⸗Spiegel. 83

Du biſt mein Luſt⸗Wald / meine Weide / Mein Frucht⸗Gebirg und bunde Heide / Mein Land / das 85 und Honig hat.

O ewiglich⸗ blahenider Nazarener /

Ich finde nichts dir gleich / noch ſchoͤner: Meinedler Roſen⸗Lulgen⸗Zweig!

Viel beſſer kanſt du mich erfreuen /

Als alle Schoͤnheit in dem Meyen / Und aller Gaͤrten Schmuck und Zeug.

| 9.

Du biſt mir wie Wieſen und gruͤne Matten / Ein Apffelbaum und kuͤhler Schatten /

Den einig⸗ innig ich begehr:

dir / mein Bett und ſammtes Kuͤſſen /

Kan ich der beſten Ruh genieſſen:

Deum komm / ach komm doch eilends heꝛ.

1

O. Du biſt mir das lieblichſte Muſiciren / Mein Jubel⸗Freud und Triumphiren / Mein Zymbel⸗Thon und Luſt⸗Geſang: Dich hoͤr ich lieber als Trompeten / Poſaunen / Zincken / Orgeln / Floͤthen: Als Seiten⸗Spiel und Lauten: Klang.

11. f Du ſpeiſeſt mir mein Hertz mit Süſſgkeitẽ / Die keine Welt kan zu bereiten / An dir eſſich mich nimmer ſatt: Du biſt das Freud'n⸗Hauß meiner Sin⸗ nen/ G v Ein

30 Helleleuchtender

Einveſte Burg und Schloß / darinnen Mein Seelchen feine Wohnung hat.

Ich frage hinfort nichts mehr nach dem

Himmel / |

Nach Edens Luſt und Welt⸗Getuͤmmel;

Du biſt mir eine gantze Welt /

Du biſt der Himmel / den ich meine;

Das Paradiß / das mir alleine P/ Und auſſer dem gantz nichts gefaͤllt.

13. 5 5 Ich werde ſchon erfüllt mit tauſend Freudẽ; Denn wann ich werd von hinnen ſcheiden / Fuͤr deinen Seraphinen Thron / Wirſt du mich in dich ſelbſt erheben / Und ewiglich zu ſchmecken geben | Dich / hoͤchſtes Gut / mein Kronund£ohn.

N Bekrachtung. Don der 3 ⸗Verbergung

| 5

Wann die Seele Gottes Liebe und

Suͤſſigkeit in ihrem innerſten

Grunde des Hertzens geſchmecket /

begehret ſie dieſelbige auch in die euſ⸗

ſerſten Siñen zu fuͤhren und zu Im N

7 9 1 6 1 5

N 4 A 79 0 h

Hertzens⸗ Spiegel. r

le / oder mit der Veꝛnunfft zu begeeif⸗ fen:alsdann verbirget ſich Gott wie⸗ der / und fuͤhret den Menſchen in mancherley Angſt und Truͤbſal. Ja laͤſt ihn offt (doch bloß zu des Men⸗ ſchen Beſtem in ſchwere Anfechtung und Sünde fallen / wie an den Juͤn⸗ gern Chriſti / und in der Verleug⸗ nung Petri zu ſehen. An dieſem Ort ſtehet die Verzweiffelung der ver⸗ lohrnen und verdamten boͤſenMen⸗ ſchen / als Cains / Judas Iſchariot / und ihres gleichen. Es fiel auch der Koͤnig David in ſchwere Suͤnden / und GOtt laͤſt keine Suͤnde unge⸗ ſtrafft / auff daß ſeiner Gerechtigkeit gnug geſchehe: ſolche Straffen ſind dem ßleiſche ſchwer / aber dem Geiſt ſanfft und beilſam / darzu nur zeit⸗ lich / welche bald ein Ende haben / auff daß der Menſch ſeine verderbte Natur erkenne / weil ſonſt der na⸗ turliche Menſch nichts veꝛſtehet vom Geiſte Gottes. Und damit wird er ind hertzlichen Gebet gereitzet; fo be⸗ ndet er auch / daß er in der ts

92 Helleleuchtender

Erkaͤntniß Gottes noch fern und unvollkommen / daß er gleich ſey dem verlohrnen Sohne / der ſein Gut mit Huren verſchwendet / und ſeinen Bauch neben den E Alien mit Tre⸗ bern fuͤllet / und daß er ein anders will / aber ein anders thut. Auff daß er von Tage zu Tage dem alten Men⸗ ſchen abſterbe / Demuth lerne / ſich der Gaben nicht uͤberhebe / nicht fuͤr gelehrt und weiſe halte / ſich er miedri⸗ ge / ineinfaͤltigem Hertzen bleibe / in dem Guten zunehme / ſeinen Willen allein auff GOtt richte / ſich dem Creutz Chriſti / feinem armfeligen Leben und dem Willen Gottes erge⸗ be / und bitte / daß Gott in ihm ſei⸗ nen Willen und Hertz regieren wolle nach ſeinem Wohlgefallen / gleich⸗ wie David und Chriſtus ſelbſt / dar⸗ um gebeten haben. Jetzt wird der Aker Gottes im Menſchen Gepa | get und zugerichtet / daß der Saame Goͤttlichen Worts / das in uns ge⸗ pflantzet iſt / und unſere Seelen ſelig ma hen kan / indem er mit dem Re⸗ | gen

Hertzens „Spiegel. 93

en des Heiligen Geiſtes befeuchtet / fruchtbar wird; denn itzund iſt der Menſch ein Arbeiter im Weinberge des HErꝛn. Darum hat nun der eine länger zu arbeiten / als der an⸗ der / biß er ſeinen Groſchen empfaͤhet. Jetzt ſtehet die Roſe unter den Dor⸗ nen / und wird das Fleiſch gecreutzi⸗ get: Dann der Menſch geneuſt der Liebe und Barmhertzigkeit Gottes in der Finſterniß / Creutz / Leyden und aller Wiede:waͤrtigkeit / ſo wol / als im Uberfluß ſeiner F naden. Und das Creutz iſt viel ſichere: als die Troͤ⸗ ſtung / ſo fern ſich der Menſch von gantzem Hertzen darein ergiebet. Ob aber gleich offtmals die Seel einen froͤlichen Anblick empfindet / ſo iſt ſie doch noch fern vom Ende / darum veꝛbüget ſich Gott eine Zeitlang / daß ſich die Seel Gott gantz laſſe / und die Prob außſtehe: Und daß Gott die Seele uͤber ſich fuͤhre in ſeiner Goͤtt⸗ lichen viebe / von Sünden reinige im Blut Chriſti / und Chriſto gleichfor⸗

mig mache. Alsdann erkennt der Menſch⸗

34 Helleleuchtender

Menſch / wie groß die Gnade Gottes ſey: Daß er ohne G Ott nichts ſey: Daß er allein aus lauter gnade Got⸗ tes verneuert werden muͤſſe; denn die Vereinigung mit der Liebe Got⸗ tes begreifft alle Kraͤfſte im Himmel und auff Erden / ohne welche nichts anders zu ſuchen iſt / auff daß die Seele gantz in den Geiſt verleibet werde / und ihr nichts Weltliches uͤbrig bleibe / ſondern der Welt ab⸗ ſterbe. Allhier muß ſich der Menſch fuͤhren laſſen / wohin das Fleiſch in der alten Geburt nicht wil: darum ſoll man ſich allewege dem Willen Gottes gantz ergeben / und ſtets wa⸗ hen und beten / biß Gott wieder feine Huͤlſſe und Gnade 3 | 8 ö eugniß der Heiligen Schrifft.

Von der Wieder verbergung Gottes ſe⸗ hen wir an David / da er das Volck zehlen ließ aus Fürwitz. Darnach erkante er wie⸗

der ſeine Sonde / bat Gott um Verzeihung.

Gott aber wolte ihn chung rolf

| |

Hertzens⸗Spiegel. 256

ob er ihm gleich feine Suͤnde vergeben. Ders halben ihm David ſelbſt eine Straffe erweh⸗ len möchte. 2. Sam. 24. Hebr. 12/4. Denn ihr habet noch nicht biß auffs Blut widerſtanden oͤber dem Kaͤmpffen wider die Sünde. v. 5. Mein Sohn / achte nicht gerin⸗ ge die Zuͤchtigung des Hr, und verzage e du von ihm geſtrafſet wirſt / denn welchen der HErꝛ lieb hat / den zuͤchtiget Er. Er ſtaͤupet aber einen jeglichen Sohn / den er auffnimmet. Tob. 12/13. Und weil du Gott lieb wareſt / ſo muſte es ſo ſeyn / ohne Anfechtung muſteſtu nicht bleiben / auff daß du bewaͤhret wur deſt. Alſo iſt Chriſtus auch verſucht worden / Matth. 4. und ſchwitzte blutigen Schweiß am Oelberge. Matth. 26. Prov. 17/3. Wie das Feuer Silber / und der Ofen Golb; alſo prüfet der HErꝛ die Son. Ließ das Exempel vom verlohrnen

ohn. Luc. 15.

1. Cor. 2/14. Der natürliche Menſch ver⸗ nimmt nichts vom Geiſte Gottes / es iſt ih⸗ me eine Thorheit / und kan es nicht erkennen⸗ wann er wird von geiſtlichen Sachen gefra⸗ get. Aber der Geiſtliche ergründet alles.

Gal. 5. Welche Chriſtum angehoͤren / die

er igen ihr Fleiſch ſamt den boͤſen Lüften.

ſa. 64/8. Sie ſind ja mein Volck / Kin⸗ der / die nicht falſch ſind. v. 9. Wer ſie 17 f et;

96 Helleleuchtenden

ſtet / der aͤngſtet ihn auch / er erloͤſet ſie. v. 15. biſtu doch unſer Vater / Abraham weiß von uns nicht / und Iſrael kennet uns nicht. v. 17. Warum laͤſt du uns irren von deinẽ Wege / und unſer Hertz verſtocken / daß wir dich nicht fürchten? Siehe du zuͤrneteſt wohl / ga wir fuͤndigten / und lange darinnen blieben / dennoch haſt du geholffen; aber nu verbirgeſt du dein Angeſicht fuͤr une / und laͤſt uns ver⸗ ſchmachten: Gleichwohl / HEre / biſt du unfee Vater / wir find Thon / du biſt der Toͤpffer / und wir alle find de iner Hände Werck / HeErꝛ zuͤrne nicht zu ſehr / und dencke nicht ewig der Suͤnden. | Pſalm 24/29. Der HEre iſt nahe denen die zerbrochenes Hertzens find. Pf. 51/19. Ein zerbrochen Hertz wirſt du O Gott nicht verwerffen. Bf. 147/ . Der Err heilet / die zerbrochenes Hertzens ſind. Pſ. 85/11. O Err halt mein Hertz zuſammen / daß ich deinen Namen fürchte. Pf. 139/23. Eis forſche mich / O Gott / und erkuͤndige mein Hertz. Eſa. 63 / 17. OHErꝛ / warum ver⸗ haͤrteſtu unſere Hertzen / daß wir dich nicht fürchten. Pſ. 141/4. Neige mein Hertz nicht zu etwas Boͤſes / ein gottloſes Weſen zuführen. Eſai. 61. Er hat mich geſandt den Elenden zu predigen / die zerbrochenen Her⸗ tzen zu verbinden / zu predigen den * 404

Hertzens⸗Spiegel. 97

nen eine Erledigung / und den Gebundenen eine Eröffnung. Pf. 91/15. Ich bin bey dir in der Noth / ich will dich heraus reiſſen und zu Ehren machen; ich will ihn ſaͤttigen mit langem Leben / und will ihm zeigen mein Heyl. Eſai. 60 / 10. In meinem Zorn weis de ich dich zwar geſchlagen haben / aber durch meine Hand werde ich mich uͤber dich erbar⸗ men. Eſai. 27 8. Mit Maſſen richteſtu ſie / und laͤſt fie loß / wenn du fie betruͤbet haft. Prov. 4/13. Bewahre dein Hertz mehr dann alles / denn aus demſelben gehet das Leben. Joel. 2/13. Zerreiſſet eure Hertzen / und nicht eure Kleider / und bekehret euch zu dem Heren eurem GOtt. Ihren. 2/19. Schuͤtte dein Hertz aus für dem Angeſicht des HERrn / wie Waſſer. Matth. 13/16. Wenn jemand das Wort von dem Reiche hoͤret / und nicht verſtehet / ſo kommt der Arge und reiſſet hin / was da geſaͤet iſt in ſein Hertz; und der iſts / der an den Weg geſaͤet iſt: Der aber auffs ſteinichte geſaͤet iſt / der iſts / wenn jemand das Wort hoͤret / und bald auffnimmt mit Freuden; aber es hat nicht Wurtzel in ihm / ſondern er liſt wetterwendiſch / wenn ſich Truͤbſal und Verfolgung anhebet / um des Worts willen / fo ärgert er ſich bald; der aber unter die Dornen gefäer iſt / der iſts / wenn jemand das Wort hoͤret / und die er Sor⸗

8 Helleleuchtender

Sorge dieſer Welt und Betrug des Reich⸗ thums erſticket das Wort und bringet nicht Frucht: Der aber in das gute Land geſaͤtt iſt / der its / wenn jemand das Wort nöret / und verſtehet es / und dann auch Frucht brin⸗ get / etlichs traͤget hundertfaͤltig / etlichs aber ſechtzigfaͤltig / etliches dreyßigfaͤltig. Gal. 6/7. Was der Menſch ſaͤet / das wird er erndten. Matth. 20. Das Himmelreich iſt gleich einem Dauß Vater / der am Mor⸗ gen ausgieng / Arbeiter zu miethen in ſeinen Weinberg. Viel ſind beruffen / aber we⸗ nig außerwehlet. Joh. 21/18. Warlich ich ſage dir / da du jünger wareſt / gurteteftu dich ſelber / und wandelteſt wohin du wolteſt; wenn duaber alt wirſt / wirſt du deine Hand außſtrecken / und ein anderer wird dich guͤr⸗ ten und fuͤhren / da du nicht hin wilt. | Luc. 16 / 38. Wachet und betet / daß ihr nicht in Anfechtung fallet / der Geiſt iſt wil⸗ lig / aber das Fleiſch iſt ſchwach. Luc. 21/3 1. Siehe / der Satan hat euer begehret / daß er euch fichten mochte / wieden Weitzen. Ich aber habe für dich gebeten / daß dein Glaube nicht auffhoͤre. | Von Anfechtung das Hertz wird | matt / Wann ſich ihm Gott verboꝛgen hat / So ſchmeckt die at denn GOttes 15 " orn / |

—— ——

Hertzens⸗Spiegel. 3

Gleich waͤr fi ſie itzt nun gar verlohrn / Damit aber wird ſie gepfluͤgt / Daß Gott in ſie ſein n Samen fuͤgt. Gott ſtra all Suͤnd an ſeinemKind Zuletzt ſich wieder Huͤlffe findt.

Troſt⸗Lied einer in Empfindung geiſtlicher ſchwerer und langwieri⸗ ger a Se höchit-berräbten

een:

Hoch do Haug nicht ſo ſehr Matte Seele / ſey betrübt; Daß dir JEſus kein Gehoͤr Auff dein ſehnlich Flehen gibt / Daß er ſeinen Glantz entzeucht / Ja mit allem Troſt entweicht Und du deiner Suͤnden⸗Wuſt Mit Beſtüttzung lauen muſt.

| Wann dich alle Weltderacht /

Und dein beſter Freund dir feind;

Wenn der gantzen Hoͤllen⸗Macht

Wider dich zuſtreiten ſcheint:

Wann dein Hertz dich ſcſtverftucht /

Und nichts als Verzweifflung ſucht; Wann in dir nur uberall

We Siku de Snabe f | D ii 3. Wenn

100 Helleleuchtender

1 3. FR Wenn der eib von Kraͤfften geht / Aechtzet laͤchtzet / zagt und klagt: Wann G Ott dir entgegen ſteht / Und mit Plag auff Plag dich plagt: Wann kein Creutz und Weh ſo groß / Daß dir nicht gibt manchen Stoß: Wenn du aller Noth und Pein Muſt ein Zweck und Centrum ſeyn.

4.

Ja wenn vielmahls dein Gemüth Mit ſo gar verborgnem deid / | Angſt und Sorgen wird beſchůtt / Daß für deſſen Graͤßlichkeit / Solches jemand zu vertraun /

Dir im Hertzen ſelbſt muß graun: Wenn nun diß und mehr geſchicht / Seele / ſo verzage nicht. ne

5. Dencke / wie zu jener Zeit / He Als ſein Troſt⸗ Glantz in dir ſchien / Du / in Zeit und Ewigkeit / Gottes Willen zu vollziehn / Taͤglich ihm verſprochen haſt / Und den ſteiffen Sinn gefaſt / Alles druͤber auszuſtehn / Soltſt du gleich zu 7 0 gehn.

Uberwege / was vor Ruh? | Was

Hergeng: Spiegel. 101

Was vor Wonne? welche Luſt? Was vor Schmack emptundeſt, du Aus der offnen JEſus⸗Bruſt? Als er dich durch fernen Geiſt / Mit ſichſ ſelber abgefpeift:

Und dir Tranck von oben rab

Aus den füßten 5 gab?

Haſt du damals nicht den Strahl Deines Gocts in dir erblickt? Warſt du nicht ins Himmels⸗Saal Gleichſam aus der Welt entzuͤckt? Sagtſtu nicht: en was du wilt Werde bloß an mir erfuͤllt; Was du haſt auff mich bedacht / Werd in Freud und N vollbracht?

Geh in dees Herzens Grind / Und betrachte recht und wohl: Wie damals dein Vorſatz ſtund; Wie duheilger Flammen voll / Und / von ſeiner Lieb entbrandt / Ihm erboten Hertz und Hand / Auch in hoͤchſter Seelen⸗Pein Standhafft / huld up treuzu ſeyn.

Was du vor nun zugesagt /

Dieſem komm anjetzo nach;

Dulte maͤnnlich waͤs dich plagt /

| O iij Tra⸗

102 Helleleuchtender

Trage deines JEſu Schmach / Dencke / das was etzt dich kraͤnckt / Iſtzur Prufung eingeſchenckt / Ob die laͤngſt verheißne Tren Auch im Leiden ernſtlich ſen.

* 10. 1 1 Haft dujenes Lebens Mahl Mi vergnuͤgter Luſt geſchmeckt? So leyd auch im Thraͤnen⸗ Thal / Wenn der Creutz⸗Tiſch wird gedeckt. Aſſeſt du vor Marcipan? Nimm nun Lauch und Zwiebelnan 5 Tranckſt du Moſt und Malvaſier ? Ey ſo ſchmeck auch Wermuth⸗Bier.

j 1 Ts 4 1 Hat dein JEſus dir zu gut Gottes Zorn⸗Flut außgeleert? Und dir ſinckt der ſtarcke Muth / Wenn der Kelch dir wird gewaͤhrtz Wenn du ſeiner Treu zu Dansk Deß / was er dir voll zutranck / Ohn Gehuͤlffen / ohne Ruhn / Kaum ein Troͤpfflein gleich ſolt thun? 12 a

Hat er mehr als dreyßig Jahr In Betruͤbniß zugebracht; Dat ihm ſeiner Freunde Schaar Stets das hoͤchſte Weh gemacht;

af

Hat er nebſt viel andrer Laſt 2 | Vier⸗

Hertzens⸗Spiegel. 105° Viertzig Tag und Nacht gefaſt? Und du ſuchſt nur immerzu Uberfluß / Troſt / S 5 und Ruß?

Ward er für der d Welt Sibndlich als ein Greul geſchaͤtzt? Hat fein Juͤnger ihn fuͤr Geld | Selbſt zum Sterben außgeſetzt? War die heilge Seel in Noth /

Und betruͤbt biß in den Tod?

Und du ſolteſt ſolcher . Nicht auch a ſeyn? |

Hat er / als der ſchwachſte Wurm / Daer mit dem Tode rang /

Und der Sünden Wetter Sturm Ihn von allen Kraͤfften zwang /

Sich gewunden und gekrümmt; Wiedenn / daß dichs Wunder nimmt! Wann er deiner Sunden Re Dich auch etwas en

Ward der theure gebens. Fuͤrſt Ans verfluchte Holtz gehaͤngt? Ward ihm / als ihn TERM duͤrſt / Gall und Eſſig eingeſchenckt? Schieyt er in dem Schlangen⸗S tich: GOtt / mein Gott / wie laͤſt du mich!

Und dir kommt bedencklich fuͤr /

His Daß

104 Helleleuchtender Daß er ſich verbirgt fuͤr dir? 16.

Summa: hat des hoͤchſten Sohn Wegen fremder Suͤnden⸗Schuld / Aller Teuffel Spott und Hohn / Endlich gar den Tod erdult? Ren Wandelt er den ſchmahlen Steg; Und du ſuchſt den breiten Weg / Dir beliebt die Freuden⸗Bahn? Seele / nein! diß geht nicht an!

1

7: Wilt du dort im Himmelreich Seinem Bildniß aͤhnlich ſeyn? Ey werd ihm auch etwas gleich Hier in ſchwerer Leydens⸗ Pein: Will du ſiegen? kaͤmpffe vor. Der iſt ja ein rechter Thor / | Der nach Kron und Scepter ſtrebt / Und doch nie im he |

18.

Dencke / daß in Creutzund Weh Sich die hoͤchſte Weißheit findt: Denn es lehrt / daß man verſteh / Was die eignen Kraͤffte ſind; Ja / daß nemlich bloß allein Ie ſus alles muͤſte ſeyn. Drum muß deine Zuverſicht Einig auff ihn ſeyn gericht. | 19. Creutz

Hertzens⸗Spiegel.

19.

Creutz iſt Gottes Feur und Herd / Drauff er dich wie Gold probirt / Und von Grund aus diß verzehrt / Was von wahrer Demuth fuͤhrt; Creutz / die Schule der Gedult / Wuͤrckt in dir auch Lieb und Huld Gegen dem der itzt noch ſchmeckt Di / worinn du ſelbſt geſteckt.

20. Opffre / wie zuvor geſchehn / Deinem G Ott dich gründlich auff. Kanſt du keinen Troſt erſehn? Laß der Truͤbſal ihren Lauff Und verſichre dich / daß eh Erd und Himmel un tergeh / Denn ein jammernd Menſchen Kind / Welchs ſich feſt auff JEſum gruͤnd. 21

Murtt die grobe Suͤnden⸗Haut / Vnd des alten Adams Fleiſch? Schhadts doch nicht: wer nur vertraut Chriſti Goͤttlichem Verheiſch /

Den er einmal uns gethan /

Pleibet wohl mit ihm daran /

Und wird / wann er gibt verlohrn / Erſt durchs Creutz recht neu gebohrn.

' 22. Merckſt du keines REM Gold / 12 v

105

106 Helleleuchtender Laß dir druͤber auch nicht graun: Der gaub ſtarck wer gerne wolf Innigſt ſeinem GOtt vertraun / Und doch lauter Mangel findt; Ein ſolch Fnaden hungrig Kind, Deinem JEſu mehr gefaͤllt / Als der ſtaͤrckſte Glaubens Held.

| 23.

Sey gewiß / es macht ihn froh.

Und zur Huͤlffe mehr bereit;

Wenn dein ſchwacher Glaube ſo Mit demſchweren Zweiffel ſtreit. Drum ergib dich ſeiner Huld / Ub' in Ungedult Gedult? Hoff / ob gleich dein Fleiſch vermeint / Daß nichts mehr zu hoffen ſcheint.

224.

Bete / wie dein Jeſus that /

Und verſenck dich gantz in Gott /

Auff Genad und Ungenad /

Sag ihm Danck in hoͤchſter Noth.

Wird dir Red und Wort gehemmt

Und von Thraͤnen überſchwemmt?

Der den Grund der Hertzen kennt /

Weiß ſchon was dich quält und brennt. 25.

Er erkennet deinen Sinn /

Fühlet ſelber allen Schmertz.

Wunffſt du dich ihm glaubig hin /

Ztoingit

Hertzens⸗Spiegel. 107 Zwingſt du gleichſam deſſen Hertz Daß er dir vom Uberfluß Seiner Liebe helffen muß:

Denn er nur das Zucht⸗Gericht Auff dich als ſein Kind außfpricht.

Laß dir nochmahls Ehriſti Schmach Und der harten Folter Teieb (Wie er gleichwohl vor und nach Gottes liebſter Sohn verblieb /) Auch in haͤrtſter Seelen⸗Pein Stuͤndlich dein Exempel ſeyn.

So vermagſt du klar zu ſehn /

Daß es nicht umb geſcheh'n.

Marter,Schmerg/Ereug/ Dornen Kran Haben ihm den Weg gemacht

Zu dem Ehrenreichen Thron /

Drauff er nun voll Macht und Pracht

Mit der Gottheit Strahl umblitzt

Zu des Vaters Rechtenſitzt;

Ob er zwar im Leydens⸗Stand

Sich von ene befand.

Gib auch acht auff jene Leut / Die dein Hertz vor heilig hälfg Und nunin der Ewigktit

Unter GOttes Kinder ſtellt. Jeden druckte feine Quaal /

Die

108 Helleleuchtender

Die ſer trug im Fleiſch den Pfahl / Muſt auch manches Jahr und Tag Leyden Satans Engels Schlag.

29. Dieſer ward zerhackt / zerfleiſcht / Jener kriegt ein blutig Beyl; Den hat Oel und Bech gekreiſcht / Jenem wurd der Roſt zu Theil. Dieſer ward vom Stein erdruͤckt / Der in Flamm und Rauch erſtickt; Dee zerdehnt ein ſtarckes Pferd / Dieren doch die Welt nicht werth. 30. Den zerriß der Löwen Macht; Der / mit heiſſem Bech bedeckt / Ward zum Leuchten in der Nacht / Statt der Fackeln angeſteckt; Dieſen kraͤnckt ein ſiedend Bley / Jenem bringt man Gifft herbey; Und wer kan wohl nach der Zahl Rechnen aller Marter Quaal?

31.

Es gebraͤche mir an Zeit / Wenn ich aller Folter Art / Aller Heyden Graumſamkeit / Wie ſie gegen ſie gebart / Volle Meldung ſolte thun: Darum mags hierbey beruhn.

15 Stell

Hertzens⸗Spiegel. 109

Stell in deſſen dieſe dir / Seele / zum Exempel fuͤr.

32. Schau mit was vor Hertzens⸗Luſt Sie zur Marter⸗Cron gerannt; Wie aus der erhitzten Bruſt IEſus Liebes⸗Feur gebrandt; Wie ſie zu der herbſten Pein / Als zum Dantz / gelauffen ſeyn / Und durch heilger Flammen Macht Spott / Tod / Quaal und Angſt verlacht.

| 33. Und was habenfieererbf Auff die Felßen⸗ſchwehre Noth? Sind ſie nicht ſchneeweiß gefaͤrbt? Sind ſie nicht durch ſtrengen Tod / In des Lammes Blut genetzt / Und in ſichre Ruh verſetzt? Ziert ſie bey dem Freudenmahl Nicht der klaren Gottheit⸗Strahl?

34.

Achlich werde wie entzuͤckt /

Wenn ich dencke was vor Licht / Was vor Glantz ſie angeblickt! Wie fie GOttes Angeſicht / Auff ihr kurtzempfundnes Leyd / Voller Wonne / Luſt und Freud / Ewig / ewig / ſonder Grauen / Mit verklaͤhrtem Antlitz ſchauen.

ge ee

Wannichzu Genüthe kehr / 4 5 Was vor Cronen ſie umſchraͤnckt / Wie das unergruͤndte Meer Gottes Lieb und Huld ſie traͤnckt:

Wie ſichs uͤber ſie ergeuſt /

Ihre Seel und Leib durchfleuſt;

Alsdenn wolt ich ihrer Pein Hieran pon ben.

Wenn ich dencke / mi ee gantz Voͤlliglich mit Gott vereint: Wie der theure Marter⸗Krantz Mehrals Sonn und Sternen ſcheint⸗ Wit jetzt ihrer Tugend Schein Perlen / Gold und Edelſtein / Weit weit vorzugehen ſey | Ä Werd'ich San e ee frey.

Wenn ich ferner ihr Gathöu /; Wie ſie mit den Seraphin

Ihres Schoͤpffers Lob erhoͤhn / Nu pfleg ins Gemuͤth zu ziehn; Denn vergeß ich dieſer Welt / Und werd ihnen zugeſellt / Stimm im Geiſt auch froͤlich ein Wenn ſie Heilg helle ſchreyn.

Rehm nechlt bien chm acht / iR Wie

Hertzens⸗Spiegel. 111

Wie ſo maͤnnlich ſie gekriegt /

Und durch ihres JEſu Macht

Allen Feinden obgeſiegt:

Alsdenn ſpringt vor groſſer Luſt 5 Seel und Geiſt in meiner Bruſt / er Und empfindt ſchon in der Zeit

Süffen Schmack der Ewigkeit.

39. | Ja ich waͤhle ſtatt der Raſt rs Hier mit Chriſto Pein und Sampff3 Weiß auch / daß / weil ich die Laſt a Dieſes Coͤrpers und den Dampff N Des ſo ſchnoͤden Lebens zieh / = Mer nichts bleibt als Streit und Muͤh. Aber in des Heylands Krafft Ruͤſt ich mich zur Ritterſchafft.

40. Seel / um Gottlbedenck es doch / Daß die Truͤbſal dieſer Zeit / Waͤr es gleich das ſtrengſte Joch / Hoͤchſt unwüͤrdig jener Freud / Die ohn Ende waͤhren ſoll Ey ſo werde Hoffnungs voll; Weil doch was man hier betraurt / Nur ein kurtzes Stuͤndlein daurt.

41. Und geſetzt gleich / geh es ein / Daß hier deine rauhe Noth Tauſend⸗jaͤhrig ſolte ſeyn. Glei⸗

112 Helleleuchtender

Gleichen ſich denn nicht bey BOtt Tauſend Jahr nur einem Tag / Den man geſtern nennen mag;

Und als einer kurtzen Nacht / ae Die mit Wachen AIR vollbracht?

Bleib du nur auff Ne Huth /

Ob es donnert kracht und blitzt

Ob der Feind gleich wird vermuth

Und die ſchnellen Pfeile ſpitzt:

Auch offt durch Verzweifflungs⸗ Gift Deine ſchwache Hoffnung trifft / Bete / ſchweig und laß dich Gott / Sey zumseben oder Bi

Glaube feſt ‚fein eier Rath

Hat gemeſſen und verſehn /

Was dich ſchon betroffen hat

Und noch kuͤnfftig ſoll geſchehn: Ja noch minder oder mehr

Iſt es / das dich je verſehr /

Als nur / was dir / ſeinem Kind /

Er fur wohl und a e

Gibt GOtt auff die ſchnͤden Haar / Die ein Dunſt hervor gebracht / Und 8 e Spatzen⸗Schaar In der Lufft / genaue Acht? So daß nichts davon zur Erd Ohne

Sergens: Spiegel. rz

Ohne feinen Willen kehrt / Und er ſolte deiner Pein Nicht genauer indenck ſeyn?

40. Das iſt keine Moͤglichkeit / Obs gleich Fleiſch und Blut beſagt / Als wann Gott in Angſt und Leid Nichts nach deinem Seufftzen fragt! Ja er forſcht und weiß vorher / Was dich aͤngſtet vor Beſchwer. Wird auch / doch zu ſeiner Zeit / Kroͤnen die 1 EHE

1 4

Diß und mehrers nimm in acht Seel / und denck an dieſe Kron / Die dein JEſus dir gemacht / Als zum ſichern Gnaden⸗Lohn Dein in Noth geleiſter Treu / Daß ſie ewig dich erfreu Hier zum Vorſchmack in der Zeit / Und dort in Vollkommenheit.

47. p Was vor Klarheit / was vor Fried / Was vor Luſt wird dir entſtehn? Wann von feiner Lieb entgluͤht Du ihm wirſt entgegen gehn / In dem hellbeglaͤntzten Kleid Goͤttlicher Gerechtigkeit: Wenn mit * zu empfahn

114 Helleleuchtender Er ſich ſelbſt wird zu birmalp.

48. Schwing dich demnach in die Hoͤh / Du mein hochgekraͤnckter Sinn; Wirff der Sorgen ſchweres Weh Freudig deinem IJEſu hin: ö Ob ſich Satan / Fleiſch und Welt / Und dein Hertz dir feindlich ſtellt / Hagelt / donnert / bricht und ſtuͤrmt / Er laͤſt dich nicht unbeſchirmt.

49. Fleucht er dir? ſo lauff ihm nach / Aechtze / lechtze / ſeufftz und ſchrey / Ruff ihn mit gekraͤncktem Ach / Komm ihm durch den Glauben bey; Wenn du ihn nun funden haſt / So vergiß der Erden⸗Laſt: Halt ihn mit Gebet und Flehn Beſſer / als vorhin geſchehn.

so. Nun / du Hertz⸗Ergrüͤnder / GOtt / Meines innern Menſchen Krafft Weiſt ja / daß mein Hertz in Noth Bloß an deinem Willen hafft / Dir ergeb' ichs als dein Hauß / Treibe meinen Willen drauß; Brenne / ritze / ſtich und hau / Biß ich dir durchaus vertrau. |

Hertzens⸗Spiegel. 115

XI. Betrachtung.

Vom hertzlichen Gebet. DAs Gebet iſt eine Auffweckung des Gemuͤths in Gott / und rei⸗ tzet den Menſchen zur Andacht / denn Gott iſt in allen Dingen weſentlich / und in Gott iſt kein Ding naͤhe oder feꝛn / eꝛ iſt allenthalben gegenwaͤ'tig / über oder auſſer Gott iſt nichts / und das nichts iſt in Gott / daß es ihm muß zu etwas werden / denn er iſt alles in allem. Und wird allezeit geborn im inneꝛſten G ꝛund deꝛSee⸗ len / denn die Seele iſt aus dem dem

Gottes / fein natuͤrlich Bild. In

dieſer Geburt geuſt ſich Gott in die Seel mit ſeinem Licht / das da iſt ſein ewiges allmaͤchtiges Wort. Das uͤberfleuſt die euſſerlichen Kraͤffte.

Jemehr der Menſch der Creatur le⸗ dig iſt; jemehr leuchtet Gottes Licht

in ihm. Und ſo der Menſch recht

beten wil / muß er ſich von ihm ſelber

abkehren / und von allen Creat uren / 20 J ij aus

116 Helleleuchtender

aus den niedrigſten Kraͤfften / uͤber alle Sinnen / in den Geiſt / ſo heiſt es im Geiſt und in der Warheit be⸗ ten. Und ſol der Menſch in allen ſei⸗ nen Worten nichts anders meinen oder begehren / als die Ehre Gottes und aller Menſchen Seligkeit. Wo⸗ rinn der Menſch ſiehet / das ſeiner Natur herbe und amallerbitterſten iſt / und worzu er am wenigſten ge⸗ neiget iſt / da ſol er das Gebet am er⸗ ſten anheben / denn in einem jeglichẽ Tode der Natur lebet GOtt. Wer Gott bittet / der ſcheidet eines vom andern / das Licht von der Finſter⸗ niß / und wer anklopffet / der verhar⸗ ret bey Gott / und erlanget die Kro⸗ ne der Gerechtigkeit. Das bitzige Gebet entſtehet aus der Angſt des Hertzens. Und aus dem Streit der Suͤnden / die de; Menſch gethan hat / und bekomt daraus den Willen / der Suͤnd und ſeinem Fleiſch und Blut feind zu werden / und williget in al⸗ ies Leiden und Pein nach Gottes Willen und Wohlgefallen ſich zu be⸗ ge⸗

Hertzens⸗Spiegel. 117

geben; alle Betraͤngniß / Verdruß und Wide: waͤꝛtig keit / Schmach und Schande mit Gedult zu tragen. Er opffert Gott auff kin Thun un Lafe ſen / innerlich und euſſerlich / nach Seel / Leib und Geiſt. Huͤtet ſich fuͤr allen Urſachen zu ſuͤndigen / und ſeufftzet / daß Gott ſeinen Willen al⸗ lein in ihm in Lieb und Leid voll⸗ bringen wolle.

Zeugniß der Heiligen Schrifft.

Palm 50/15. Ruffe mich an in de: Noth / ſo will ich dich erretten / ſo ſolt du mich prei⸗ ſen / aber zum Gottloſen ſpricht Gott / was verkündigeſt du meine Rechte / und nimmeſt meinen Bund in deinen Mund / ſo du doch Zucht haſſeſt / und wirffeſt mein Woꝛt hinter dich. Palm 130. Aus der Tieffe ruffe ich HeErꝛ / zu dir / HErꝛ höre meine Stimme / laß deine Ohren mercken auff die Stimme meines Flehens. Pſalm 8 r / 8. Da du mich in der Noth aurieffeſt / halff ich dir aus / und erhoͤrete dich. Tobias ward durchs Gebet vom Teuffel erloͤſet / deßgleichen ſind durchs Gebet errettet worden Abraham / Noa / Loth / Iſaac / Joſeph / Daniel / die dꝛey Maͤn⸗

J iij ner

118 Helleleuchtender

ner im Feuer⸗Ofen / der Schächer am Creutz / und ſonſt alle Heiligen. Chriſtus be⸗ tet ſelbſt in feiner hoͤchſten Noth. Matth. 26. Joh. 16/23. Warlich / ſo ihr den Vater et⸗ was bitten werdet in meinem Namen / ſo wird ers euch geben. Bittet / ſo werdet ihr

nehmen / daß eure Freude vollkommen ſey. Matt. 6. Wenn du beteſt / ſo ſolt du nicht ſeyn wie die Heuchler / die da gern ſtehen und beten in den Schulen und auff den Ecken / auff der Gaſſen / auff daß ſie von den Leuten eſehen werden. Warlich ich ſage euch / fie haben ihren Lohn ſchon dahin; wenn du be⸗ teſt / ſo gehe in dein Kaͤmmerlein / und ſchleuß die Thuͤr zu / und bete zu deinem Vater im Verborgenen / und dein Vater / der ins Verborgene ſiehet / wird dirs vergelten oͤf⸗ fentlich; und wenn ihr betet / ſolt ihr nicht viel plappern wie die Heyden / darum ſolt ihr euch ihnen nicht gleichen / euer Vater weiß / was ihr beduͤrffet / ehe denn ihr bittet / das rum ſolt ihr alſo beten: Vater unſer im Himmel ꝛc. Matth. 7 /. Bittet / ſo wird euch gegeben / ſuchet / ſo werdet ihr finden / klopffet an / ſo wird euch auffgethan / dann wer da bittet / der empfaͤhet / und wer da ſu⸗ chet / der findet / und wer da anklopffet / dem wird auffgethan. Gott iſt ein Geiſt / und die ihn anbeten / die muͤſſen ihn im m at?

Hertzens⸗Spiegel. 115 Warheit anbeten. Hingegen heiſts mit den Velt⸗Menſchen / wenn fie beten: Diß Volck ehret mich mit den Lippen / aber ihr Hertz iſt ferne von mir /

f Eſa. 29. v. 13. Die Angſt eꝛſt Luſt zum Betẽ büingt / Die Seuftzeꝛ aus dem Hertze dringt; Dann theilt Gott mit ſein Gnaden⸗

Licht / Welches durch Gu 1— Warheit

richt; Wo die Natur gar bitter ſicht / Dahin ohn Suͤnd dein Beten richt / Der Will durch Beten ſich ergibt; Daß er das Creutz 3 recht lebt.

Das Gebet aller Gebete / Geſangs⸗weiſe.

Wer unſer ins Himmels Thron / Mach durch dein n Geiſt / in deinem Sohn /

Uns alle deine Kindlein zart Verneut in dir nach deiner Art; Daß unſer Geiſt / Seel / Hertz und G muͤth Stets bleib an deiner Lieb und Sur. J iv 2. Ge⸗

120 Helleleuchtender

N 2. Geheiligt werd der Name dein / Mach uns dir heilig / fromm und rein / Dein Gottheit ſich in uns beweiß / Durch Glaub und Lieb / zu deinem Preiß / An ꝛeund und Feind durch Wolthat wehrt / Wie uns dein Sohn hat ſelbſt gelehrt.

8 Dein Reich in unſre Seelen kumm / Was wider dich / bleib ewig ſtumm / Gebeut in deiner Warheit Krafft / Und ruͤſt uns zu der Ritterſchafft; Treib oleiſch / Vernunfft aus deinem Reich⸗ Mach uns deinen Geboten gleich.

4. | Dein Will geſcheh im Erden⸗Grund / We in dem Himmel / alle Stund: Gib daß wir ſtehen Willen⸗loß

In deinem Wort / der Selbheit bloß. Nimm weg was boͤß / das gute gib / Veſchleuß uns all in deiner Lied.

5. |

Gib uns heut unſer täglich Brod / | Dein Wort und icht / der Souͤnden⸗Tod⸗ Spe ß Leib und Seele kraͤfftiglich / In deinem Dienſt eintraͤchtiglich / Daß wir geſtaͤrcket alſo ſort / Stets ringen nach der Lebens Pfort.

6. Ver⸗

Hertzens⸗Spiegel. 121

6. Vergib uns HErꝛ all unſer Schuld / Wie wir vergeben mit Gedult Auch unſers Naͤchſten Fehl und Suͤnd⸗ Mit Liebs⸗Begierde uns entzünd / Die alles leider hofft und traͤgt / Und Seegen nur im Hertzen hegt.

7.

Leit uns auch in Verſuchung nicht /

Die dein Reich in uns daͤmpfft und bricht; Die uns ſetzt in der Suͤnden Sieb.

O treuer Vater nicht zugib /

Daß uns des Satans Liſt und Tuͤck / Auff unſerm Weg das Ziel verruͤck.

8. Von allem Boͤſen uns erloͤß / Der Suͤnden Luft uns gar entbloͤß: Nimm weg Ehrſucht / Geitz / falſchen Muth / Haß / Luͤgen / Neid / unrechtes Gut. Mach uns zu deinem Dienſt bereit / In Heilig⸗ und Gerechtigkeit.

9. Amen / Amen / es gſcheh alſo! Du wirſt uns alle machen froh / Die wir warhofftig und im Geiſt Hier bitten; denn was du verheiſt / Wird uns unfehlbar gantz und gar. Amer / das iſt und bleibet wahr. x v XII. Be⸗

122 Helleleuchtender XII.

Betrachtung. Von des Hertzens Gelaſ⸗ ſenheit. Mann das Hertz ſich von allen Creatuͤrliche Dingen abkebrt / undentlediget / ſo kommt Gott in ei⸗ ne ſolche demuͤthige Seel; aber es geſchicht durch mancherley Anſech⸗ tung und Bedꝛaͤngniß des Hertzens / bey einem Menſchen allwege an⸗ ders / als bey dem andern. Wann ſich der Menſch Gott gantz ergiebet / und in ſich wuͤrcken laͤſt / ſo iſt er Gott gelaſſen / und der Teuffel / die Welt / Fleiſch und Blut / und der Tod koͤn⸗ nen ihm weiter nicht ſchaden / weder durch ſuͤß / noch durch ſauer. Denn fo viel der Menſch durch den Getrieb des Geiſtes Gottes in ihm die Fin⸗ ſterniß daͤmpfet / ſo viel wird er vom Worte Gottes / das Fleiſch worden / nemlich durch Chriſtum in ihme / oder innerlich erleuchtet / und leben⸗ dig gemacht; denn ahnt Due 7

II Q

Herkens-Gpirgel. 123

Gelaſſenheit iſt keine Erleuchtung. IJaulerus meldet 24. Stuck / fo die Goͤttliche Beſchaulichkeit in ſich habe. Alſo war auch Chriſtus gelaſſen am Oelberge / da er in ſeiner hochſten Angſt und blutigen Schweiß ſpꝛach:

doch Vater nicht wie ich wil / ſondern

wie du wilt. Und im Vater unſer: Dein Will geſchehe auff Erden / wie | im Himmel; In der Gelaſſenheit

ſtirbet ihm der Menſch ſelber / und eꝛ⸗ ſincket in den Willen GOttes / ohn all ſein Wiſſen. Er duldet alles Ley⸗ den / und begehret deſſelben nicht le⸗ dig zu ſeyn / biß ihn Gott ſelber ledig machet. Er ſuchet allein die Ehre Gottes in Liebe und in Leide / und in dieſem Wege ſcheidet ſich der wahre Grund von dem falſchen Gꝛund. Al⸗ hier hoͤret auff alles euſſerliche Zan⸗ cken / Diſputiren / veꝛnuͤnftige Klug⸗ heit in Religions Sachen; denn die

Seele wendet ſich von ſolchen Din⸗ gen ab / und kehret ſich in Gott / da findet ſie die lebendigmachende Spei⸗ ſe Goͤttliches Worts in ihr m.

| 0

124 Helleleuhtender

So offt ſich der Menſch wendet von allen Creaturen / und ſich zu GOtt bekehret / in demſelben Augenblick wircket der Heil. Geiſt / und erfuͤllet die Begierde im Menſchen / und ſo offt ſich der Menſch wieder zur Crea⸗ tur kehret / ſo offt weichet der Heil. Geiſtz der aber Gott feſte vertrauet / der huͤtet ſich fir Suͤnden. Was

der Menſch von Gott empfaͤhet / deß ſoll er ſich nicht uͤberheben / auch ſich deſſelben nicht annehmen / ſondern Gottlaſſen / dem es iſt / und ſoll ſich wiederkehren zu ſeinem Urſprung / gleichwie Chriſtus ſich der Wercke /

ſo ſein Himmliſcher Vater in ihm wirckete / nicht annahm / er ſagte: die Wercke / die ich thue / ſind nicht mein / ſondern meines Himmliſchen Vaters zund kehrete ſich allwege zu ſeinem Himmliſchen Vater / als in ſeinen Urſprung / der ſolches thut. Das iſt ein gelaſſener Menſch / wel⸗ chen die Welt nicht kennet / er iſt aber von GOTT erkant. Ein ſolcher Menſch ſtirbet / dem er ſterben ſoll und

Hertzens⸗ Spiegel. 123

und lebet / dem er leben ſoll / und dul⸗ tet alle Dinge / ſuͤß und ſauer / im nede / gegen jedeꝛman / denn eꝛ lebet ott. Der Wille des Menſchen iſt der Stul Gottes / ſo fern er gut iſt / ob aber dem Menſchen wider feinen Willen boͤſe Sedanden einfallen / ſſe ſeyen gleich ſo boͤſe als ſie wollen / moͤ⸗ gen ſie ihn doch nicht veꝛunreinigen / denn es ſind feurige Pfeile des boͤſen 1 welche jetzt nicht antreffen / ondern machen den Menſchen noch wol reiner und lauterer / dann er laͤſt ſie wieder ausfahren / und kehret ſich deſto mehr und bruͤnſtiger zu Gott. O Menſch / leide dich froͤlich um Gottes willen / er dulte alle Anfech⸗ tung / ſo wird dich Gott zu ſeiner Zeit erloͤſen / und dich alles Leides mit un⸗ uͤberſchwenglichem Troſt ergetzen / und mit vollkommenen Freuden reichlich erfuͤllen. | Der Menſch ſoll keines zeitlichen Leidens zu entfliehen begehen / denn ſo er will eines meiden / ſo muß er da⸗ gegen derſelben wohl drey oder me m

125 Helleleuchtender

mal mehr leiden. Denn er muß ge⸗ dultig leiden / wie auch Chriſtus ge⸗ litten / und dadurch zu ſeiner Herz lichkeit eingegangen iſt. Das Creutz iſt de-Außerwehlten Tugend⸗Schu⸗ le: Je bitterer das Leiden und Ster⸗ ben / je herꝛlicheꝛ iſt die Aufferſtehung in Gott zu leben. Wer gelaſſen iſt / begehret keines Dinges Erloͤſung / biß ihn Gott erloͤſet: Er iſt Gott und ſeiner Obrigkeit gehorſam / wieder⸗ ſtehet der Suͤnde / dancket Gott fuͤr ſeine Guͤte / klaget niemanden ſeine Noth / als Gott ſelber / hat keinen Gefallen an ſich ſelbſt / noch an den Creaturen / ſondern feine Luſt / Liebe und Freude iſt allein in Gott / und tꝛaͤget das Leiden unſeꝛs HEr en J E⸗ ſu CHriſti ſtets in feinem Hertzen. Jetzt verkaufft er alles / und gibts fuͤr dieedle Perle / die iſt ſein hoͤchſter Schatz / und ein offenes Thor in das himmliſche Jeruſalem.

Wer abeꝛ das heilſame Creutz / die Verachtung / Schmach / Pein und mancherley Anfechtung nicht wil | mit

Hertzens⸗Spiegel. 127

mit Gedult außſtehen / ſich dafuͤr fuͤrchtet / ihn das Leiden zu lang duͤn⸗ cket / oder ſich in weltliche Haͤndel einmiſcht / Eigenthum ſuchet / in Sorge der Nahrung ſich vertieſſt / rechtet / krieget verleumdet / Gott laͤſtert; der iſt noch nicht gelaſſen / die Ungedult verlaͤngeꝛt ihm fein Leiden / beraubet ihn der Gottes⸗ furcht / und der Frucht / die aus dem Creutzin kurtzer Zeit erwachſen ſol⸗ te. Denn der Menſch kommt nicht eher zur reinen wahren Liebe Got⸗ tes / biß daß er ſich ſelber verlaͤſt / und verleugnet um Gottes willen / und wird ein Geiſt mit Gott / alſo daß er in Gott / und Gott in ihm ruhet / und da iſt Wille um Wille verloh⸗ ren / aber in Gott reichlich gefun⸗ den / denn Gott iſt ihme nun alles in allem worden.

Zeugucß der Heiligen

kifft.

1. Cor. 4/7. Was haft du / das du nicht empfangen haſt? So dues aber empfangen / was ruͤhmeſt du dich? Eph. 6/16. Ergreife

en

128 Helleleuchtender

den Schild des Glaubens / mit welchem ihr koͤnnet außleſchen alle feurige Pfeile des Boͤſewichts. Matth. 16/24. Will mir je⸗ mand nachfolgen / der verleugne ſich ſelber / und nehme ſein Creutz auff ſich / und folge mie nach / dean wer fein Leben erhalten will / der wirds verlieren; wer aber ſein Leben verleu⸗ ret um meinet willen / der wirds finden. Was hilfts den Menſchen / wenn er die gan⸗ tze Welt gewoͤnne / und naͤhme doch Scha⸗ den an ſeiner Seelen? Matth. 19/29. Wer verlaͤſt Haͤuſer oder Brüder oder Schwe⸗ ſter / oder Weib oder Kinder / oder Aecker um meines Namens willen / der wirds hundert⸗ faͤltig nehmen und das ewige Leben ererben. Luc. 14/26. So jemand zu mir kommt / und haſſet nicht ſeinen Vater / Mutter / Weib / Kind / Bruder / Schweſter / auch darzu ſein eigen deben / der kan nicht mein Jünger ſeyn; und wer nicht ſein Creutz traͤget / und mir nachfolget / der kan nicht mein Juͤnger ſeyn. Matth. 5/3. (1.) Selig ſiad die geiſtlich arm ſeyn / denn das Himmelreich iſt ihr. (2. ) Selig ſind / die da Leide tragen / denn fie ſollen getroͤſtet werden. (3.) Selig ſind die Sanfftmuͤthigen / denn fie werden das Erdreich beſitzen. (4.) Selig ſind / die da 8 düͤrſtet nach Gerechtigkeit / deñ fie ſollen ſatt werden. (5.) Selig find die

Darm

|

ſo dulden wirs / 2 ſtets als ein Fluch 3 .

Hertzens⸗Spiegel. 129

Barmhertzigen / denn ſie ſollen Barmher⸗ tzigkeit erlangen. (6.) Selig ſind / die rei⸗ nes Hertzens ſind / denn fie werden GOtt Schauen. (7.) Selig find die Friedfertigen / denn ſie ſollen GOttes Kinder heiſſen. (8.) Selig ſind / die um Gerechtigkeit willen ver⸗ folget werden / denn das Himmelreich iſt ihr. 9.) Selig ſeyd ihr / wenn euch die Menſchen um meinet willen ſchmaͤhen und verfolgen / und reden allerley Ubels wider euch / fo fie daran luͤgen / ſeyd frölich und getroſtyes wird zuh im Himmel wohl belohnet werden. Joh. 15/18. So euch die Welt haſſet / ſo wiſſet / daß ſie mich vor euch gehaſſet hat /

waͤret ihr von der Welt / ſo haͤtte die Welt

das ihre lieb / dieweil ihr aber nicht von der

Welt ſeyd / ſondern ich habe euch von der

Welt erwehlet / darum haſſet euch die Welt / gedencket an mein Wort / bñas ich euch geſa⸗ get hade. Joh. 16 / 2. Es kommet aber die

Zeit / daß wer euch toͤdtet / wird meinen / er

thue Gott einen Dienſt daran / und ſolches werden fie euch thun / weil ſie weder meinen Vater noch mich erkennen. 1. Cor. 4/9. Wir ſind ein Schau⸗ſpiel wordẽ der Welt / und den Engeln und den Menſchen / wir ſind Narren um Chriſtus willen. v. 12. Man ſchilt uns / ſo ſegnen wir / man verfolget uns /

der

130 Helleleuchtender

der Welt / und ein Feg⸗Opffer aller Leute. 1. Petr. 4 / 2. Denn wer am Fleisch leidet / der hoͤret auff von Suͤnde / daß hinfort / was noch hinterſtelliger Zeit im Fleiſche iſt / nicht der Menſchen Luͤſte / ſondern dem Wil⸗ len Gottes lebe. v. 12. Ihr lieben / laſt euch die Hitze / ſo euch begegnet nicht befremden / die euch wiederfaͤhret / daß ihr verſucht wer⸗ det / als wieder führe euch was ſeltzams / ſon⸗ dern freuet euch / daß ihr mit Chriſto leidet. v. 19. Darum welche da leiden nach Gottes Willen / die ſollen ihm ihre Seele befehlen / als dem getreuen Schoͤpffer in guten Wer⸗ cken. 2. Petr. 1/3. Nachdem allerley ſei⸗ ner Goͤttlichen Krafft uns geſchencket iſt / durch die Erkaͤntniß deß / der uns beruffen hat / durch feine Herelichkeit und Tugend / durch welche uns die theure und aller groͤſſeſte Verheiſſungen geſchencket ſind / nemlich daß ihr durch daſſelbe theilhafftig werdet Goͤttlicher Natur / ee.

1. Cor. 18/13: Aber G Ott iſt getreu / der euch nicht laͤſt verſuchen uͤber euer Vermoͤ⸗ gen / ſondern machet / daß die Verſuchung fo ein Ende gewinne / daß ihrs koͤnnet ertra⸗ gen. 2. Cor. ee Denn die Goͤttliche Tꝛauꝛigkeit wuͤrcket zuꝛ Seligkeit eine Reue / die niemanden gereuet / die Traurigkeit aber der Welt wuͤrcket den Tod. Hab. 2/3. >

übe

Hertzens⸗Spiegel. 131 aber die Weiſſagung verzeucht / ſo harre ihr / ſie wird gewißlich kommen / und nicht verzie⸗ hen. 2. Petr. 2/9. Der Herz weiß die Gottſeligen aus der Verſuchung zu erloͤſen / die Ungerechten aber zu behalten zum Tage des Gerichts fie zu peinigen. Jac. 1/12. Se⸗ lig iſt der Mann / der die Anfechtung erdulz tet / denn nachdem er bewaͤhret iſt / wird er die Cron des Lebens empfahen. 2. Tim. 2/. So jemand kaͤmpffet / fo wird er nicht gefrös net / er kaͤmpffe dann recht. Jacob. 5/6 Ihr habt verurtheilet den Gerechten / und er hat euch nicht wiederſtanden. v. 10. Sie⸗ he wir preiſen die ſelig / die erdultet haben. Rom. J /3. Wir wiſſen / daß unſere Trübs ſal Gedult bringet / Gedult aber bringet Erfahrung Erfahrung bringet Hoffnung / Hoffnung laͤſt nicht zu Schanden werden; denn die Liebe Gottes iſt außgegoſſen in un⸗ ſer Hertz durch den Heil. Geiſt / welcher uns gegeben iſt. 2. Cor. 12/5. Laß dir an mei⸗ ner Gnade gnuͤgen / denn meine Krafft iſt inden Schwachen mächtig. Apoc. 2/10. Fuͤrchte dich für der keinem / das du leiden wirſt / ſiehe der Teuffel wird von euch etli⸗ che ins Gefangniß werffen / daß ihr verſuchet werdet. Pſalm 40 / 13. Mein Hertz hat mich verlaſſen. Pſalm 42 / J. Ich ſchuͤtte mein Hertz herauß bey mir felber. Cant. 49.

| K ij Du

132 Helleleuchtender

Du haft mir mein Hertz genommen. Jer. 30 / 10. Ich bin bey dir / ſpricht der HEre / daß ich dir helffe. Eſai. 54/4. Fuͤrchte dich nicht / du ſolt nicht zu Schanden werden. v. Ich hab dich einen kleinen Augenblick verlaſſen / aber mit groſſer Barmhertzigkeit will ich dich ſaͤmlen / ich habe mein Angeſicht im Aus genblick des Zorns ein wenig fuͤr dir ver⸗ borgen / aber mit ewiger Gnad wil ich mieh dein erbarmen / ſpricht der HErꝛ dein Er⸗ loͤſer. Eſa. 62 / 4. Man ſol dich nicht mehr die Verlaſſene / noch dein Land eine Verwuͤ⸗ ſtung heiſſen / ſondern du ſolt mein Luſt an ihr / und dein Land lieber Buhle heiſſen: dann der HEre hat Luſt zu dir / dann wie ein lieber Buhl einen lieben Buhlen lieb hat / fo wer dẽ mich deine Kinder lieb haben / und wie ſich ein Braͤutigam freuet uͤberſder Braut / fo wird ſich dein G Ott über dir erfreuen. Matth. 23/45. Das Himmelreich iſt gleich einem Kauffmann / der gute Perlen ſuchte / und da er eine koͤſtliche Perle fand / gieng er hin und verkauffte alles / was er hatte / und kauffte dieſelbige. Apoc. 21/21. Ein jedes Thor iſt von einer Perſon. Taule⸗ rus. Vier und zwantzig Stück muß der Menſch haben / wann er will zur Goͤttlichen Beſchaulichkeit kommen. Als 1. Liebe. 2. Senn ſelbſt ledig ſeyn. 3. Gelaſſenheit. 4. 1 | allen

Hertzens⸗Spiegel. 133

allen Dingen ausgehen. 5. Nichts ſuchen. 6. Auff Gott warten. 7. Sich Gottes Willen ergeben. 8. Staͤtig fich in Gott üben. 9. Auff Gottes Gegenwart ſehen. 10. Alles von Gott / nichts von der Creatur empfange. 11. Sich keine Luſt zur Ereatur fangẽ laſſen. 12. Nichts ſich von der Warheit ſcheiden laſſen. 13. Sich kein falſch Licht betruͤgen laſſen. 4. Wider die Untugend ſtreiten. 15. Die War⸗ heit bekennen. 16. Wenig euſſerliche Worte und viel innerlich ebẽ führe 17. Vollkom̃ene Gerechtigkeit haben. 18. Durch das Leben mehr / dann die Wort lehren. 19. Fuͤr allem Gottes Ehre ſuchen. 20. Mit niemand krie⸗ gen. 21. Sich aller Dinge unwuͤrdig halten. 22. Wenig Witz und groſſen Glaubẽ halten. 23. Chriſt Lehr und Leben folgen. 24. Sich geringe halten und allezeit Gutes üben. | Vann ſich die Seel ergiebet Gott Und leiden will all Angſt und Noth / Des ggleiſches Luſt auch zaͤhmẽ thut / So haͤlt ſie Gott in ſeiner Hut: Das ihr all Ding zu gut gedeyn / Niemand mag ihꝛ zu Schaden ſeyn / Der ſchmale Steg durchs Creutz er⸗

ant, Fuͤhrt ſte zu Gott ins Vaterland. K li 8

Od:

134 Helleleuchtender Lob = Lied von dem Nichts / wor innen der Gottgelaſſene alles in allen gefunden.

In der bekanten Melodey / | Was mein Gott will das gicheh allzeit.

! I q ir ich das Nichts nahm wol in Acht / Und mich darein ergeben; Ward ich zum rechten Ziel gebracht / Wornach ein Chriſt muß ſtr eben: Und wurde lebend in dem Tod / O Wunder uber die Maffen! Ich kriegt das hoͤchſte Gut in GOtt / So bald ich mich gelaſſen. 2

So bald der Creaturen Dunſt Ich floh und gantz ließ fahren; |

Da wuſt mein Geiſt voll Liebes „Brunſt Sich mit dem Eins zu paaren.

Ich hab erlangt nach langem Streit / Den meine Seel begehret;

Und leb in Nichts als lauter Freud / Weil ich ſo hoch gewaͤhret.

3. Auch weil ich bloͤd und alber bin / Und alles laſſe ſincken / So find ich GOtt in meinem Sinn / Der mii ſein Licht laſt blincken: Stlbſt

Hertzens⸗Spiegel. 135

Selbſt Finſterniß iſt jetzt mein Licht / Weiſ ich im Nichts mich uͤbe;

Denn Nichts eroͤffnet mein Geſicht / Nichts fuͤhrt ins Land der Liebe.

4. | Nichts quaͤlt / und wär es noch ſo ſcharff / Den / der im Nichts ſtets wohnet; Weil nichts iſt / das ein Menſch bedarff / Dem G Ott mit ſich ſelbſt lohnet. Laß / G Ott zu ſchaun mit reiner Bruſt / Die Welt nichts in dir werden; Es leſcht ſonſt nichts der Seelen⸗Luſt / Als bloß das Nichts auff Erden.

$: Es ſucht das Nichts / in dieſer Welt / Was etwas / nicht zu ſchauen; Nichts hat ſich gantz in G Ott geſtellt / Und will ſonſt guff nichts bauen; Wol mir! daß ich in dieſer Zunfft Werd glaubig ſtehend funden / Weil ich die blinde Unvernunfft Hierdurch hab bbertwunden.

Es kan die Lieb mit ihrem Gut / Das Gott iſt / alſo handeln / Daß Nichts / durch ihre Feuer⸗Glut / Sich muß in all's verwandeln: Nichts iſt ſo arm / bloß /g ring und klein / Kan ſich mit nichts verbinden; | K io Drum

436 Helleleuchtender

Dr rum ſuchts ſein Reichtum bloß allein Im lautern ak! zu finden. A

Als ich diß dunckle Nichts trweht / 5 Zu gehn auff ſeinen Wegen /

Ward ich von dem nicht mehr gequaͤtt Das mir z vor ſtund entgegen / 15

Ich kunt in dieſem reichen Nicht 5 Nichts Crealuͤrlichs lieben / 113

Weil ich in Gottes Glantz und Acht All meine Beitoertrieben e

Gelehrte / kommt zum Nichts herum / Sonſt iſt eur Thun Gewirre; Wer ſieh nicht findt auff dieſe Bahn 140 Bleibt ewig in der Irre. Ohn Nichts iſt nichts was jegeſchicht⸗ Im Nichts muß Ichts Ara Im Nichts auch wennichs recht bericht / Iſt Ichts allein u finden. 5 |

Der enge ſchmale Lebens Pfad N Von Chriſto hoch geprieſen/ Vom Etwas mich gefuͤhret hat / Und bloß zum Nichts gewieſen; Denn wer ſein Seel einmal verliehrt / Im Grund des Nichts verdrungen / Der wird zur Allheit eingefuͤhrt Und davon gantz ver ſchlungen. 1 10. Ute 1

Hertzens⸗ Spiegel. 137

10. | Fuͤrwar aus Nichts kommt alles her / Was jemahls war verborgen / Nichts macht das Leben ohn Beſchwer / Nichts hat fuͤr Nichts zu ſorgen / Es iſt der Reichſt auff dieſer Welt Der ärmfte an Begehren; Dann was er mehr als Nichts behaͤlt / Kan ihn vom All abkehren. DER

} 11. Das Nichts iſt arm / das Nichts iſt reich / Vor allen andern Dingen; 3 Es acht als Unflat alles gleich / a Das Nichts kan nichts bezwingen: Das Nichts das redt / das Nichts iſt ſtum̃ Sein Ruffen iſt ein Schweigen / Sein gantzes Leben um und um Iſt / ſich in Gott zu neigen.

12.

Nichts ruhet ſtets / Nichts laufft und huͤpfft / Sein Lauff iſt ſtilles Bleiben /

Das Nichts iſt gantz mit nichts verknuͤpft / Nichts kan ſein Ruh vertreiben /

Das Nichts iſts ſchwerſte von Gewicht Und iſt doch leicht zu tragen.

Das blinde Nichts hats ſchaͤrffſte Gicht Nichts weiß von nichts zu klagen.

e 1

3. Nichts iſt gantzloß und hoͤchſt befreyt / | K v Iſt

138 Helleleuchtender

Iſt HErꝛ / und wirds wohl bleiben: Sein Herꝛſchafft ſtreckt ſich weit und breit / Kanalle, Feind vertreiben. Das Nichts iſt von ſo edler Art / Es kans kein Mund ausſprechen; Wer ſich mit Nichts nur einmal paart / Dem kan nichts mehr gebrechen.

14. 8 Dann Nichts macht ihn durchaus ver⸗ Wer hat diß je vernommen? (gnuͤgt / Ein Sturm / wann er das Nichts bekriegt / Muß bald zur Ruhe kommen: 5 Das Nichts allein triffts rechte Ziel / Wann etwas nichts kan richten Nichts mit dem reichſten All / im S piel / Kan alle Zwietracht ſchlichten.

; 1 $: - j Wie wenig ſind / den n Nichts beliebt? Weil man ſo viel muß laſſen: Denn wer dem Nichts nur etwas gibt / Der muß ſich ſelber haſſen. Es findt ſich nichts / das Nichts wil ſeyn / Das nichts heiſt Ichts auff Erden; Es iſt dem Ichts die ſchwerſte Pein / Wann es zu nichts el werden. 10.

Allein das Nichts / wie g ring es iſt / Kan Spreu vom Weitzen ſcheiden; Der Boͤſe kan zu keiner Friſt N. iR Solchs

Hertzens⸗Spiegel. 139

Solchs in dem Hertzen leiden:

Dem Ichts iſt bey dem Nichts nicht wohl / Weil ſolchs ihm gantz entgegen /

Daß man an Ichts nicht kleben fol / Lernt man auff deſſen Wegen.

17. Nichts fuͤhrt dahin / da der Verſta nd Sich ſelber muß entwehnen / Dafern er ſucht das reiche Pfand / Sich nach dem Nichts zu ſehnen. Nichts kennen macht das All be kant / Nichts ſehn iſt klaͤrlich ſchauen / Nichts fuͤhrt uns aus dem Erden⸗ Band In Gott mit Srund vertrauen. 1

Vertrauen / wo kein G wißheit iſt / Streit't gegen unſre Sinnen; Natur / Vernunfft und kluge Lift Hält diß für narr ' ſch Beginnen; Nichts ab 'r gebiehret Sicherheit / Da iſt kein Wahl zu ſpuͤhren; Leid iſt ihm Freud / und Freud wie Leid / Dann Nichts kan nichts verlieren.

19, O ſelges Nicht hoͤchſt Lobens werth / Du Felß / drauff All's gegruͤndet! Der ſteigt gen Himmel von der Erd / Wer dich warhafftig findet. 8 Nun komm ich auch mit Nichts zum

140 Helleleuchtender

Drauß jeder leicht kan ziehen Daß / der GOtt ſelber ſchmecken will

Sich Nichts zu ſeyn muß mühen.

a * Betrachtung. Vom guten Willen

En guten Willen hat niemand

von Natur / Er wird aus lau⸗ ter Gnad und Liebe GOttes in den Menſchen / welcher ihm nicht wie⸗ derſtrebet / von Gott durch den H. Geiſt gewuͤrcket. Denn der Wille iſt das edelſte Theil in der Seelen / und gleichet ſich einer Mutter / darinn die Goͤttliche Gegenwart empfangen und geboren wird / in welchem Gott alles wuͤrcket / darinnen Er auch als in feinem eigenen Tempel wohnet; Er iſt ein Hauß des Heil. Geiſtes; Er iſt ein Paradiß und Luſt⸗Garten der Freuden GOttes: Die Hochzeit⸗ Kammer und das Ehe⸗Bette des Braͤutigams Chriſti. Darinn iſt die erſte Bewegung / und hoͤchſte Krafft /

% FO ere Pan: Nn

NR

Herkend: Spiegel. 141 Krafft / denn Gott iſt ſelber darinn in ſeiner Freyheit / ſo nun der Wille Gott gelaſſen iſt / ſo wird darinn der Glaub geborc / welcher iſt die wuͤrck⸗ liche Krafft Gottes / die Weſenheit des Worts Gottes; das Himmel⸗ Brod und Speiſe des Lebens / deme alle Dinge! was er nur wil) zuthun moͤglich / denn er ſtehet in der Frey⸗ heit Gottes / im Heil. Geiſt / der die Goͤttliche Lieb und Suͤſſigkeit wir cket / welche Liebe iſt das Waſſer und der Tranck des ewigen Lebens / in ſolcher Liebe ſtehet die Seele gantz vollkommen / mit allen Goͤttlichen Tugenden / welche entſtehen aus der Wiedergeburt / da GOtt ſelbſt die Seele mit ſeinem Licht wiederer⸗ leuchtet / und wiedergebieret im Worte der Warheit; der ſie durch Creutz und Leiden taͤglich uͤbet / auff manchfaltige Weg / u allwege bey einem Men ſchen andeꝛſt als beydem andern / doch durch einen Geiſt. Wenn ſich der Wille ergiebet dem Willen Gottes / ſo wird 2 0

DIT?

142 Helleleuchtender

Hoffnung darinn geboren im Glau⸗ ben / als welcher das Weſen deſſen

das man hoffet ſelbſt iſt / u. ein gewiſſe Zuverſicht auff Gott / daß ihn nichts ſcheiden moͤge von der Liebe Gottes / die da iſt in CHriſto JEſu unſerm

HeErin. Aber diß alles geſchiehet

bey einem Menſchen eher / als bey

dem andern / bey etlichen in der Ju⸗

gend / bey etlichen im Mittel⸗Alter / bey etlichen in der Stunde ihres Ab⸗

ſchiedes aus dieſer Welt. Und ſo die

Seel die Gegenwaͤrtigkeit G Ottes / und die Suͤſſigkeit ſeiner Lieb em⸗ pfindet / ſo bleibet ſie nicht mehꝛ in der Knechtſchafft nach dem euſſerlichen Buchſtaben / noch an falſcher Auß⸗ legung der Schriſſt / noch am Anſe⸗ hen der Menſchen / ſie ſeyen gleich wer ſie wollen / noch an Pein / Schmach /

Marter oder Tod / oder an guter Be⸗ redung anderer Leute / ſondern keh⸗

ret ſich von der Creatur zu Gott / in

dem kindlichen Willen / mit unauß⸗ ſprechlichem innerlichem bertzlichem

Seufftzen / welches der Geiſt 2 5

Hergens-Spiegel. 143

wuͤrcket / und damit die Seele uͤber ſich fuͤhret / biß ihr Gott die Thuͤr ſei⸗ ner Barmhertzigkeit auffthue / daß ſie durch CHriſtum eingehet in die Ruhe / welche iſt ohne Ort und ohne Zeit / und unempfindlich einiges Schmertzens / aber wol empfindlich Goͤttlicher Gnade / Liebe / Troſtes und Barmhertzigkeit. Dieſe Ruhe haben alle ſelige vom Leib abgeſchie⸗ dene Seelen biß zur Aufferſtehung / daß fie mit dem claͤrificirten Leibe wieder vereiniget werden. Alſo iſt der Will im Hertzen eine Mutter / darinn die Neugeburt ent⸗ ſtehet; Ein Acker / darinn der Sa⸗ men Goͤttliches Woꝛts Frucht brin⸗ get: Ein Brunnen / darinn die Goͤtt⸗ liche Liebe quillet: Ein Boden und Grund / daraus der Glaub und Baum des Lebens waͤchſt / der an Waſſerbaͤchen gepflantzet iſt; Aber der Wille von Adam ererbet / in der alten Creatur / iſt eine Mutter deß Ubels / ein Hauß des Todes / ein Acker des boͤſen Samens u. Schlan⸗ gen

144 Helleleuchtender

gen Baumes / daraus der Unglaub und ewige Verdammß entſtehet. Solches veꝛſtehet die euſſerliche Ver⸗ nunfft nicht / denn GOtt lehret ſol⸗ ches nur den inwendigen Menſchen / der aus Waſſer und Geiſt wiederge⸗ boren iſt / und zum Himmliſchen Le⸗ ben geſchaffen. Der alte Menſch iſt aus der ratur und des Todes. Aber der neue Menſch lebet Gott / und de⸗

me ſind ſolche Geheimniß durch

den Geiſt GOttes of⸗ fenbahret.

Zeugniß der Heiligen Schrifft. 117 Eſ. 66/7. Sie gebieret / ehe ihr wehe wird / ſie iſt geneſen eines Knabens / ehe dann ihr Kindes⸗Noth kommt / wer hat ſolches je gehoͤret? Wer hat ſolches je geſehen? Kan auch / ehe dann ein Land die Wehe krieget / ein Volck zugleich geboren werden? Sol⸗ te ich andere laſſen die Mutter brechen / und ſelbſt nicht auch gebaͤren? ſpricht der HErꝛ:

Solte ich andere laſſen gebaͤren / und ſelbſt verſchloſſen ſeyn? ſpricht dein; GOOttt.

Pſ. 1. Wol dem / der nicht De 10 Rath

Hertzens⸗Spiegel. 125 Rath der Gottloſen / ſondern hat Luſt zum Geſetz des HErrn / und redet von feinem Geſetz Tag und Nacht / der iſt wie ein Baum gepflantzet an den Waſſerbaͤchen / der ſeine Frucht bringet zu ſeiner Zeit / denn ſeine Blatter verwelcken nicht / und was er macht / das geraͤth wohl. 1. Cor. 12/11. Der Heil. Geiſt theilet eis nem jeglichenzu / nach dem er wil. Epheſ. r. v. 5. Gott hat uns zuvor verordnet zur Kinds ſchafft durch Jeſum Chriſtum / nur um ſein ſelbſt willen. v. 9. GOtt hat uns kund ge⸗ than das Geheimniß feines Willens. I. Theſſ. 5/18. Denn diß iſt der Wille Gottes in Chriſto Jeſu gegen euch. Jacob. 1/18. Weil er gewolt hat / ſo hat er uns ge⸗ born / durch das Wort der Warheit. Pfal. 143710. Err / lehre mich deinen Willen. Matth. é. Dein Will geſchehe / wie im Him⸗ mel / alſo auch auff Erden. Matth. 12/50. Wer den Willen thut meines Vaters / der iſt mem Bruder. Joh. 4/34. Mein Speiſe iſt / daß ich den Willen thue deß / der mich ge⸗ ſandt hat. Joh. /. ſo jemand wil den Willen Gottes thun / der wird inne werden / ob dieſe Lehre von Gott ſey / oder ob ich von mir ſel⸗ ber rede. Dieſer Sprüche find viel in Heil. Schhrifft / welche anzeigen / daß alles nur an R b e /

146 Helleleuchtender

le / und Gottes Wille unſer Wille ſey / dieſer alleine thut alles / in welchem wir auch Gott ſo llen lieben von gantzem Heꝛtzen / Deut. 6, 5. c. 10 / 12. c. 11713. c. 26 / 16. c. 30/2. Der gute Will iſt Gottes Gab / Saß Gott darinn ſein Tempel hab) Ein Himmel und ein Paradeiß / Ein Acker der Goͤttlichen Speiß. | Ein Brunn des a Goͤttlicher

Der Glaub darinn 15 ſei eine Statt;

Darum waͤchſt dann der Lebens⸗ Baum /

Wofe min ihm Gott hat ſeingaum.

Abkehr von dem eigenen und

aͤntzliche Auffopfferung in en, 9 | |

ah meiner Seelen Leben! Dem ich mich zum Dienſt ergeben / Welchem auch der tieffſte Grund Aller Hertzen klar an fund,

Du HEreprüfeft ade Sinnen / Reden / Schweigen und Beginnen / Alles uͤberwaͤgeſt du / Was ich vor und nachmals thu?

3. Ach

RR ‚147

Ach ich wuͤnſche bün Willen Mir vor allem zu erfuͤllen / O ſteh dieſem Vorſatz bey / Mach mich e Willens frey.

Gib mir Kraͤffte / daß in allen

Mir dein Wollen mag gefallen: So in Freuden / als in Leyd / Soi in Zeit als e,

Stets nach deinen Wilen ſtreben

Heiſt den Engeln ähnlich leben / Und kan auch in Hoͤllen⸗Pein Glaͤubger Seelen ee ſeyn.

Da hingegen ſein Begehren,

Nicht in deinen Willen kehren / Bracht auch wol im Himmels Saal Unergröndte me „Quaal.

Deinen Willen in ſich ebene

Und den eignen Willen fliehen / Macht / daß ein betraͤbtes Hertz Ruhig lebt im A Schmertz⸗

Stuͤndlich mit ſich faber kaͤmpffen - Und den eignen Willen daͤmpffen / Bringt

143 Welleleuchtender Bringt uns oͤffters in der Zeit Einen Schmack der Seligkeit.

BL Drum / ſo will ich mich bezaͤhmen / Niemahls etwas vorzunehmen / Ohne was zu jeder Friſt Deinem Willen aͤhnlich iſt. 10

Wilt du mich im Himmel haben / | Ey / wie ſoll mich diß nicht laben! | Stoͤſt du mich zur Hoͤllen⸗ Glut? Was du wilt iſt mir ſehrgut? |

11. Doch verſichert mich dein Leiden / Blutig Schwitzen / toͤdtlich Scheiden / Das du ſolches nie gewolt / O Troſt / werther als das Gold.

12. Iſt es aber dein Behagen / Mich mit neuer Noth zu plagen / Daß ich keinen Troſt kan ſehns Amen! ja es mag geſchehn.

4 RAA. | Muß ich betend in den Wehen / Gleichwohl huͤlffloß von dir gehen? Bleibet endlich diß mein Ziel / Ich will nichts / was Gott nicht wil.

4 AR Schickeſt du mir Schmach n 5 8 19

Hertzens Spiegel. 149

Kelten / Feſſel Hohn und Schande / Ja was aͤrgers gußzuſteh e; Dein Will ſol an mir geſchehn.

15. kaß es donnern krachen / blitzen / Laß mich Pfeil und Schwerder ritzen; Wer ſich dir zu Grund ergibt / Bleibt im Unfall unbetruͤbt.

16. Soll mein Freund mir feindlich werden? Soll von vielerley Beſchwerden Mein Gemuͤth ſeyn traurens voll? Wilt du nur / ſo ſchmeckts mir wohl!

1

Wilt du / daß ich ſol derderben /

And durch Durſt und Hunger ſterben / Untergehn im Dampff und Rauch? Jeſu / Ja! das wil ich auch

18.

Iſt es aber dein Begehren /

Nich durch Kranckheit abzuzehren /

Biß mir Leib und Seele ſchmacht?

Hr dein Wollen werd vollbrachtt

Deinen Willen nehm ich an. L ii 20.395

130 Helleleuchtenden 20. 1 Ob mich tauſend Tod ſchon toͤdten / Bleibt dein Will in allen Noͤthen / Ja in ſchwerſter Seelen⸗Laſt / Bloß mein Labſal / Ruh und Raſt.

21. Summa / ſo es dein Belieben / Mich im hoͤchſten Creutz zu uͤben / Wo / wie lang und was du wilt? Diß iſts was mir ſtets gleich gilt. 22. Nichts iſt irgend zu erdencken / Was mich hier und dar mag kraͤncken / Dran ich meinen Willen nicht Schon in deinen eingericht.

1 23. Drum ſo magſtu ſo gebahren / Mit mir ſchaffen und verfahren / Wie es dich am beſten deucht: Weil mein Will ſich deinem gleicht.

7 24. Wi Doch in dem es ſchwer zu nennen / Deinen Willen recht zu kennen;

Ey ſo ſeufftzt mein Hertz und Mund / Mach mir ſelben klaͤrlich kund.

1 25. . Dein Geiſt / J Eſu / woll mich ſtaͤrcken / Daß im Laſſen / Thun und Wercken

Hertzens⸗Spiegel. 151

Ich von aller Eigenheit Solchen weißlich Fete 20a f

Und ja / was ohn ihn beginnet /

Oder Sleifeh und Blut erſinnet / Ich / obs noch ſo wohl geſtalt / Nicht vor deinen Willen halt.

Kr

Nun der du wuͤrck ſt guten Willen /

Send auch Krafft ihn zu erfuͤllen /

Und zu thun hie in der Zeit / Was dir lieb in SEIEN |

5} a IEſu / IEſu / hilff vollbringen / Hilff mir Fleiſch und Blut bezwingen / Es wird doch nichts außgericht / Was nicht u, dich geſchicht.

Betrachtung. Von endlicher Offenbahrung und Vereinigung GO Tes / oder e glaubigen

Skelen.

ENG offenbahret ſich GOtt wieder / durch eine Krafft / welche

im Hertzen auffgehet / dahin der Menſch nicht gedacht; da wird die ! Li Seel

112 Helleleuchtendern

Seel in ihrer ſtillen Ruhe der Gelaſ⸗ ſenheit gleich wie vom Schlaff auff⸗ geweckt. Wann ſich jetzt die Seel in ihrer Sinſamkeit befindet / ſo ruffet fie ihrem Braͤutigam mit einẽ ſtum⸗ men Munde / und ſchꝛeyet mit einem geiſtlichen innerlichen Geſchrey / aus dem innerſten Grund des Hertzens und kehret ſich gantz zu Gott / der ſich ſo lange verborgen hat; Jedoch wil⸗ liget ſte mit Freuden / ſtilleſchweigend in allen Dingen Gott ſtille zu hal⸗ ten / und ſeiner Huͤlff in Gedult zu warten. Und der Brunn der Goͤtt⸗ lichen Liebe lindert und verſchlinget alle Pein / daß die Seel allwege in Gottes Liebe bleibet / in einem inner⸗ lichen Himel / in demſelben wird al⸗ les begriffen: darinn wird die Seel von Gott erleuchtet / und feuerig von dem innerlichen Licht und Wort der Erkaͤntniß Gottes. Gott wird in ühr geboren / und wuͤrcket eine neue Crcatur durch den Heil. Geiſt aus dem Waſſer des Lebens; da iſt die Gottliche Gegenwaͤrtigkeit / und 05 a

Hertzens⸗Spiegel. 153 da wohnet die Heil. Dreyfaltigkeit. Alda kuͤſſet die Braut ihren Braͤu⸗ tigam / und er fuͤhret ſie in den Hein: Keller / und die Liebe iſt fein Panier uͤber ihr / diß iſt das Hoch⸗ zeit⸗Bette / jetzt ver ſtehet man recht das hohe Lied Salomonis. Aber der natuͤrliche fleiſchlich⸗ge⸗ finnere Menſch / wie gelehrt und weiſe er ſich duͤncket / vermag ſolche Himmliſche Dinge nicht zu begreif⸗ fen / ſo kan es auch keine menſchliche Zunge in dieſer Welt außſprechen; denn es iſt Goͤttlich / himmliſch / geiſt⸗ lich / wuͤber alle Vernunfft und Sin⸗ nen / dem Geiſte aber iſt es begreiff⸗ ich; Selig iſt der Menſch / der diß A⸗ endmahl ſchmecket / und das hoch⸗ eitliche leid angezogen hat.

Solche Weiſe wird von Gott bey tlichen Menſchen offt wiederholet / aber die Seele ſtehet doch in Gott / nd mercket wol / daß ihr Gott ſol⸗ es alles laͤſt zum beiten wieder fah⸗ en. Da auch endlich ſolche inner: iche Erkaͤntniß NN euſſerlichen

x v

Ders

154 SDellefeuchtender

Verſtande mittheilet / fo wird die Feuer⸗Flame Goͤttlicher Liebe noch mehr auffgeblafen und die Seele

mit GOTT vereiniget / daß alles Creatuͤrliche durch die Liebe Gottes veꝛſchlungen / und wie in einem Feu⸗ er verzehret wird. Die Seel wird durch diß Feuer probiret / und gelaͤu⸗ tert / Holtz und Stoppeln veꝛbꝛeñen / Gold und Silber bleibet. Dann wuͤndſchet die Seel / daß alle Men⸗ ſchen moͤchten dieſe Erkaͤntniß ha⸗ ben / ſintemalin der inwendigen Lie⸗ be Gottes / die Creatur den H. Geiſt in ihr wuͤrcklich empfindet / daß er in ihr ſeine Wohnung hat / weil ſie mit GoOtt vereiniget iſt / und wird mit Chriſti Fleiſch und Blut geſpeiſet / das Wort wird in ihr Fleiſch und le⸗ bendig / und wird CHriſto ihrem Haupte / als ein lebendiges Glied⸗ maß einverleibet / da da hat die Seel ihre hoͤchſteRuhe un Sabbath / und Gott oͤffnet ihr feine Thuͤr / daß fie durch Chriſtum zu ibm eingehet / und um ane 5

| | i

Hertzens⸗Spiegel. 155

ihr Vertrauen allein auff Gott ſtel⸗ let / ſie begehret mit Paulo abzuſchei⸗ den / und ſpricht mit dem alten Si, meon; HeErꝛ nun laͤſſeſtu deinen Diener im Friede fahren / denn mei⸗ ne Augen haben deinen Heyland ges ſehen / hier wird die Seele nach dem Abſcheide von den Engeln getragen in Abrahams Schooß ins Himmli⸗ ſche Paradieß / daß fie ruhet in der Hand des. HErꝛn / und ſie weiter kei⸗ ne Quaal beruͤhret: ſondern wartet der Aufferſtehung von den Todten / biß ſie wieder mit dem verklaͤrten Leibe vereiniget / und in die ewige Herzlichkeit auffgenommen wird /

Amen. Zeug⸗

156 Helleleuchtender

Zeugniß der Heiligen Schrifftr.

Hoſ. 6/3. Der HE: wird herfuͤr bre⸗ chen / wie die ſchoͤne Morgen⸗Roͤthe / und wird zu uns kommen / wie ein Regen / wie ein Spat⸗Regen / der das Land befeuchtet.

2. Cor. 3 / 18. Nun aber ſchauen wi die

Klarheit des HEren / wie in einem Spiegel mit auffgedecktem Angeſicht / und wir wer⸗ den verklaͤret in daſſelbe Bilde von einer Klarheit zur andern / als vom HEren / und feinem H. Geiſt. 1. Cor. 3/1 1. Einen andern

Grund kan niemand legen auſſer dem ꝛc. Actor. 2 / 3. Und man ſahe an ihnen die Zungenzertheilet / als waͤren ſie feuerig / und er ſatzte ſich auff einen jeglichen unter ihnen / und wurden alle voll des Heil. Geiſtes / un d fingen an zu predigen mit andern Zungen / nach dem der Geiſt ihnen gab auszusprechen. 2. Cor. 4 / 6. Gott / der da heiſt das Licht aus der Finſterniß herfuͤr leuchten / hat ei⸗ nen hellen Schein in unſer Hertz gegeben / daß in uns entſtuͤnde die Erleuchtung von der Erkaͤntniß der Klarheit Gottes in dem Angeſicht JeſuCheiſti. Col. / 12. Der. O Err hat uns tüchtig gemacht zu dem Erbtheil Der Heiligen im Licht. Zach. 10/2. Ich will fie ſtaͤccken in dem HErzn / daß ſie ſollen * wa

Hertzens⸗Spiegel. 1 7

wandeln in feinem Namen / ſpricht der HErz. Pf. 27/1. Der. Ert iſt mein Licht und Heil / für wem ſolt ich mich fürchten / der HEreꝛ iſt meines Lebens Krafft / fuͤr wem ſolte mir grauen. Pf. 36/10. Denn bey dir iſt die lebendige Quelle / und in deinem Licht ſehen wir das Licht. Pf. 112/4. Den Frommen gehet das Licht auff in Finſterniß von dem Gnaͤdigen / Barmhertzigen und Gerechten. 2. Cor. 4/ 2. Wir faͤlſchen nicht GOttes Wort / ſondern mit Offenbahrung der Warheit / beweiſen wir uns wol für aller Menſchen Gewiſſen gegen Gott. 1. Cor. / Wartet nun auff die Offenbahrung unſers Her: Jeſu Chriſti / welcher auch euch wird feſt behalten biß ans Ende / daß ihr unſtraͤf⸗ Lich ſeyd auff den Tag unſers HErꝛn IEſu Chriſti. 1. Cor. 2/10. Uns aber hat es GOtt offenbahret durch feinen Geiſt / dann der Geiſt erforſchet alle Ding / auch die Tieffe der Gottheit. 1. Petr. 1713. Setzet euere Hoffnung gantz auff die Gnade / die euch an⸗ geboten wird durch die Offenbahrung Jeſu Chriſti / als Kinder / denn es ſtehet geſchrie⸗

ben / ihr ſolt heilig ſeyn / denn ich bin hei⸗ ig. 1. Joh. 3/2. Wir wiſſen aber / wenn er erſcheinen wird / daß wir ihm gleich ſeyn werden / denn wir werden ihn ſehen wie er iſt / und ein jeglicher / der ſolche vorne at

158 Helleleuchtender

hat zu ihm / der reiniget ſich / gleichwie er rein iſt. Rom. 10/8 Das Wort iſt dir nahe / nemlich in deinem Pertzen / und in deinem Munde. 1. Cor. 3 / 16. Wiſſet ihr nicht / daß ihr Gottes Tempel ſeyd / und der Geiſt Gottes in euch wohnet / der Tempel Gottes iſt heilig / der ſeyd ihr. Apoc. 3 / 12. Wer uͤberwindet / den wil ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines GY Tes. Liß das gantze Hohe⸗Lied Salomonis. Pf. 140/14.

Die Frommen werden fuͤr deinem Ange⸗

ſicht bleiben. Eſa. 40/3 1. Die auff den Ern harren / kriegen neue Krafft / daß

ſie aufffahren mit Flügeln wie Adler daß ſie

lauffen / und nicht matt werden. Os. 2/19.

Ich wil mich mit die veꝛmaͤhlen in Guͤtigkeit und Barmhertzigkeit. Liß das Gleichniß von den fünff klugen Jungfrauen. Mat. 27. Rom. 8 / 18. Denn ich halte es dafür / daß die ſer Zeit Leiden der Herelichkeit nicht werth

ſey / die an uns ſoll offenbahr werden. 2. Cor. 12/7. Und daß ich mich der hohen

Offenbahrung nicht uͤberhebe / iſt mir ein

Pfahl ins Fleiſch gegeben / nemlich des Sa⸗ tans Engel / der mich mit Faͤuſten ſchlaͤgt /

auff daß ich mich nicht uͤberhebe. Col. 3/4.

Wenn Chriſtus euer Leben ſich offenbahren wird / alsdann werdet auch ihr mit ihm of⸗ fenbahr werden. Ihren. 3732. Tan er | ktrů⸗

I

*

Hertzens⸗Spiegel. 159

betruͤbet hat / ſo erbarmet er ſich auch wie⸗ der nach feiner groffen Güte / denner nicht von Hertzen die Menſchen plaget und betruͤ⸗ bet. Pſalm 34. Der HErzerlöfet die Seel feiner Knechte. Pf. 55/19. Der HErꝛ hat meine Seel erloͤſet / und in Frieden geſetzt. Jer. 3 1. Fuͤrchte dich nicht / ich habe dich ers loͤſet. Eſa. 62/12. Man wird fie nennen die Erloͤſeten des HEren. Hebr. 2/ 14. Chriſtus hat durch ſeinen Tod abgeſchafft

den / der des Todes Gewalt hatte / das iſt / den Teuffel / und hat erlediget alle dieje⸗ nigen / ſo viel ihrer durch Furcht des Todes ihr gantzes Lebenlang der Knechtſchafft un⸗ terworffen waren. Eſa. 62 / 2. Und du ſolt mit einem neuen Namen genennet werden / welchen des HEren Mund nennen wird / ja du wirſt ſeyn eine ſchoͤne Krone in der Hand des HErꝛn / und ein Koͤniglicher Hut in der Hand deines GOttes. Apoc. 4/4. Die vier und zwantzig Aelteſten hatten auff ihrem Haupt guͤldene Kronen. Sap. 5/17. Darum werden ſie empfangen eine herzliche rone von der Hand des HEren. Eſdr. 2. Und mitten unter ihnen ſtund ein gerader Juͤngling / und ſetzte einem jeden unter ih⸗ nen eine Krone auff ſein Haupt. 2. Theſſ. 4: 0.7. Ich habe einen guten Kampff gekaͤmpf⸗ et / ich habe den Lauff vollendet / 5 115 Au»

160 Helleleuchtender

Glauben gehalten / hinfort iſt mir beygelegk die Krone der Gerechtigkeit / welche mir der Her: an jenem Tage / der gerechte Richter geben wird / nicht mir aber allein / ſondern auch allen / die ſeine Erſcheinung lieb haben. Allhier wird unſer Chriſtlicher Apoſtoli⸗ ſcher Glaub in uns off enbahr und kraͤfftig / der alſo lautet: Ich glaub an Gott den Va⸗ ter / Allmaͤchtigen Schoͤpffer Himmels und der Erden. ꝛc. 2c. 2c. | 2. Cor. 5/16. Darum von nunan kennen wir niemand nach dem Fleiſch / und ob wir auch Criſtum gekennet haben nach dem Fleiſch / fo kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr. Darum iſt jemand in Chriſto / ſo iſt er eine neue Creatur / das Alte iſt ver? gangen / ſiehe / es iſt alles neu | worden. n Wenn endlich Gott ſich offenbahrt / Der Seel / das iſt ihr Himmelfahrt; Gott wird in ihr ein Lebens Krafft / Der fie jetzt wieder neu geſchafft / Das Liebe⸗Feur iſt Gottes Geiſt / Der hie die Seel lehrt / troͤſt und

BER ſpeiſt / Sie wird gekroͤnt / das gleiſch ver⸗ | ſchwindt / Daß ewig ſie bleibt GOttes Kind. NR Freuden⸗

©

Hertzens⸗Spiegel. 15r

Denen, Lied / von der Cron der ewigen Seligkeit.

Semen Fieundſtommt hoͤret an / Was mir mein Gott wird geben / Kommt / ſchaut wie man wird angethan Im ewgen Freuden⸗Leben; Kommt her / hoͤrt ſingen von der Cron / Die mir mein Braͤutgam Gottes Sohn Wird ewiglich aufffegen,

Iſts nicht ein Troſt / 5 rufft mir ſchon? Er rufft / ich ſoll nur kommen / Herab vom Berge Libanon / Sein Stimm hab ich vernommen! Er rufft mir nach / er nennt mich Braut / ie ihm verlobt iſt und vertraut: Er will mich ewig 9

Die Crone iſt das hell Licht / Damit ich kan anſchauen /

Der ewgen Warheit Angeſicht Und ihrer Schoͤnheit Auen:

Mit dieſer Cron werd ich umlaubt / Weilichder Warheit hab geglaubt O ſchoͤne Nr Crone!

ie Cron fi Fried Ei Sicherheit / Das mich nichts 155 vertreiben;

Daß

162 Helleleuchtender

Daß ich in ſolcher Seligkeit Werd ewiglich verbleiben;

Mit dieſer Crone kroͤnt mich Gott Weil ich auff ihn gehofft in Noth.

O ſchoͤne Freuden⸗Crone!

1 5 70 5. 4

Die Cron iſt hoͤchſte Lieblichkeit /

Gott innigſt zu genieſſen Und info fuffer Wonn und Freud

Mit ewger Luſt zerflieſſen: Warum er dieſe Cron mir gibt / Iſts / weil ich ihn allein geliebt;

O ſchoͤne Fee

Die Cron iſt hoͤchſte Seelen: Ruhr Das Auffhoͤrn vom Verlangen / So daß ich kan in jedem Nu Dasewge Gut umfangen: . Weil ich ihn ſtets verlangt allhier / So gibt Gott dieſe Crone mir; O ſchoͤne Freuden⸗Crone!

1 Die Cron wird hoͤchſte Klarheit ſeyn / In der mein Leib wid glaͤntzen / Mehr als der Sonn und Monden Schein Ins hohen Himmels Graͤntzen; Er wird mehr glaͤntzen als Cryſtall / Demant /Carfunckel und Opal; O ſchoͤne Freuden ⸗Crone! 3 8. Die

Kerend- Spiegel. 163

8. Die Cron iſt / daß kein Angſt noch Leid Mich ewig mehr kan kraͤncken; Daß mich nichts kan in Traurigkeit Noch eingen Unmuth ſencken: Daß ewig ich geſund werd ſeyn / Und allzeit frey von aller Pein. O ſchoͤne Freuden⸗Crone!

9.

Die Cron wird ſein Subtiligkeit

Des Leibs und ſeine Staͤrcke / Die dann ihm beywohnt jederzeit / In jedem Thun und Wercke: Er geht durch Eiſen und durch Stein / Wie durch ein Glaß der Sonnen Schein: O ſchoͤne Freuden⸗Crone!

10. ie Cron iſt die Geſchwindigkeit Der hoͤchſt⸗geſchickten Glieder / urch die ich flugs kan weit und breit Nach Wunſch ſeyn hin und wieder: Wo ich nur will / da bin ich bald / Im Augenblick ohn Auffenthalt. O ſchoͤne Freuden⸗Crone!

II. Die Cron iſt hoͤchſtes Wohlgefalln / An himmliſchen Gebaͤuen; ie Luſt an den Geſchoͤpffen alln / Die Gott denn wird verneuen; M ij Da

164 Helleleuchtender Da wird man ſchau'n Sonn / Mond und Stern /

Wie man nur will / bald nah bald fern. O ſchoͤne Freuden Erone!

12.

Die Cron iſt ferner der Genuß Der Engliſchen Geſpielen /

Der Heilgen unverfaͤlſchter Kuß / Die Liebe von ſo vielen;

Die innigſte Vertraulichkeit /

Die Demuth und die Freundlichkeit Oſchoͤne Freuden⸗Crone!

13.

Die Cron iſt / daß ich / wenn ich will / Auch gar kan IEſum Fuffen / Und feinen Kuß ohn Maß und Ziel /

Hinwiederumb genieſſen; Die Cron iſt ihm gemeine ſeyn Empfahen ſeines Lichtes Schein:

O ſchoͤnſte Freuden⸗Crone!

14. Die Cron iſt ewge Lebens⸗Luſt Von GOttes Angeſichte / Von feinem Geiſt und feiner Bruſt / Von dem Drey⸗Eingen Lichte: Eins ſein mit Ihm / das ſeyn was Er / Ein Geiſt / ein Einges Wolluſt Meer. O aller ſchoͤnſte Crone! *. 15. Diß

Hertzens⸗ Spiegel. 165

| 15. Diß iſt die Cron / die ewge Cron / Die Gott mir auff wird ſetzen: So will ſein Printz und einger Sohn / Mein Ieſus / mich ergetzen: Hat auch ein Kaͤyſer ſolche Macht Gehabt und je zu weg gebracht / Als meine Macht und Crone? ö 16. O Hert ens Jeſu / wuͤrcke doch Und büff mich zu bereiten! Behuͤt mich fuͤr der Sünden Joch / Verleih mir Krafft zu ſtreiten! Erhalt mich treu biß in den Tod! Gib Sieg / daß du mich / ſuͤſſer Gott / Kanſtewig mit dir kroͤnen! Andaͤchtige

Achluß⸗ Betrachtung uͤber die Freudenreiche Erquickung und Verzuͤckung des

Geiſtes und Gemuͤthes in den lebendigen GOtt. M ui Ach!

166 Helleleuchtender

Dr wie wird mir? was vor Wonne? Was vor Strahlenꝛ was vor Ruh? Was vor ſuͤſſe Aebes⸗Blicke / wirfft mir IeEſus Antlitz zu? Hat mich wol der Schlaff beſtricket oder traͤumet etwan mir? Daß ich nach ſo langem F ſolche hohe Luſt verſpuͤhr; Deucht michs? oder iſts im Weſen? bin ich in mir oder nicht? Ach! mein Geiſt iſt ſchon geneſen / JEſu / durch dein Hoͤttlich Lichtt. Welch ein Außfluß hoͤchſter Freuden übers daͤmmt nun mein Gemuͤth? Adern Nerven ſammt den Sinnen ſind mit | Wolluſt uͤberſchutt. Seel und Hertze / Haupt und Glieder / ales was ſich in mir regt / Wird durch IEſu Liebes⸗Flamme auchi in volle Glut gelegt. O! du Wohnhauß eitler Lasten Welt / dir geb ich gute Nacht! Deine Luſt iſts / die der Wollust GoOttes mich verluſtigt macht. Gnug daß du mit deinen Larven mic biß⸗ her haſt ſo bethoͤrt; Du muſt weichen: weil mein IEſus mich mit ſeiner Ankunfft ehrt. | Nun ſchmeck alles ich in Ihm mir iſt alles beygethan / Was

Hertzens⸗ Spiegel. 167

Was zu wahrer Hertz⸗ Vergnuͤgung die⸗ nen und befoͤrdern kan.

Weg du Glantz der Diamanten / weg Car⸗ funckel und Sapphir /

Der ſich meiner Seelen seiget / Si ſteiget er;

Ja / die Sonne ſteht erblaſſet fuͤr dem Strahl / der in mer ſcheint /

Weil Sort ſich mit iir / und mich weſentlich mit ſich vereint.

Itzo ſpiegelt ſich